Reisen – einfach wunderbar

25 Mrz

Momentan liebe ich meine Stadt. Die Sonne scheint und alle kleinen Hanseaten sind gut drauf und stehen einfach nur glücklich grinsend draußen rum. Oder sitzen schonmal im Café probeweise draußen und lassen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Sie vergessen, dass der Schein trügt oder zumindest nur von kurzer Dauer ist. Sobald nämlich die Sonne unter geht, darf man wieder die Wollmütze und Flauschhandschuhe rausholen und sich in den Windschatten stellen. Hamburg liegt halt nicht am Mittelmeer, schon gar nicht im März.

Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich mal kurz übers Reisen schwärmen. Reisen ist phantastisch. Es ist einfach (zumindest kann man es einfach halten), erfüllend (sofern man sich drauf einlässt) und erweitert ungemein den Horizont. Reisen erfordert natürlich Zeit und meistens auch Geld. Kann man zu viel reisen? Ich glaube, man kann sich tatsächlich verirren und muss auf den Punkt achten, an dem man haltlos geworden ist. Zwischendurch ist es auf jeden Fall ratsam, sich Zeit zur Verarbeitung zu nehmen. Außerdem ist das Wichtigste, die Zeit einfach in ihrem eigenen Tempo laufen zu lassen. Je nachdem, wo man sich befindet, läuft die Zeit anders. Manchmal, weil man sich nicht mehr im Alltag befindet und manchmal auch einfach, weil am anderen Ende der Welt eine andere Tageszeit herrscht.

Ich habe immer die Idee im Kopf, dass es an meinem jeweiligen Reiseziel (das kann auch einfach in Berlin oder irgendeinem Dorf in Dänemark sein) ganz anders sein wird als zuhause. Allein schon die Fahrt finde ich klasse. Ohrstöpsel rein, am besten neue Musik hören und dann die Gedanken mit der Landschaft schweifen lassen. Im Flugzeug habe ich dagegen meine Probleme. Ich kralle meine Finger in die Armlehnen oder wahlweise meinen Reisepartner, halte solange es geht die Luft an (hilft aber nicht wirklich) und konzentriere mich voll und ganz auf den immer größer werdenden Abstand zwischen mir und dem Boden. Das Flugzeug liegt steiler als eine Achterbahn in der Luft und irgendwann stellt es sich schräg und mir wird ganz schlecht. Dann knallt noch die Sonne rein und tanzt verrückt am Himmel. Gekotzt habe ich aber zum Glück noch nie. Oben geht es mir wie im Traum. Überall Wolken. Nein, im Ernst, es fühlt sich nicht real an und ich kann mir den Abstand zum Boden nur noch abstrakt vorstellen. Witzigerweise geht es mir bei der Landung immer ganz gut. Richtig gut nach der Landung. Mittlerweile habe ich aber meine Flugangst einigermaßen im Griff.

Start aus Vancouver

Über den Wolken von Vancouver

Das wirklich faszinierende ist für mich am Reisen, dass ich mich tatsächlich physisch an einem anderen Ort befinde. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber so geht es mir. Eben habe ich mich mir noch vorgestellt am Strand von Kreta, jetzt bin ich tatsächlich da. Oder gestern abend habe ich noch geträumt vom sanften Wellenrauschen in Italien, nun, fast einen ganzen Tag danach, stehe ich tatsächlich hier und schaue aufs Wasser. Die Orte, von denen man hört, liest oder die man auf Bildern sieht, werden ganz real und dadurch meist schon ein bisschen entzaubert. Mit den Sitten und Gepflogenheiten vor Ort will ich gar nicht erst anfangen, dass geht zu sehr in die Tiefe. Aber was mir immer wieder auffällt, ist dieses Gefühl von physischer Existenz. Irgendwann, wenn wir uns erst einmal beamen können, ist das vielleicht noch krasser. Oder man vergisst es dadurch auch total, weil Distanzen ohne jeden Respekt überwunden werden.

Die größte Herausforderung am Reisen ist das Nachhause-Kommen. Sei es nach einem erholsamen Urlaub zurück in den (stressigen) Alltag oder nach Wärme und Sonne wieder in das graue Matschwetter oder einfach das Bewahren dieses Gefühls, zu leben. Hamburg ist für mich eindeutig eine Herausforderung und ich bin froh, viele Menschen um mich zu haben, die mir immer wieder zeigen, dass es trotzdem nicht Stillstand bedeuten muss.

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Eine Antwort to “Reisen – einfach wunderbar”

  1. Holger März 29, 2013 um 7:43 am #

    Hallo,

    ich finde deine Beschreibung des „Reisens“ sehr schön. Zuerst mal ist es für mich die Zeit vor der Reise, die es zu einer tollen Sache (für mich) macht, da ich mir ausmale, wie es dort sein wird, wo ich hin möchte und was für tolle Sachen ich dort sehen werde bzw. welche tollen Erfahrungen ich dort machen werde. Auch wenn sich dann nicht alles so erfüllt, wie ich es mir vorgestellt habe, versuche ich das für mich schöne und positive daraus zu ziehen und mich nicht zu sehr von dem beeinflussen zu lassen, was ich nicht so klasse finde. Ich glaube genau das gibt einem dann den Kick nach der Heimkehr darüber nachzudenken, wo man als nächstes gerne mal hinmöchte. Soll heißen, man muss Spaß an der Entdeckung haben und sich nicht enttäuschen lassen, wenn nicht alles genauso ist, wie man es sich vorgestellt hat. Schon als Kind wollte ich immer was entdecken, da muss doch noch was sein hinter der nächsten Ecke und auch wenn da nichts spannendes war, kam zumindest noch eine Ecke wo man ja auch noch mal rumgucken konnte. Ich glaube diese Neugier auf Neues gibt einem viel für das Leben insgesamt, man bleibt offen für Anderes und Unbekanntes. Und genau das ist auch das tolle Gefühl beim Reisen, also bei der Reise selbst. Daher wird das „Beamen“ bestimmt nicht so klasse sein, wie man es sich vielleicht vorstellt, weil man keine Zeit hat zu dem Ort zu reisen, sondern gleich da ist (obwohl ich es sehr reizvoll fände es mal auszuprobieren).
    Mir fällt es immer schwer Menschen zu verstehen, die gar nicht entdecken wollen, ich dachte lange Zeit alle Leute müssen doch genauso gerne entdecken und Reisen. Aber mittlerweile kann ich Leute besser verstehen, die nur zu Hause bleiben möchten und damit glücklich sind. Und wenn die mich nicht verstehen ist mir das mittlerweile auch nicht mehr so wichtig, da ich hoffentlich noch lange mit Begeisterung entdecken kann.
    Noch kurz was zu Hamburg (weil darum geht es ja vor allem in diesem Blog), auch hier kann ich nach sehr langer Zeit immer noch neues entdecken, also in die Stadt verreisen. Einfach rein in irgendeine S oder U Bahn und nach 3,5 oder 7 Stationen aussteigen und ich bin in einer anderen Stadt, das ist manchmal echt irre. Insofern ist Hamburg eine total tolle Stadt. Aber das Wetter nervt mich schon sehr, ich hätte es gerne immer wärmer und mehr Sonne. Naja, vielleicht steht ja auch für mich nochmal ein längerer Ortswechsel an, als nur eine Reise im normalen „Arbeitsleben“ Urlaub.

    Ich freue mich auf weitere Artikel, vor allem auch zu den Stadtteilen, natürlich weil ich auch da dann wieder was entdecken kann!

    Also, mach bitte weiter mit dieser Seite, der Anfang ist für mich schon echt klasse gemacht.

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