Die Sucht, die ihresgleichen sucht

18 Apr

Ein kleiner Exkurs heute in meine verworrene Gedankenwelt. In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Sucht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man als Mensch gar nicht drum herum kommt, irgendeiner Sucht zu frönen oder nachzugeben. Hat man eine überwunden, kommt schon die nächste. Es ist ja auch Definitionssache, ob man etwas nur regelmäßig macht oder schon süchtig ist. Entzug ist aber immer ein guter Test. Da der Mensch ja bekanntlich ein Gewohnheitstier ist, denke ich, wird vielleicht auch das Sucht-Verhalten selbst irgendwann zur Gewohnheit. Die Frage ist nur, ob man auf einem Level bleiben kann oder auch bei den Süchten selbst die Intensität erhöht wird…

Es gibt viele Varianten, die erstmal nicht auffallen oder sogar positiv erscheinen: Sport-Sucht, gesunde Ernährungs-Sucht, ungesunde Ernährung-Sucht, Internet-Sucht, Gedanken-Sucht, Cola-Sucht, Musik-Sucht. Dann natürlich die Süchte, die schon etwas härter sind und definitiv destruktiv: Alkohol-Sucht, Drogen-Sucht, Spiel-Sucht, Mager-Sucht…

Irgendwie finde ich die Sucht, zu leiden, jedoch am härtesten. Sie lässt sich kombinieren mit jeder anderen Sucht und sucht sich stets ihre Partner, ist aber auf jeden Fall der Nährboden für Unglück. Warum sind Menschen so oft lieber deprimiert als glücklich? Ich rede nicht von der Depression als Krankheit, sondern von der Gewohnheit, zu leiden. Nicht zuletzt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ist es nicht leichter, leicht durchs Leben zu gehen? Sollte man meinen. Aber fällt die Sucht weg, entsteht erstmal ein Vakuum. Vielleicht wird man ohne sein Leid nicht mehr beachtet oder gar geliebt? Man muss Verantwortung für sein Handeln übernehmen, wenn man nicht mehr leidet. Es gibt kein Druckmittel mehr, um bestimmte Menschen in seiner Nähe zu behalten und ernst genommen wird man anscheinend auch nicht mehr. Gnadenlos ehrliche Menschen sind sozial unglücklicher, einsamer. Doch eine Befreiung von der angenommenen Abhängigkeit ist umso erhebender, wenn man feststellt, dass man doch noch und diesmal richtig ernst genommen wird.

Emotionale Erpressung und das Leid: Ein Fundament, auf dem Beziehungen gebaut werden. Es ist schmerzhaft, sich zu lösen. Und doch so befreiend. Kein Auf-die-Probe-stellen mehr, sondern Vertrauen. Vertrauen erfordert unendlich viel Mut. Vielleicht ist das Problem tatsächlich, dass Leid und negative Gefühle intensiver wahrgenommen werden als Glück, Frieden und Vertrauen. Und evolutionsbiologisch macht es ja sowieso viel mehr Sinn, auf der Hut zu sein. Tja, der Hamburg-Bezug fehlt heut irgendwie. Naja, um ehrlich zu sein habe ich heute in der S-Bahn in Hamburg eine Person getroffen, die für mich all dies verkörpert und die ich lange nicht gesehen oder gesprochen habe. Und mich von ihr verabschiedet.

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