Die lieben Nachbarn

4 Aug

Wer hat sie nicht, wer kennt sie nicht. Die lieben Nachbarn, Hausmeister, Vermieter oder Mitbewohner.

Manchmal recht sonderliche Gestalten, oft liebenswürdige und überaus neugierige, hilfsbereite Mitmenschen. In der Großstadt kommt man sich oft (zu) nahe. Da wird dann schon mal der (nicht korrekt sortierte) Müll kommentiert oder sogar vom eigenen Balkon weggeräumt, wenn das Abholdatum droht versäumt zu werden; natürlich nicht ohne einen Schlag mit dem Zaunpfahl. Denn Dankbarkeit soll bitte schön wenigstens an den Tag gelegt werden für so viel Aufopferung.

Wie kommt es eigentlich, dass um einen herum immer alle neugieriger wirken als man selbst? Dass das eigene Leben scheinbar ausgefüllter ist als das der ungebeten teilhabenden Mitmenschen?

Wir suchen nach Privatsphäre, freuen uns aber auch über eine funktionierende Gemeinschaft und versuchen stets, den Mittelweg zu finden. Man möchte ja schließlich nicht eines Tages bereits halb aufgegessen von der eigenen Katze in seiner Wohnung gefunden werden (Wo hab ich das jetzt wieder gelesen? Hm…). Aber auf diverse Anregungen zu den Lüftungsgewohnheiten oder noch privaterem Habitus können und wollen wir einfach auch gerne verzichten.

Besonders gewitzte Figuren wie achtzigjährige Hausmeisterinnen engagieren ihre Spitzel, um auch jenseits des zweiten Stockwerks stest auf dem Laufenden gehalten zu werden. Bericht erstattende Putzfrauen werden so schnell zu misstrauisch beäugten, zwielichtigen Gestalten im eigenen Treppenhaus. Oder war die seltsame Nachbarin die Informantin? Sicher sein kann man sich nicht. Als würde die „Neuländische“ Bedrohung der Totalüberwachung nicht reichen, uns zu verunsichern und verärgern, erlebt die klassische Variante der Spionage im Privatleben also ein Revival. Mülltrennung oder Fahrradaufbewahrung im Hausflur sind nur die offensichtlichen Ziele der Auskundschaftung. Auch Duschgewohnheiten, Herren- oder Damenbesuch sowie die Einhaltung der Ruhezeiten beim Wäschewaschen sind ein beliebter Forschungsgegenstand der selbsternannten Ordnungshüter.

Man könnte diversen Konfrontationen vielleicht entgehen, einige Annahmen über die Nachbarn und Vermieter darüber, was sie von einem selbst denken mögen, fallen lassen. Aber dann wäre das Wohnen wohl auch nur noch halb so unterhaltsam.

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Eine Antwort to “Die lieben Nachbarn”

  1. Maulwurf aus Bergedorf August 6, 2013 um 7:41 pm #

    Spontan fällt mir nur ein Song der Ärzte dazu ein:
    Lass die Leute reden
    aber sicherlich gibt es zum Glück nicht nur neugierige MItbewohner,
    Hausmeister und Vermieter usw.
    Wie das Foto schon ausdrückt: es geht auch anders 🙂

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