Tragik ist Komik in Spiegelschrift

25 Feb

Bisher fand ich alte Damen in Fenstern eher traurig. Ich dachte, sie haben nichts zu tun, schauen sich das Treiben auf den Straßen und das Leben der anderen Leute an.

Katzen in Fenstern fand ich bisher immer süß. Die sehen so niedlich und interessiert aus. Und können geduldig stundenlang geradeaus starren, irgendwelche Kaninchen und Ratten -äh, Mäuse beobachten…

Heute hat sich alles geändert.

Jetzt verstehe ich die Am-Fenster-sitzenden-und-auf-die-Straße-schauenden-Omis. Ich war so erstaunt von diesem wunderschönen (Aus-)Blick, dass ich mich im Nachhinein für naiv und kurzsichtig halte. Und mal ehrlich, warum sollte sie dort so lange sitzen, nur um mich zwei Sekunden am Fenster zu beobachten? War doch ein bisschen egozentriert und selbstverliebt, meine Sichtweise. Man muss halt mal auf die andere Seite rüber gehen, dann sieht man mehr. Vielleicht sogar manchmal das ganze Bild. Es ist der größte Luxus, seine Zeit so zu verbringen, wie man es möchte. Und wenn das anderen Leuten nicht gefällt, haben gerade die ein Problem.

Katzen hingegen sollten draußen herumtollen, jagen, schlafen, auf Bäume klettern. Wie es ihrer Natur entspricht. Eine Katze im Fenster ist zwar geduldig, aber was bleibt ihr auch übrig? Nur Hunde wimmern und bellen, fiepen und wedeln. Katzen wissen, dass sie eingesperrt sind und arrangieren sich mit ihrer Situation. Dafür schmieden sie dann ausgiebige Pläne, wie sie eines Tages in die Freiheit entkommen werden…

Alles hat (mindestens) zwei Seiten.

 

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