Sport. Spass. Melone.

31 Mai

Ich stehe mal wieder in diesem Gym, in voller Montur, und warte darauf, dass der Kurs losgeht. Ich schaue skeptisch an mir herunter. Das T-Shirt sitzt ein bisschen eng. Es wird echt mal wieder Zeit. Gut, dass ich mich aufgerafft habe. Sportspass. Der Name verspricht schon eine Stunde voll gutgelaunter Power. Meistens stimmt das auch, manchmal nicht. Wenn es so voll ist, dass man bei Fit Fight seine Ellenbogen nicht anheben kann, ohne vier Nachbar(inne)n gleichzeitig zu verletzen, sollte man sich überlegen, nächstes Mal eine andere Uhrzeit zu wählen. Oder sich zumindest schon mal in Richtung gekipptes Fenster bewegen, denn die Luft wird im Laufe der nächsten zwanzig Minuten bestimmt knapp.

Ich schaue wieder in den Spiegel, lasse meinen Blick über die anderen fünfunddreißig Frauen und drei Männer schweifen. Die Melone auf dem riesigen Bild an der Wand grinst mich an. Fruchtig, bunt, fröhlich. Sie verheißt eine sommerliche Wohlfühl-Belohnung nach dieser Stunde. Im Sommerurlaub auf Kreta haben meine Freundin Joanna und ich uns vor zehn Jahren praktisch nur von Wassermelone ernährt. Spontan keimt also ein Urlaubsgefühl auf, das mir gleichzeitig Motivation verschafft.

Eine Frau kommt herein, hat ein Wasserglas in der Hand. Das hab ich auch noch nicht gesehen. Die Trainerin guckt verdutzt und sagt, „das hab ich auch noch nicht gesehen.“ Die Frau erklärt lachend, dass sie keine Wasserflasche mehr hatte, also hat sie sich einfach mal schnell ein Glas eingesteckt. In einem elitäreren Sportclub wäre das vielleicht nicht passiert. Die Trainerin sagt nur, „aber da passt ja nicht so viel rein.“ Egal, besser als gar kein Wasser zu haben.

Dann macht die Trainerin die Musik an, laute Bässe dröhnen und der Takt ist wahnsinnig schnell. Ich wippe schon mal mit. Dann geht der Zumba-Kurs los. Einfach bewegen, nicht nachdenken, lachen. Über sich selbst und alle um einen herum. Außer so eine Latina, die sich irgendwie wie von selbst bewegt und einem Musikvideo entsprungen zu sein scheint. Na egal, wir sind ja nicht hier, um Vergleiche anzustellen, sondern um Spass zu haben. Das befiehlt ja schon der Name. Und es wirkt. Nutella-Scheiben-Bestreichen hilft auch. Eine Hand nach oben offen halten (wie für ein Tablett oder eine Scheibe Brot), die andere in gewissem Abstand „Nutella drüber streichen“ lassen. Dann die andere Seite. Und schneller. Und hüpfen. Und vorwärts. Und die Hüften nicht vergessen. Irgendwann schaltet sich der Kopf automatisch ab. Jetzt macht es richtig Spass. Und schon meldet sich mein Körper. „Ey, spinnst du? Dieses Tempo bin ich doch gar nicht gewohnt!“ Ich antworte, „halt die Klappe. Da musst du jetzt durch. Wirst dich schon wieder dran gewöhnen.“ Er antwortet mit heftigen Seitenstichen. Arschloch. Irgendwann finden wir wieder zueinander und einigen uns auf ein Tempo, das uns eigentlich beiden nicht passt. Naja, was soll’s. Die Melone leuchtet immer noch unbeirrt und fruchtig weiter. Nach jedem Lied wird geklatscht. Irgendwann ist es vorbei. Und ich bin wieder mal sehr froh, hier gewesen zu sein.

Tempo

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2 Antworten to “Sport. Spass. Melone.”

  1. fleischfee Juli 20, 2013 um 11:30 pm #

    Super gut geschrieben. Weiß genau was Du meinst. Das hatt ich letztens beim Cardiofit. Meine Freundin ist sogar Lila angelaufen dabei.

    • hamburgerdeern84 Juli 21, 2013 um 11:45 am #

      Hehe, vielen Dank. Momentan ist es ja sogar noch schlimmer, bei dem Wetter 😉 Hoffe deiner Freundin geht es gut und sie lässt sich nicht entmutigen!

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