Frauen und Fussball

17 Apr

Der Fussball hat spätestens seit der WM 2006 ja bekanntlich alle im Griff, nicht nur in Hamburg, sondern deutschlandweit. Und was früher wohl nur unter Ultra-Fans denkbar gewesen wäre, ist heute so normal wie noch nie zuvor: Auch Frauen gucken zu. Und sie feiern jedes Mal mit, wenn irgendwo ein Public Viewing veranstaltet wird. Früher hat man sich in den heimischen Garten gesetzt, den Grill angeschmissen und zischend eine Dose Bier geöffnet. Während Frauen und Kinder anderen Beschäftigungen nachgingen.

Heute kauft man sich mit der gesamten Familie erstmal eine Reihe Trikots und Farbe fürs Gesicht, ein Schweißband und dann lackiert man sich anschließend die Fingernägel in den passenden Farben. Ja, auch manche Männer tun das. Große Flaggen werden gehisst oder als Umhang getragen. Und diese überdimensionalen Hüte! Und Vuvuzelas! Irgendwo wird dann ein Fernseher auf die Straße gestellt (denn der Garten ist ziemlich uncool geworden heutzutage). Nur das Bier, das gibt es immer noch. Hauptsache, man wird gesehen beim Fussball gucken. Das ist nämlich die wahre Bedeutung des PUBLIC Viewing. Dank der Frauen.

Übers Jahr hinweg gibt es wahrscheinlich nicht mehr Frauen als früher, die sich irgendwie für Fussball interessieren, kaum eine kennt die Bundesligatabelle oder weiß, bei welchem Verein „Schweini“ oder „der hübsche“ Mats Hummels eigentlich spielen. Sag ich jetzt mal. Wäre mein Freund nicht so fussballverrückt, wüsste ich das nämlich auch nicht. Aber kaum ist eine Europameisterschaft oder gar eine Weltmeisterschaft im Anmarsch – und das Wetter spielt mit – geht es wieder gemeinsam zum Griechen um die Ecke oder eben mitten auf die Straße. In die Öffentlichkeit. Und man lässt sich dann als Frau erstmal erklären, wer diese neuen Leute im Kader sind, von denen man vorher irgendwie noch nie gehört hat.

Hamburg hat aber fussballtechnisch noch mehr zu bieten als ein paar lustige Sommerevents. Es bietet zwei Gruppen von Menschen eine Zugehörigkeit. Die offensichtlichere und vielleicht größere Gruppe ist die Fangemeinde des HSV, der angeblich seit seiner Gründung noch nie die erste Liga verlassen hat. Naja gut, stimmt auch. Dafür dümpelt man halt auch schon seit Ewigkeiten im Mittelfeld der Tabelle herum. Die weitaus wichtigere – da besondere – Gruppe besteht aus denjenigen, die entweder für St. Pauli sind oder gegen den HSV. Man vereint sich da, es macht nichts.

Der HSV verkörpert mit seinem Stadion und seinem Personal ein bisschen den Mittelstand sowie die Handelsleute, die diese großartige Stadt aufgebaut und zu dem gemacht haben, was sie ist. Und St. Pauli ist sympathisch, ehrlich, authentisch und ein bisschen dreckig, wenn man so will. Allein die Lage direkt neben dem Kiez verrät schon den Ursprung der Fans aus der Hafenarbeiterklasse. Heutzutage ist es politisch korrekt und absolut schickes Understatement, wenn man Fan ist oder eben nicht dem HSV zujubelt. Nur ein echter Hamburger kennt überhaupt den Verein! Wenn Touristen fragen, „Wo ist denn hier das Stadion?“, dann guckst du als Hamburger erstmal abschätzig von oben nach unten und fragst dann: „Welches meinst du?“ Er schaut dich verdutzt an. „Na, das Fussballstadion von „Hamburg“ natürlich!“ Und du erwiderst lässig: „Achso, das. DAS VOM HSV ist da hinten am Ende der Stadt. Richtig cool ist allerdings das Millerntorstadion, schon mal gehört? Vom FC St. Pauli, hier vorn, direkt neben der Reeperbahn (du sagst auch nur Reeperbahn, weil es sich um einen Touri handelt).“ Es hat tatsächlich Flair, dieses relativ kleine, halboffene Stadion. Im Hintergrund sieht man mit Chance auch bei einer Fernsehübertragung den beleuchteten Dom, so dass das Geschrei von der Tribüne noch verstärkt wird vom Gekreische aus der Achterbahn direkt 10 Meter weiter. Wenn es regnet, wird man halt nass und man steht eher als dass man sitzt. Die VIP-Lounge hat ihren ganz eigenen Charme im Sinne der Astra-Kultur.

Beide Anhänger behaupten also, sehr patriotisch zu sein, wenn sie dem einen oder anderen Verein beistehen. Aber was soll’s, letztlich sind wir ja alle Hamburger…(Haha! wer’s glaubt…)

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