Wer feiern kann, kann auch arbeiten … (?)

6 Mai

Ja….nee. Es gibt echt nicht so viele Sprüche, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich mich so in meinem Alltag befinde, aber das ist einer davon. Er ist sehr regelmäßig da, wenn ich – wer hätte das gedacht – nach einer Party am nächsten Morgen zur Arbeit muss. Und da ich in der Woche nicht so regelmäßig feiere, ist das meistens sonntags. Ich weiß nicht, wer sich den Spruch ausgedacht hat, aber mit einem extremen Schlafdefizit und leichten (!) Kater (man wird ja auch nicht jünger) schleppe ich mich dann vor die Tür und hasse diesen Spruch und seinen bescheuerten Erfinder. Und denke ihn trotzdem immer wieder.

Hamburg ist meistens gnädig am Morgen danach, da regelmäßig bewölkt, aber in letzter Zeit schien vermehrt die Sonne. Auch schon am Sonntag um kurz nach sieben. Es ist wirklich fies, wie lichtempfindlich man sein kann, hat man ein bisschen gefeiert. Ich halte mich ja sowieso zurück, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen früh raus muss, aber nichtsdestotrotz würde ich mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen oder einfach gemütlich spazieren gehen. Aber irgendwie hatte ich schon immer Jobs, durch die ich auch am Wochenende gearbeitet habe. Und so schleppte ich mich also mit Sonnenbrille zur Arbeit. Morgens um halb acht.

Aber mal ehrlich, wie unlogisch ist das eigentlich? Wer feiern kann, kann auch arbeiten. Ja vielleicht stattdessen. Ok. Aber hinterher? Nein. Da hat man weder Lust noch Kraft zu arbeiten. Die ganze Energie hat man ja schon auf der Party verbraucht! Und selbst wenn man nicht mal etwas oder viel trinkt, hat man doch immerhin nur wenige Stunden geschlafen. Arbeiten erfordert ja meistens auch ein bisschen Konzentration. Das Schlimmste sind dann diese gutgelaunten Frühaufsteher, die einem gerade nach einer Runde Jogging entgegenkommen und breit grinsen, Brötchen holen und dann den Tag angehen, mit so viel Energie wie ein Kernreaktor.

Der Job, den ich zurzeit mache, erfordert manchmal, mit einer Person in einem kleinen Raum auf EINEM Quadrameter zu sitzen. Da der Raum schallisoliert ist, wird es auch schnell stickig. Möchte man da mit einer Fahne sitzen? Wie unprofessionell ist das denn? Schlimm genug, wenn man am letzten Abend etwas zu viel Knoblauch im Essen hatte. Das hat mich also doppelt davon abgehalten, zu viel Alkohol zu konsumieren.

Es ist nun nicht so, dass ich regelmäßig samstags feiern gehe und sonntags arbeite. Aber: Die Kombination geht mir mächtig auf den Keks, denn ich habe keine Lust, sämtliche sozialen Aktivitäten zugunsten meines Jobs zu canceln. Work-Life-Balance in gelebter Form.

Und überhaupt wollte ich mich ja eigentlich über diesen bescheuerten Spruch auslassen. Ich glaub das war eine ganz frustrierte, kleine, grantige Person, die niemals irgendwohin eingeladen wurde und ihren Job, den sie nebenbei gesagt gehasst hat, zu ihrem allumfassenden Lebensinhalt erklärt hat. Aus Neid hat sie dann ihre übermüdeten Kollegen mit den Worten begrüßt: „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“ und ein gehässiges Gelächter hinterher geschoben. Oder einfach nur mies geguckt. Oder der Spruch kommt vom Militär. Geht auf jeden Fall gar nicht. Ich hoffe, das nächste Mal sind diese Worte aus meinem Kopf und ich kann einfach ein bisschen in Ruhe arbeiten, nachdem ich gefeiert habe und dann nachhause und ins Bett.

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Eine Antwort to “Wer feiern kann, kann auch arbeiten … (?)”

  1. Holger Oktober 15, 2014 um 8:21 pm #

    Denk doch mal darüber nach den Spieß umzudrehen und dich zu belohnen wenn du gearbeitet hast. Also zu sagen, wer gearbeitet hat, darf auf Feiern. Und wenn man dann übermüdet arbeitet, kann man sich schon aufs nächste Feiern freuen:-) Also, nicht das man jetzt jedes Mal nach der Arbeit feiern muss, aber man dürfte halt :-))

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