Die Essenz der Welt (und die emanzipierte Religion)

7 Dez

Es sind die ganz simplen Wahrheiten, die unser Herz berühren. Die Wahrheiten, die wir scheinbar einfach nur vergessen haben, die aber in uns darauf warten, entdeckt zu werden. Oder die wir schon kennen und aus vollem Herzen bejahen können.

Solche wie:

Leben gibt es nur im Jetzt.

Jeder Tag ist ein (gleich) guter Tag zum Sterben.

Liebe geht über jede Beziehung hinaus, sogar über das Leben selbst.

Ich entdecke diese Wahrheiten meistens bei meinem Lieblingsschriftsteller, Paulo Coelho. Aber ich freue mich auch immer, wenn sie bei anderen Menschen durchscheinen, sei es in direkten Worten oder in geschriebenen. Es sind diese Momente, wenn ein Herz vollkommen befreit ist, wenn eine Seele spricht. Wenn ich eine Religion habe, dann diese. Die Religion der simplen Wahrheiten. Die jeder Mensch teilt, egal, was ihn oder sie sonst ausmacht. Was jeder, über alle Grenzen hinweg, in sich selbst wieder entdeckt. Das Religiöse daran ist, dass es scheinbar eine Stimme ist, die aus uns allen heraus spricht, uns verbindet. In welcher Sprache auch immer.

Manche sind natürlich nicht offen dafür, einige werden es nie sein. Auch das habe ich lernen müssen. Aber so lange ich sie in dieser Welt finde, bin ich glücklich. Die simplen, universellen Wahrheiten über das Leben, die Liebe und den Tod. Die mich in ihrer Einfachheit jedes Mal wieder erschauern lassen (Weil es sie eben gibt, ganz einfach und knackig und sie niemandem weh tun, sondern im Gegenteil befreiend wirken).

Das Problem mit den großen (und „kleinen“) Religionen dieser Welt ist jedoch, dass sie sich als Institution irgendwann von ihrem Inhalt lösen und sich verselbständigen. Der Zweck ist dann nur noch das Ritual (welches ich an sich nicht verteufeln möchte). Hätte jeder Mensch eine eigene, wahre Verbindung zur Welt und seinem Leben, gäbe es keine Probleme. Dann gäbe es niemanden, der sich zwischen den einzelnen Menschen und seinen Glauben stellen könnte (= keine bloße „Glaubensverwaltung“ mehr).

Aber sobald man das Denken (und Fühlen!) anderen überlässt, kommt es zu einer Ablösung. Glaube sollte jeden Tag neu entstehen, jeden Tag unmittelbar sein. Glaube an das Leben.

Ob es dabei eine(n)Schöpfer(in) gibt – oder auch mehrere – will ich dabei mal völlig außen vor lassen.

 

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