An meine lesbische Tochter

15 Mai

Aufgrund eines interessanten Gedankenexperiments habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie ich meinem Kind im Teenangeralter (oder auch später) gegenüber treten würde, wenn ich erführe, dass sie oder er homosexuell ist. Dabei ist dieser Brief entstanden.

An meine imaginäre Tochter

Sei dir einer Sache immer sicher: Meiner Liebe.

Sei dir nie gewiss: Dass du irgendetwas schon wirklich bis zum Ende erfahren hast.

Vielleicht bist du jetzt gerade mitten in der Pubertät und hast dich das erste Mal verliebt. In ein anderes Mädchen. Vielleicht bist du verwirrt und verängstigt, weil dir die Welt um dich herum vermittelt, dass es falsch ist. Oder auch einfach nur schwierig.

Doch einer Sache bin ich mir sicher: Du bist etwas besonderes, in jedem Fall. Das kann hart werden, wenn die Anfeindungen irgendwelcher – fremder oder auch naher – Menschen um dich herum los gehen. Aber es kann dir auch so viel geben und zeigen. Bestimmt habe ich dir schon „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo vorgespielt. Das trifft es ganz gut, wie ich finde.

Bring sie mit nach Hause, wenn es mit euch klappt (oder geh erst einmal mit ihr aus). Ich will sie kennen lernen, aber fühl dich niemals gedrängt. Lernt ihr euch erst einmal kennen, vertraue dabei deinem Gefühl. Jede Beziehung ist anders, jede bringt andere Aspekte in dir selbst zum Vorschein.

Lerne, die Liebe zu erkennen – das bedeutet allzu oft auch, gehen lassen zu müssen. Versuche, die Liebe zu leben und weiterzugeben – zu dir und anderen.

Ich habe keine Weisheiten, die ich dir mit auf den Weg geben kann, parat. Aber umso mehr wünsche ich mir für dich, dass du deinen Weg entdeckst und gehst. Mit dem Wissen, dass ich immer da bin, wenn du mich brauchst. Genauso für deine zukünftige Freundin oder Frau.

Versuche, geduldig mit denen zu sein, die Hass in sich tragen oder Verunsicherung. Das wird dir vielleicht schwer fallen, aber eines Tages wirst du sehen, dass diese Menschen einen Kampf in sich selbst austragen. Wenn du selbst Wut oder Hass spürst, lass es raus. Sag auch mir, was dich stört. Und dann lerne, zu vergeben. Diesen verwirrten Menschen, die versuchen, dich „zu bekehren“ oder „heilen“, keine Macht über dich zu geben. Du bist gut, genau so, wie du bist. Du sollst genau so sein, wie du hier bist.

 

[So, liebe Mayumi, wir sprechen uns dann in 15 Jahren zum Realitäts-Check!]

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3 Antworten to “An meine lesbische Tochter”

  1. nandalya Mai 15, 2014 um 5:19 pm #

    Süß! Daumen hoch, doppellike und und und …! 🙂

    • hamburgerdeern84 Mai 15, 2014 um 5:21 pm #

      😉 Jetzt bekommen wir bestimmt alle irgendwann Söhne.

      • nandalya Mai 15, 2014 um 5:30 pm #

        Karate-Kids! 😀 😀 😀

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