Die Alternative

3 Dez

Es gab diese Momente, in denen sie sich einfach nur noch ausklinken wollte. Sie hatte keine Lust mehr auf ihre Probleme, ihr Leben, im Allgemeinen. Leben wollte sie schon, allerdings wäre sie gern lieber mal kurz in ihr Selbst aus einem Paralleluniversum geschlüpft. Hätte da mal nach dem Rechten geschaut und sich angeguckt, was sie für Entscheidungen getroffen oder wie sie sich entwickelt hätte. Hätte sich vor einen Spiegel gestellt und angelächelt.

Sie hätte sich gern die Menschen im Paralleluniversum angeschaut, mit ihnen geredet, um Unterschiede zu bemerken oder auf neue Ideen zu kommen. Oder diesen Wellensittich, den sie damals nicht gekauft hatte (obwohl sie davon weiß Gott genug gehabt hatte, aber den einen – sie hatte ihm sogar schon einen Namen gegeben – hatte sie einfach im Laden gelassen). Sie wollte das Kind sehen, bei dem sie sich entschuldigt hätte, statt einfach weiterzugehen, nachdem sie es mit der Tasche (leicht!) am Kopf getroffen hatte. Und die dazugehörige Furien-Mutti.

Sie würde bestimmte Menschen treffen, die sie nicht kannten, da sie sich gegen den einen oder anderen Job entschieden hätte. Und ihnen erzählen, wie sehr sie sie mochte. Und sie würde sich über andere wundern, die ihr nichts sagten, mit denen sie aber scheinbar befreundet war.

Sie fragte sich, ob sie an bestimmten Punkten im Leben genau da gestanden hatte, wo sie immer gewesen war. Wo sie hatte sein sollen.

Sie wollte sich anschauen, was aus ihr beruflich geworden war, im Paralleluniversum. Ob sie dort ein Einzelkind war. Sie wollte überall sein, nur nicht gerade hier, gerade jetzt. Aber je mehr sie so vor sich hinphantasierte, desto klarer wurde ihr, dass sie jede Entscheidung bewusst getroffen hatte. Und auch die dummen würde sie wahrscheinlich immer wieder so treffen, weil sie erst aus deren Konsequenzen gelernt hatte.

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8 Antworten to “Die Alternative”

  1. guinness44 Dezember 4, 2013 um 11:01 am #

    Ein sehr schöner Eintrag. Es hilft manchmal inne zu halten und zu reflektieren. Hätte, wäre, wenn hilft einem meistens nicht weiter.

    • hamburgerdeern84 Dezember 4, 2013 um 11:15 am #

      Genau. Es ist wie es ist. Aber das „warum“ zu verstehen, hilft auch für die Zukunft. Da fällt mir ein: Die Frage hab ich mir ja letztens gerade sehr intensiv gestellt…

  2. nandalya Dezember 4, 2013 um 4:29 pm #

    Entscheidungen sind nie falsch. Allerdings haben manche Entscheidungen Konsequenzen. Daher hilft es, nicht nur auf den Bauch zu hören.
    LG

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