Das Werkzeug

9 Okt

Nein, einen Hammer brauche ich nicht, vielen Dank. Eine Säge? Um Gottes Willen. Den Pinsel schaue ich mir aber gern einmal an. Ach, eine Leinwand haben Sie auch da? Immer her damit.
Ein Füllfederhalter, wie schön. Kalligraphie wollte ich schon immer einmal lernen. Was ist denn das hier? Ein Schlüssel…eine Feile. Ein Glas. Auch damit kann natürlich gearbeitet werden. Wissen Sie, eigentlich sind meine Hände ja schon Werkzeug genug. Aber manchmal darf es dann doch etwas mehr sein.
Eine Verlängerung, eine Veredelung, eine Verfeinerung.
Oh, was haben wir denn hier? Messer, Gabel, ein Schneebesen, ein Löffel. Eine Harke und ein Besen, eine Schaufel. Wie ähnlich doch die Werkzeuge aussehen – in der Küche und im Garten.
Sie sammeln auch Sportgeräte? Wunderbar. So viele Schläger. Da tun sich ja Welten auf. Und jeder einzelne heiß und innig geliebt, lange getragen und geschlagen. Allein die Auswahl darf Stunden gedauert haben. Vom einen zum nächsten, immer eine Stufe leichter, besser, hochwertiger.
Ein Springseil. Das ist pure – in die Luft gesprungene – Kunst, von klein bis ganz groß.

So, jetzt sind wir fast durch mit den Räumen. Aber Sie wissen, deswegen bin ich gar nicht hier. Das ist zwar alles schön und gut, aber zeigen Sie mir doch bitte nun, weswegen ich hergekommen bin. Da hinten ist die Tür, ich sehe sie doch. Diese wunderbar verzierte, aberwitzig große Tür, die dennoch nur dem geübten Auge auffallen kann. Lassen Sie uns einen Blick hinein werfen, ich bin bereit.

Genau so habe ich es mir vorgestellt. Reduziert auf das Wesentliche, den eigenen Sinnen Raum gebend. Aber was genau ist in dieser Schatulle? Ich muss es sehen, will es haben, werde es Ihnen abkaufen. Ich zahle jeden Preis.
Dieses ultimative Werkzeug, mein heiliger Gral. Sie lassen mich einen Blick hinein werfen, ja?

Aber … sie ist ja leer.

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5 Antworten to “Das Werkzeug”

  1. Mme Contraire Oktober 10, 2014 um 7:47 am #

    Erinnert mich ganz spontan an eine Art „mind palace“.

    Was mir gefällt an dem Text, ist, dass er nicht überladen wirkt und recht schnell auf den Punkt kommt, und dennoch so viel zwischen den Zeilen steht. Was ist Kunst? Was braucht Kunst?

    • hamburgerdeern84 Oktober 10, 2014 um 9:15 pm #

      Danke für deinen Kommentar. Irgendwie sind sie noch wertvoller, wenn im Text so viel fehlt…

      • Mme Contraire Oktober 11, 2014 um 1:44 pm #

        Was heißt fehlen? Dem Text fehlt nichts, ist alles da 🙂

  2. Curima Oktober 10, 2014 um 8:58 am #

    Über den musste ich jetzt erstmal nen Moment nachdenken. Gefällt mir, was du sagst…oder eben nicht sagst, sondern eher so zwischen den Zeilen versteckst.

    • hamburgerdeern84 Oktober 10, 2014 um 9:16 pm #

      Freut mich, dass er dir trotzdem (bzw. gerade deswegen) gefällt 🙂

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