Der Alltag und die kleinen Dinge

11 Nov

Für mich bedeutet Alltag vor allem, mechanisch zu sein, zu funktionieren, die gleichen Dinge zu wiederholen. Das klingt erstmal nicht so schön, aber richtig negativ ist das ja eigentlich auch nicht gemeint. Das Problem am Alltag ist, dass kaum etwas hängen bleibt. Was hab ich gestern noch mal gemacht/gegessen/mit wem telefoniert?

Faszinierend finde ich ja, dass wir ganze, lange Wege zurücklegen können, ohne aktiv darüber nachzudenken, sei es jetzt mit dem Auto, der Bahn oder auch zu Fuß. Wenn wir aber mal einen neuen Weg gehen oder eine andere Reihenfolge einzuhalten haben, wird es schon wieder interessant. Jetzt kann man nicht noch nebenbei lesen oder Candy Crush Saga spielen (nein, ich doch nicht) oder telefonieren. Dann verpasst man eventuell sein Ziel.

Ja, das Gehirn ist schon klasse. Funktioniert ganz von alleine, die meiste Zeit. Aber gerade, wenn es um Technik geht, bin ich kurzzeitig aufgeschmissen. Heute stand ich an der Bushaltestellte, ein paar andere Leute waren auch da. Doch irgendwas war anders. In meinem Kopf gingen gleich die Alarmglocken an, noch bevor ich realisiert hatte, was eigentlich los war. Und dann sah ich es: Die anderen wartenden Menschen schauten auf den Fahrplan! Mehrere gleichzeitig. Das war extrem ungewöhnlich. Dann sah ich zur elektronischen Anzeigetafel. Sie war aus. Bevor ich richtig in Panik ausbrechen konnte, beruhigte ich mich aber auch zum Glück wieder. Schließlich kann das ja immer mal passieren. Mein erster Gedanke war allerdings wirklich merkwürdig – ich befürchtete, der Bus würde nicht fahren. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es einigermaßen unlogisch, aber im ersten Moment habe ich nur realisiert, dass etwas nicht so läuft wie sonst. Ergo: Bus fällt aus.

Wie so kleine Dinge unser ganzes Leben erschüttern können – also den Alltag. Plötzlich muss man den Autopiloten ausschalten und wieder selbst denken. Wachsam sein, Dinge kombinieren. Und vor ein paar Jahren gab es diese Anzeigetafeln ja noch nicht mal. An vielen Haltestellen gibt es sie immer noch nicht. Es war einfach dort in der konkreten Situation anders als sonst.

Ich schaue nach Autos, wenn ich die Straße überquere, weiche Müttern mit ihrem Kinderwagen aus und bin auch sonst die meiste Zeit ziemlich wach und aufmerksam. Aber scheinbar speichert mein Gehirn für gewisse Situationen auch die Rahmenbedingungen mit ab. Wenn die ausfallen, bin ich erstmal irritiert. Einerseits bin ich ja fasziniert von dieser passiven Leistung – danke liebes Gehirn. Andererseits erschreckt mich schon, wie schnell gewisse Dinge selbstverständlich werden, in einer Welt, in der sich eigentlich alles ständig im Wandel befindet.

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