Kindheitserinnerungen

6 Aug

Als ich klein war, ging ich auf eine Grundschule, die neben einem Bauernhof lag. Dort konnte man zwar keine Kühe und Hühner sehen, aber es wurden immer noch einige frische Sachen verkauft. Behütet wurde der alte Hof von einem Boxer. Er war so groß wie ich, wenn er nur saß. Ich hatte eine Heidenangst vor ihm. Sein aufmerksamer Blick tat sein Übriges. Immer, wenn wir Mädchen zu dem kleinen, zugewachsenen Hinterhof – dem sogenannten „Mädchenspielplatz“ – gehen wollten, mussten wir uns zwischen dem Schulgebäude und dem Zaun zum Bauernhof quetschen. Wenn sich kleine Kinder quetschen müssen, wird schon klar, wie eng es dort war. Vor diesem Zaun saß in der Regel auch Quincy und passte auf, dass wir auch alle schnell genug – und oft kreischend – durch den Durchgang schlüpften. Hinten angekommen, hatten wir zur Belohnung Ruhe vor den Jungs. Warum auch immer akzeptierten die Mädchen und Jungen den abgetrennten Spielhof als pre-fiministische Institution. Ohne jeden tieferen Sinn oder Hintergedanken spielten hier alle Mädels von der ersten bis zur vierten Klasse. Ich frage mich oft, wann die Trennung begonnen hat und ob sie auch später noch fortgeführt wurde – oder ob es sich beim Mädchenspielplatz nur um eine zeitlich begrenzte Idee handelte.

Das Lieblingsspiel war ein Zahlen-Hüpf-Spiel, welches nach jedem Schauer in neuer Farbenpracht und meist noch größer als zuvor mit Inbrunst und Kreide wieder aufgemalt wurde. Aber auch zum Quatschen wurde der Spielplatz benutzt. Das Beste an der ganzen Sache war aber wohl die Tatsache, dass sich kein Lehrer und auch keine Lehrerin hierhin verirrte. Sie wussten wohl, dass wir dort sicher waren und einfach unsere Ruhe haben wollten. So gaben wir uns der Illusion hin, dass der Ort wahrhaftig geheim war. Kein Junge wusste vom Mädchenspielplatz und auch keine Lehrkraft hatte jemals davon gehört. Nur unter den Schulmädchen sprach sich das Geheimnis schnell herum. Wer es dann noch an Quincy vorbei schaffte – der sich oft einen Spaß machte und laut bellte, um sein Territorium zu beschützen – war wirklich gesegnet.

So angsteinflößend ich damals den Boxer fand, so sehr mag ich heute diese Hunde. Interessanterweise hat auch Karl eine entfernte Ähnlichkeit zu Quincy. Wenn man mal genau hinschaut.

Advertisements

Eine Antwort to “Kindheitserinnerungen”

  1. nandalya August 11, 2014 um 11:40 am #

    Quincy find ich gut. So schützt „Mann“ vor Mann, hat doch mal was. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: