Hassliebe Deutschland

26 Aug

„Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“.  (Goehte, Faust, Tragik.)

Ich war letzte Woche unterwegs. Mal wieder so richtig schön verreisen.

Am Dienstag stieg ich in Hamburg in einen Zug, um nach Bayern zu fahren. „Oh wie cool, ein ICE. Da bin ich dann ja schnell da. Nur fünf Stunden bis Ingolstadt.“ So weit, so gut. Nach der Hälfte der Reise wurde die Umgebung etwas hügeliger. „Scheiße, immer diese Tunnel, dann noch der Druck auf den Ohren, ich hab Hunger, muss auf die Toilette und sowieso ist alles doof. Der blöde Zug hat auch schon eine Viertelstunde Verspätung.“ Hm, vielleicht find ich Bahn fahren doch nicht so geil. Zum Urlaub machen bin ich auch nicht hingefahren, obwohl ich ein bisschen Tourist spielen durfte. „Eine neue Stadt, ein neues Abenteuer. Mal sehen, was es hier so zu entdecken gibt.“ Ich kam am Hauptbahnhof an und trat ins Freie. „Oh Gott, ist das klein. Drei Menschen stehen dort und warten auf den Bus. Und überall schreit es Audi. Na das kann ja was werden.“ Letztendlich wurde es total nett, auch wenn Ingolstadt gerade einen Tag zuvor traurige Berühmtheit erlangt hatte. Das Rathaus hab ich mir nur von außen angeschaut, aber eher aus Zeitmangel.

Ich war hauptsächlich hingefahren, um einer Freundin beim Umzug zu helfen – sie kommt ursprünglich aus dem Harz, hat dann in Hannover, Bayreuth, Bamberg und wahrscheinlich noch zehn anderen Städten Deutschlands gewohnt und ich habe sie in Hamburg kennengelernt. Umzug. Nach Kiel. Achthundert Kilometer sind es von Ingolstadt bis Kiel. Wir hatten einen kleinen Transporter, am Donnerstag morgen um neun ging es dann los. „Juchu, Roadtrip!!!“

Nach einer Stunde auf der Autobahn wurde mir langweilig. Irgendwann nahmen wir eine Umleitung – weil ich dachte, das kleine gelbe Zeichen auf dem Navi bedeutet „Fahrt wieder aufnehmen“. Nee, war falsch. So fuhren wir denn über Schweinfurth. Bayern hat ja schon hübsche Dörfer. Und Kirchen. Aber man möchte natürlich auch irgendwann mal das nächste Bundesland erreichen. Auf der Fahrt hörten wir Martina Schwarzmann. Ich verstand leider nicht so viel und musste mich spätestens beim zweiten Stück richtig konzentrieren. Aber das, was ich verstanden habe, war echt mega-lustig. Beim Fahrerinnen-Wechsel machte ich meine zweite Bekanntschaft mit der Gangschaltung – „Hallo, wer bist du denn? Ach, die Kupplung! Ja Grüß Gott!“ (dass man sich das beim Automatik-Wagen-Fahren so schnell abgewöhnen kann ist schon irgendwie unheimlich). Aber wir überlebten es. Fünf Bundesländer standen insgesamt auf unserer Liste: Bayern, Hessen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein.

In Niedersachsen waren wir dann gegen 18 Uhr, wobei wir dort auch noch mal eine geschlagene Stunde im Stau standen. Nur zwei Kilometer vom ersten Zielort entfernt, wo ihre Eltern wohnen und wir noch ein paar Sachen abholen wollten. Die Mama hatte eine leckere Pizza geordert. Super. Gestärkt ging es dann nach Hamburg (Hause…), wo wir erstmal völlig erschlagen ins Bett fielen. Nach Kiel fuhren wir erst am nächsten Morgen.

Also, Reisen.

Durch Deutschland.

Coole Sache.

Straffer Zeitplan und zwanzig Kartons plus Waschmaschine? Nicht so. Zum Glück haben wir in Kiel noch kurzfristig einen Mathe-Studenten von der Straße weg engagiert. Sonst würden wir da wohl immer noch Kartons im Millimeter-Tempo in den dritten Stock schleppen/hieven/wuppen/wünschen.

Ich würde es zwar immer wieder machen, aber nicht in den nächsten zwei Jahren, hab ich mir so gedacht. Da sind sich beide Seelen einig.

Kiel. Wasser. Schön.

Kiel. Wasser. Schön.

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9 Antworten to “Hassliebe Deutschland”

  1. Maulwurf aus Bergedorf August 26, 2013 um 8:17 pm #

    Glückwunsch Ihr habt es geschafft
    Ja wenn einer eine Reise macht kann er was erleben……..
    egal ob mit ICE zu Fuß oder mit einem Transporter einmal durch
    Deutschland……..Erfahrung kann man auch zweideutig sehen oder?
    LG

    • hamburgerdeern84 August 27, 2013 um 8:33 am #

      Ja, wir haben es geschafft – und ich meine das nicht ohne einen gewissen Stolz 😉

      • Maulwurf aus Bergedorf August 27, 2013 um 4:13 pm #

        Ihr könnt echt stolz auf euren Umzug sein 🙂
        kann mir schon vorstellen was ihr durchgemacht habt

  2. wintermute August 27, 2013 um 1:18 am #

    Ha! Ein schöner Reisebericht. Ich bin wirklich froh, dass ich meinen Umzug von Niedersachsen nach Bayern eher passiv erlebt habe, diesen Stress hätte ich mir nicht unbedingt antun wollen. Ich hoffe, du bist mittlerweile wieder gut in meiner Traumstadt Hamburg angekommen!

    • hamburgerdeern84 August 27, 2013 um 8:37 am #

      Ja, es war alles gut geplant – jedoch hat es dann in der Praxis etwas länger gedauert als gedacht 😉
      Ich bin wieder heil in Hamburg angekommen und auch erstmal ganz froh wieder hier zu sein…danke!

  3. johncoyote März 20, 2014 um 10:51 pm #

    I lived three years in Germany. I used the trains. Germany always gave me something new and beautiful to see. I wish I had the time and money for a long road trip in Germany.

    • hamburgerdeern84 März 22, 2014 um 1:03 pm #

      Yes, It is so much more expensive than in the US! I was on a road trip trough California last year and it was amazing. And of course I loved how cheap the fuel was…
      Where exactly did you live in Germany?

      • johncoyote März 22, 2014 um 1:34 pm #

        Near Stuttgart. I was station for three years in a small town called Boeblingen, Germany. Was best days of my life. I have a lot of pictures. I wish I took more.

      • hamburgerdeern84 März 23, 2014 um 9:07 pm #

        It’s more important to keep those in your head…but I get that.

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