B.C.

5 Apr

Man könnte denken, ich wolle hier über British Columbia schreiben. Will ich aber nicht. Ich schreibe über eine berühmte Hamburger Coffeeshop-Kette und möchte euch nicht bereits mit dem Namen „spoilen“ oder irgendwie Werbung machen. Falls das hier überhaupt möglich ist. Egal, kommen wir zum Thema.

Es war damals, ich war gerade mal siebzehn (so ungefähr jedenfalls). Ich war mit ein paar Freundinnen in der Innenstadt unterwegs, was zu der Zeit für uns echt noch ein Abenteuer darstellte. Auch und gerade mit dem Auto aus Bergedorf. Wir waren für einen Kinofilm im Cinemaxx Dammtor verabredet, das mittlerweile so ziemlich das einzige noch überlebende Kino in der näheren Umgebung dort ist. An den Film erinnere ich mich nicht mehr, aber an den Kaffee davor. Es war in diesem kleinen Shop in den Colonnaden…heißer White Chocolate Moca mit Sahnehaube im Pappbecher. Erst standen wir im Laden, denn zu der Zeit gab es noch keine Stühle dort, später schon, wieder später auch wieder nicht. Dann trugen wir ach-so-cool unsere To-Go-Becher um die Alster, jedes Schlückchen genießend. Es war Winter. Da habe ich mich verliebt.

Diese Liebe wurde später arg auf die Probe gestellt, es gab einfach zu viel Nähe. Man hat Dinge voneinander erfahren, die man nicht wissen wollte, doch der Kaffee war immer himmlisch und ist es auch heute noch (meistens). Wir hatten mehrere Anläufe, B.C. und ich. Ich flirtete hemmungslos mit B.C., in den Colonnaden und auch am Hauptbahnhof, bis ich irgendwann den ersten Schritt machte. Ich ging hin und fragte nach einem Job. Ich träumte davon, Milch zu schäumen und permanent den tollen Kaffeeduft in der Nase zu haben. Ich wurde eingestellt. Ich schwebte echt im siebten Himmel. Ich durfte Kaffee trinken, zubereiten (aber erst nach einiger Zeit) und hatte immer, aber auch immer (!) richtig tolle Kollegen um mich herum. Immer. Und es war eine lange Zeit, die ich dort verbracht habe, insgesamt bestimmt fünf Jahre. Nebenbei hab ich auch ein bisschen studiert, falls das mit uns nichts wird, aber B.C. hat es mir nicht übel genommen. Wir hatten eine klasse Zeit. Irgendwann brauchten wir aber Abstand voneinander, denn, wie gesagt, zu viel Nähe. Witzigerweise kam meine Tätigkeit bei B.C. auch später immer total gut an, wenn ich irgendwo neu war. „Oh, du bist eine echte Barista? Wie chic!“ Natürlich gleich immer verbunden mit dem Vorschlag, Kaffee zu machen. Aber die verträumten Augen sprachen Bände über Caramel Machiatos – entschuldigung, Machiati! oder Café Latte, also nicht das „Kaffeemachen“, wie man das so kennt. Ich konnte es nachempfinden. Aber von außen ist es immer auch ein bisschen schöner, wegen der Distanz und so.

Irgendwann war es wieder so weit, ich kehrte zurück. Aus Gründen, die ich nicht näher darlegen will. Und diesmal war alles anders. Es war ein riesiges Team (aber absolut spitze), stressig (speziell an den Crazy Samstagen) und naja…auch manchmal ein bisschen heftig. Lag nicht an B.C., sondern an der Alster. Die Alster zieht halt komische Gestalten an (die, die jetzt wissen, was ich meine, wissen jetzt schon…die anderen dürfen sich was ausdenken). Trotzdem war es ein herzliches „nachhause-kommen“, und das war alles, was ich damals wollte. Sicherheit, Geborgenheit, Routine. Und so arbeitete ich glücklich (oder besser gesagt nicht unglücklich) vor mich hin und träumte von Kanada. Bis ich eines Tages versetzt wurde und Verantwortung übernehmen sollte. Und – Überraschung – es war wirklich cool! Ich führte praktisch meinen eigenen Laden. Es war die Zeit vor der bösen Fusion. Da gab es noch eine eigene Verwaltung, und wer über die meckerte, war sich nicht im Klaren, wie eigenständig und familiär alles lief. Das ist heute sehr anders. Hat man mir gesagt. Ich habe meine Quellen.

Sowohl den ersten Laden, in dem ich damals mit siebzehn war und in dem ich dann vier Jahre gearbeitet habe, als auch den, den ich später praktisch alleine geführt habe, gibt es heute nicht mehr.

Hamburg ist für mich immer auch B.C. gewesen (Jetzt ist das mit British Columbia wirklich witzig). In Vancouver habe ich auch in einem Coffeeshop gearbeitet. Dort habe ich auch den Entschluss gefasst, dass es Zeit ist, ein für allemal damit aufzuhören. Und immer wenn ich das erzähle sagen mir Leute „…außer, es ist dein eigener.“ Vielleicht gibt es den ja irgendwann. Und dann werde ich bestimmt wieder Milch schäumen und superschöne Latte Art fabrizieren.

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Eine Antwort to “B.C.”

  1. tamontenyamashiro April 6, 2013 um 2:32 pm #

    Liest sich klasse. Gruß an den Dortmundfan. 😉

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