Aus dem Leben eines inneren Schweinehundes

21 Dez

Heute gibt es einen Gastbeitrag von Karl.

Mein Frauchen ist im Weihnachtsstress. So ein Schwachsinn. Weihnachten ist wundervoll. Man kann den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und sich schmalzige alte Filme anschauen, ungeniert Schokolade und andere Leckereien essen, die Lichter in den Fenstern bestaunen, Glühwein trinken und tolle Spaziergänge machen. Also, ich speziell liege eher nur herum, aber für sie wäre das doch fein.

Stattdessen läuft sie gehetzt durch die Stadt, um irgendwelche Geschenke zu kaufen, muss sich noch um einen Baum kümmern – und „so viele andere Dinge“. Pah. Dann gammel ich halt alleine.

Manchmal erzählt sie mir, wie schön es vor zwei Jahren in Kanada war. Sie ist so doof. Ich war doch dabei! Und sie kann mir nicht erzählen, dass sie sich da keinen Stress gemacht hat. Dafür ist sie schließlich ganz allein verantwortlich, auch wenn sie das gerne auf andere schiebt. Aber ich muss schon sagen, das Jahr im Ausland war kein Zuckerschlecken für mich. Beachtet hat sie mich erst irgendwann, als wir wieder in Hamburg waren.

„Komm, Karl!“ ruft sie mich. Ach ja, ich rapple mich langsam auf, um den nötigen Spaziergang anzutreten. Meine Blase drückt schon bedenklich. Aber ein alter Schweinehund ist nun mal kein D-Zug.

Draußen erklärt sie mir, dass sie gleich noch zum Sport gehen will. „Ich brauche dringen den Ausgleich, weißt du? Bei dem ganzen Stress…“ Ich verdrehe die Augen. Sie soll sich mal nicht so anstellen und die Zeit genießen. Aber mir soll’s egal sein. „Sei nicht traurig, Karl.“ Ich, traurig? Nö, ich komme auch gut alleine klar und mache es mir gemütlich. Hihi.

Leider versteht sie mich nicht und denkt, ich sei enttäuscht. In Wirklichkeit würde sie bestimmt auch gerne fernsehen. Das kann sie mir doch nicht erzählen.

Als sie weg ist, ziehe ich mir meine bequemsten Puschen an, bereite eine heiße Schokolade vor und mache es mir im Sessel mit Wolldecke gemütlich. So lässt es sich doch leben. Plötzlich geht die Tür auf. Es ist ihr Freund. Und er hat Günther mitgebracht. Seinen inneren Schweinehund. Boah, wie der mir auf den Keks geht. Der ist sooooo faul! Verdammt. Wir nicken uns kurz zu, dann mache ich einen Millimeter Platz auf dem Sessel. Günther setzt sich dazu und reicht mir seine Schüssel mit Popcorn. Manchmal kann er ja doch ganz nett sein.

Mein Frauchen kommt nachhause. „Ich brauche noch ein Geschenk!“ ruft sie ganz schrill. Ihre aufgedrehte Art nervt. Ich war gerade so schön am Schlummern. Günther schläft tief und fest. Sein Herrchen begrüßt mein Frauchen und setzt sich wieder aufs Sofa. Schließlich läuft ein wichtiges Fußballspiel. (Ich konnte natürlich einpacken mit meinem Schnulzenfilm.) „Ich muss einen bestimmten Film kaufen, aber ich hab keine Lust, noch mal in die Stadt zu fahren. So kurz vor Weihnachten ist es so voll in den Geschäften…“ Die olle Quengeltasche. Wir deuten zu dritt auf den Rechner. „Ihr wollt, dass ich den bestelle?“ Sie klingt nicht begeistert. Drei Köpfe nicken. „Aber das kommt doch gar nicht mehr pünktlich. Und wir wollen ja nicht die ganzen Verkäufer arbeitslos machen.“ Ihr Freund erinnert sie daran, dass es auch einen 24h-Service gibt. Ich bin sowieso dafür, andere laufen zu lassen.

Dann entspannt sie sich endlich und wir können den Abend ausklingen lassen.

Hoffentlich wird Heiligabend auch schön. Da treffen dann wohl noch mehr Schweinehunde aufeinander.

Aber wir wissen immer, wie man eine gute Party schmeißt.

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7 Antworten to “Aus dem Leben eines inneren Schweinehundes”

  1. Fotobilderspot Dezember 22, 2013 um 5:51 am #

    Hat dies auf FotobilderSpass rebloggt.

  2. Fotobilderspot Dezember 22, 2013 um 5:52 am #

    Cool – hab Karl schon bei Dir vermißt
    und ich habe ihn reblogged weil dieser Gastbeitrag einfach toll ist 🙂

  3. MoRose Dezember 22, 2013 um 8:30 pm #

    Haha, ich glaube, er ist verwandt mit meinem Horst 😉

  4. mitlucyumdenblog Dezember 24, 2013 um 2:28 pm #

    Och, lass doch die Schweinehundchen Schweinehundchen sein und freut Euch einfach auf´s Faulenzen 🙂 Frohe Weihnachten an Euch Zwei- und Vierbeiner aller Art samt Schweinehundchen 🙂 wünscht Luc

    • mitlucyumdenblog Dezember 24, 2013 um 2:29 pm #

      Lucy 😉

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