Die Party als Plus Eins oder „Der Kollegen-Leim“

30 Aug

Letztens wurde ich von meinem Freund auf eine Firmenfeier mitgenommen – die Sommerparty.

Als Plus Eins hat man Vor- und Nachteile. Erstmal kennst du niemanden, fühlst dich nicht so schnell integriert wie diejenigen, die zur Firma gehören und die sich sofort entspannt unter ihre Kollegen mischen können. Dagegen musst du nicht besonders drauf achten, ob du dich betrinkst, verquatschst oder sonst wie daneben benimmst. Am nächsten Tag musst du nicht zurück in die Firma und den „Walk of Shame“ hinlegen, solltest du dich absolut blamieren.

Einmal unter das Partyvolk gemischt, habe ich sogar noch ganz andere interessante Vorzüge entdeckt. Auf einer Firmenfeier gibt es – zumindest ab einer gewissen Größe – so etwas wie einen „Kollegen-Leim“. Diese unsichtbare Substanz hält kleine Grüppchen in sich zusammen. Wenige Individuen zirkulieren über das Gelände und hängen sich an neue Grüppchen. Die meisten kleben über Stunden mehr oder weniger zusammen. Ist es das Vertraute? Ist es die Angst vor dem Neuen? Oder Bequemlichkeit? Oder ist es sogar eine Art Pflichtgefühl? Irgendetwas jedenfalls hielt diverse kleine Menschenansammlungen verlässlich zusammen. Und ich durfte als Plus Eins, völlig befreit von jedem Pflichtgefühl, zwischen allen hin- und her laufen. Die Gruppierungen variierten selbstverständlich. Bei 600 Leuten ließ es sich nicht vermeiden, dass auch mal mit anderen Kollegen geschnackt wurde als mit dem engsten Kreis, den man sowieso jeden Tag acht bis zehn Stunden sieht. Diejenigen, die schon länger in der Firma sind, haben natürlich auch schon mehr Kontakte geknüpft; die neuen Kollegen hängen sich an die ihnen bekannten Gesichter.

Man kennt es ja auch aus dem privaten Kreis. Bei einer Party stehen, sitzen oder liegen (?) immer genau diejenigen zusammen rum, die sich sowieso schon kennen. Du musst Leute in deinem 16-qm-Wohnzimmer praktisch einander vorstellen (mit dem Nennen der Namen, Händeschütteln, Vistitenkarten austauschen und am besten noch einer witzigen Anekdote), obwohl sich theoretisch jeder sehen oder hören kann und wir ja auch alle erwachsen sind. Noch viel schlimmer ist es auf jeden Fall auf einer riesigen Firmenfeier wie der besagten. Das Ambiente mutet beinahe öffentlich an, aber man läuft wahrscheinlich schnell Gefahr, sich vor einer potenziellen Kollegin zu blamieren, will man locker ins Gespräch kommen. Da hilft nur eines: Trinken und Tanzen. Zumindest sahen das die Leute dort so. Diese Feiern sind doch dazu da, aus seinem (sitzenden) Büroalltag herauszukommen, oder nicht? Entspannt ins Gespräch zu kommen. Hilft jetzt die Plus Eins-Maßnahme oder verschlimmert sie alles nur noch? Wenn du nicht weißt, ob du gerade deinen neuen potenziellen Chef anquatschst oder den Mann einer Kollegin? Und ist Alkohol wirklich die Lösung?

Es war auf jeden Fall ein interessanter Abend.

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