Die Generationen-Frage

26 Jun
Generation Hello Kitty

Generation Hello Kitty

Und aus welcher Generation bist du?

Gehörst du zu den Großeltern, hast schon alles gesehen, lernst aber trotzdem noch jeden Tag was dazu? Generation „jung geblieben“? Gehörst du zu den „Midlife-Crisern“, die gerade noch mal richtig entdecken, was sie eigentlich vom Leben erwarten und was sie davon schon auf dem Präsentierteller liegen haben? Oder gehörst du zu den Jugendlichen, verbringst deine Tage mit Skateboard fahren an der Alster und deine Nächte auf dem Kiez? Oder bist du vielleicht eine Kita-Gängerin, die gerade erfährt, was es bedeutet, wenn man sich zum ersten Mal Spielzeug und andere wichtige Dinge im Leben teilen muss?

Ich habe heute mal wieder gemerkt, wie alt ich eigentlich bin. Oder, um es nett auszudrücken, erwachsen. Der Verdacht kam mir schon letztens, als ich feststellte, dass ich kaum noch irgendwelche Musiktitel benennen kann. Nicht mal die, die ich gut finde! Aber heute erhielt ich die Gewissheit, dass ich mittlerweile in einer anderen Welt lebe als „die Jugendlichen“.

Ich arbeitete zusammen mit einer 20-jährigen Physik-Studentin. Sie ist also fast zehn Jahre jünger als ich, aber an sich kam ich mir nicht vor, als würden wir unterschiedlichen Generationen angehören. Ich erklärte ihr ein paar Dinge, vor allem ging es um Technik. Und da ich ja selbst praktisch erst mit dem Studium durch bin (…) waren wir auf einer Wellenlänge. Technik ist klasse, easy, alles schon gesehen. Dann kam das Whiteboard. Oh je, ich wusste echt nicht, dass man diese Teile so bezeichnet. Ich nenne es „Magnettafel“ oder, wenn ich ganz ehrlich sein soll, manchmal einfach „das Ding“. Das Schlimmste jedoch war ihr Blick. Sie schaute mich an, als hätte ich gerade gefragt, wie man ein Auto nennt.

Dann ging es um Kopfhörer. Sie redete von „offenen Systemen“ und „In-Ear-Geräten“, ich musste mir übersetzen lassen in „Kopfhörer“ (groß) und Ohrstöpsel (klein). Bin ich ein Technik-Idiot oder einfach nur alt? Benutzten wir damals überhaupt diese Begrifflichkeiten? Ich denke, es gab noch nicht so viele Whiteboards, man benutzte Tafeln (mit Kreide) und Papier. Und „echte“, große Kopfhörer mit Bügel, wie die aus den 70ern/80ern? Die trug man in meiner Jugend nicht öffentlich, dafür schämte man sich. Je kleiner und unauffälliger, desto besser. Heutzutage ist man da offener, daher der Begriff „offenes System“. Scheiße, warum bin ich nicht zehn, fünfzehn Jahre später auf die Welt gekommen? Ich mag offene Systeme. Und seien wir mal ehrlich, das Whiteboard ist doch erst durch Dr. Sheldon Cooper salonfähig geworden. Heute ist Physik total angesagt und jedes kleine Kind lernt schon englisch, da verwundert es kaum, dass die Begriffe den 20-Jährigen leichter über die Lippen gehen.

Bevor ich das nächste Mal einen 50-Jährigen belächle, der Angst vor seinem eigenen Drucker hat, werde ich noch mal kurz inne halten und mir ins Bewusstsein rufen, dass er aus einer ganz anderen Generation stammt. Wir meinen immer, schlauer als unsere Eltern oder Großeltern zu sein, Generation für Generation. Aber das Gute ist: Weil wir das ja irgendwann selber mal verstanden haben, können wir der nächsten Generation dann auch mit Nachsicht begegnen.

Der Sohn meiner Freundin (Erik) ist seit einiger Zeit in der Kita, mittlerweile gibt es auch einen kleinen Bruder zuhause. In seinem zarten Alter von drei Jahren lernt Erik nun (doppelt) die harte Realität kennen. Der Papa ging eines schönen Tages seinen Sohn abholen. Erik saß mit seinem Freund, nennen wir ihn Finn, auf dem Fußboden und spielte mit Lego-Duplo-Steinen. Ganz ehrlich, früher gab es nur entweder Lego oder Duplo. Heute gibt es Lego-Duplo, Lego-Technik, Lego-Starwars…die Zeiten sind komplizierter geworden. Erik und Finn spielten also ganz vertieft und einträchtig, bis Erik seinen Papa entdeckte. Er schaute freudig hoch, woraufhin Finn seinem Blick folgte, wieder zu Erik guckte und in Sekundenschnelle kombiniert hatte. „Das kann ich ja jetzt haben.“ Er griff nach dem begehrten Spielstein, den Erik bis dahin in der Hand hielt. Willkommen im Leben.

Wahrscheinlich sind wir Erwachsenen tatsächlich geschockter als es die Kinder sind, bis wir sie so weit haben, dass sie auch alles tragisch und dramatisch finden, was eigentlich einfach nur das Leben ist. Der kleine Erik nahm das nämlich ziemlich gelassen, während seine Eltern und wir Zuhörer mit Beschützerinstinkt bzw. Empörung über so wenig Taktgefühl reagierten.

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3 Antworten to “Die Generationen-Frage”

  1. mitlucyumdenblog Juni 26, 2013 um 3:54 pm #

    Räusper…Wahrscheinlich willst Du jetzt nicht wirklich wissen, wie alt ich bin. Deshalb nur so viel – erstens: Meine Kinder sind so alt, dass ich die „In Ear“- Dinger, „Whiteboards“ und Konsorten schon durch sie kenne 😉 Und zweitens: Lucy und ich sind (fast, aber wirklich nur fast) gleich alt … Also, halten Kinder jetzt jung oder nicht? Und junge Kollegen? Oder merkt man an ihnen erst, wie alt man selbst schon ist? Egal, Hauptsache gesund 😉 1001 Grüße von Sylvie mit Lucy

    • hamburgerdeern84 Juni 26, 2013 um 4:06 pm #

      Hallo liebe Sylvie, klar halten Kinder und jüngere Kollegen jung! So lernt man doch jeden Tag was Neues 🙂 Aber genauso von älteren Kollegen und Eltern, Großeltern… Ich finde es faszinierend, dass jede Generation ihre Eigenheiten hat und man einfach sein Leben lang nicht „auslernt“, auch wenn man sich manchmal ganz schön schlau vorkommt…und plädiere für mehr gegenseitige Toleranz! 😉 Liebste Grüße zurück!

      • mitlucyumdenblog Juni 26, 2013 um 5:22 pm #

        Da hast Du sehr recht – ich hole mir zum Beispiel sehr gerne Rat bei Älteren, wie ich mit den Jüngern umgehen sollte 🙂

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