Warten auf den Sturm

5 Dez

Inzwischen ist er da. Der Regen peitscht gegen die Fenster, die ersten Blätter und Plastiktüten fliegen durch die Luft. Der Wasserpegel steigt an, Regenschirme biegen sich nach außen oder brechen bereits durch.

Aber das Schlimmste ist das Warten. Sich mental auf den Sturm vorzubereiten, zu wissen, dass er kommt und vieles vernichten oder zumindest kaputt machen wird. Unnötige Aktivitäten im Freien verschieben, wenn man schon vorher gewarnt wurde.

Dann die ersten Windböen, der Geruch von eisiger Luft, die Bilder vergangener Sturmfluten und das Wissen um die Welt danach. Äste und zerbrochene Ziegel auf den Straßen, Bäume auf Gleisen oder in parkenden Autos.

Noch einmal überprüfen, ob die Fenster geschlossen sind, der Balkon leer geräumt, die Vorräte aufgefüllt.

Ich mag diese Situation auch im übertragenden Sinne nicht. Wenn sich ein Sturm aufbaut, von dem man weiß, er wird einiges umwerfen und hinterher ist vieles nicht mehr so wie zuvor. Und dabei einfach nur abwarten zu können. Ich bin lieber aktiv. Aber manchmal kann man eben nur vernünftig sein und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Herausfinden, was man selbst direkt zu beeinflussen in der Lage ist und den Rest akzeptieren. Gewitter reinigen schließlich die Luft und Stürme bringen frischen Wind.

Wollen wir mal hoffen, dass dieser Orkan niemanden böse überrascht.

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2 Antworten to “Warten auf den Sturm”

  1. Faktoid Dezember 5, 2013 um 3:10 pm #

    Da fallen mir spontan die beiden armen Obdachlosen, die unter der Brücke zur Gurlitt-Insel an der Außenalster leben.
    Natürlich werden sie jetzt da nicht mehr da drunter sein, vor allem, weil die Brücke nicht mal einen Meter hoch über dem Wasser ist, aber sie werden ihren angestammten Platz gegen etwas Unbekanntes eintauschen müssen. Ganz zu Schweigen von dem Zusammenpacken der paar Habseligkeiten, die wieder ein wenig schwinden werden. Wieder ein wenig zerschundener sein werden…
    Fuck.

    • hamburgerdeern84 Dezember 6, 2013 um 11:15 am #

      Nichtsdestotrotz können wir uns hier glücklich schätzen, vorgewarnt zu werden. Wie viele Gebiete auf der Welt wurden in den letzten Jahren komplett und beinahe ohne Vorwarnung überschwemmt und zerstört…Reichtum definiert sich auch über die technischen Mittel zur rechtzeitigen Räumung sowie die Höhe der Deiche…

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