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Gedankenfriedhof

21 Nov

Immer wieder so einfach, ich hab es doch schon tausend Mal getan. Ich weiß genau wie es geht, hab es gar nicht mehr nötig, denn ich weiß ja, wie es ist.

Und dann: Doch einfach mal die Worte aussprechen. Direkt, durch die kalten Tränen hindurch – und die heißen auch.

Ich hab das Problem schon gelöst, weiß genau, wo es liegt.

Doch hab ich vergessen, dass es nur durch die Aktion sich wirklich auf-lösen kann. Durch den lauten Klang der deutlichen Worte, der klaren Botschaft. Der ehrlich ausgesprochenen Sätze, die ansonsten ganz hinten auf dem Gedankenfriedhof in meinem Kopf begraben lägen.

Da ich jeden Tag hier spazieren gehe, kommen mir diese Geister lebendig vor. Doch was es heißt, sie zum Leben zu erwecken, merke ich erst durch das gesprochene, ausgedrückte Wort. Die Emotion, die sich verbindet mit dem Gedanken und ihm Leben und ein Zittern einhaucht. Eine Nähe, die ich auf dem Friedhof niemals spüren könnte. Da betrifft es mich nicht, ich habe es dort nur abgelegt. Damit es irgendwann einfach vergeht. Vielleicht. Natürlich nicht.

Heilung beginnt da, wo es weh tut.

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Pfote

24 Jul

Klein und weiß und ein bisschen rosa. So klein, aber schwer auf meinem Bauch. Und dann lagst du auf einmal drauf. Aber das war nur etwa fünf Sekunden gut. Hin und her, ja, nachts ist alles viel spannender. Bis du auf meine Haare getreten bist. Da habe ich dich einfach weggeschubst. Und schwupps – saßt du neben dem Bett. Eines deiner neun Leben vielleicht aufgebraucht, aber viel wahrscheinlicher ist, dass es dir gar nichts ausgemacht hat. Oder du einfach nur überrascht warst.

Anhänglich bist du geworden, im Alter. Je schwerhöriger, desto lauter dein – nennen wir es mal – Brüllen. Klägliches Miauen hätte einfach nicht zu dir gepasst. Du warst schon immer ein starker, wilder, verrückter Selbstversorger. Aber eigentlich hattest du nichts gegen Leckerlis und Streicheleinheiten. Eigentlich nicht, jedenfalls nicht, nachdem du zur Ruhe gekommen bist. Endlich, nach über fünfzehn Jahren. Aufgewachsen in der „Wildnis“, die wir Menschen Campingplatz nennen. Abgehärtet, immer im wahren Leben. Bis sie dich mitgenommen haben. Diese Menschen. Und weitergereicht, aber nur zu deinem Besten. Und das wusstest du.

Ganz selten mal ein Blick aus dem Fenster in den Innenhof. Weil da eine Katze saß. Aber du hast nur geschaut. Die Zeiten waren längst vorüber, den Preis hast du nur allzu gern bezahlt. Du wusstest einfach, was das Leben da draußen noch so mit sich bringt. Irgendwann lernt man sie wohl schätzen, die Sicherheit. Zumindest wenn man gefühlte hundertzwanzig ist.

Klein und weiß und ein bisschen rosa. Braune Erde, frisch ausgehoben und noch nass vom Regen. Schlaf gut, Kleiner.

 

Das Lowlight

18 Jun

Wenn die Lichter langsam herunter gedreht werden, du dir einen Dimmer kaufst, um die Beleuchtung all dessen zu regulieren, was dir vielleicht nicht mehr am Abend ins Auge springen soll. Nicht das Gegenteil von Highlight, denn auch das wäre groß und dramatisch, das verdient einen ganz anderen Namen.

Wenn du dir die Hälfte dazu denken kannst oder einfach erinnern, wobei das manchmal dasselbe ist. Wenn du nur die eine Seite siehst, oder die Schemen und Schatten, die Umrisse, die Idee sozusagen.

Auf keinen Fall die Wahrheit. Eine Wahrheit? Die momentane? Die grell beleuchtete, einfache Wahrheit? Oder vielleicht sogar ein echtes Highlight, so richtig schön in Szene gesetzt und angestrahlt, von der Schokoladenseite sozusagen.

Wenn du also einfach das Licht verringerst und somit auch ein Stück weit romantisierst, wenn du einen Teil verschwinden lässt, vielleicht, um dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Da sind die Lowlights, die leisen Töne im Licht. Um sich all dem zu widmen, was ansonsten nicht gesehen wird. Um Raum zu lassen für Neues, für Ungehörtes.

Nicht die Enttäuschung finde ich in diesem Begriff, sondern das Potenzial.

 

Generationen von Gedanken

4 Jun

Wenn man die Welt der Gedanken einmal evolutionstheoretisch betrachtet – überleben dann nur die stärksten?

Und welche sind das? Wahrscheinlich nicht automatisch die besten. Die leisen, die anderen, wollen wohl auch mal gehört werden. Aber die Wiederholung der ewig gedachten (inzwischen geglaubten) Gedanken lässt dies oft nicht zu.

Meditation wirkt dieser Entwicklung wohl entgegen, gibt allen Impulsen Raum. Auch denen, dir wir schnell zur Seite schieben und durch lautere, größere Ideen irgendwann nicht mehr hören.

Auch die Träume geben denjenigen Gedanken und Emotionen eine Chance zur Entfaltung, die sich tagsüber nicht durchzusetzen vermögen. Das Gehirn prüft nachts ohne Schranken und Schubladen.

Die nächste Gedanken-Generation scheint meist klarer als die vorherige. Einige Gedankenkinder richten sich strikt nach den Eltern, andere grenzen sich ab. Wieder andere werden gar fanatisch. Und einige sterben, bevor sie je gelebt haben.

Die Gedanken sind frei? Vielleicht im Moment ihrer Geburt. Aber danach gliedern sie sich ein in die Familie der sie umgebenden Gedanken. Wir sollten sie pflegen, damit sie sich frei entfalten dürfen.

Mehr.

 

Ab-schied

8 Apr

Ich wusste, du würdest jeden Moment gehen. Du könntest jeden Moment loslassen. Auf jeden Fall wäre es ein Abschied für immer. Ein echter, unwiderruflicher Abschied. Und es ging gar nicht um mich an diesem Tag. Es ging um dich, aber das hat sich mir damals nicht erschlossen. Eigentlich ging es auch gar nicht um dich. Es ging um uns. Das zwischen-dir-und-mir, das so nie wieder sein würde. Du bist nur die Summe dieser zwischen-dir-und-jemand-anders-e, im Prinzip. Denn ansonsten gibt es keine Zeugen. Steine reden nicht, auch wenn sie sich erinnern mögen. Oder vielmehr uns erinnern.

Dein letzter Blick war ein klarer, durchdringender. Du hast mir alles gesagt in diesem Moment und ich habe alles verstanden. Weil es universell war und doch so persönlich. Wie es nur zwischen zwei Menschen sein kann, die wissen, dass sie sich das letzte Mal sehen. Bei uns kam hinzu, dass wir uns noch nicht richtig kennen gelernt hatten. Im Angesicht des Todes ist Vertrauen eine harte Währung.

Wir sahen uns das letzte Mal im Traum. Du hast mir zugewunken aus einer anderen Welt und mich instruiert. Ich hoffe, ich habe meine Sache gut gemacht. Auch wenn ich lange gebraucht habe, um zu verstehen, was du mir eigentlich sagen wolltest. Dass du die Kartoffeln so gehasst hast, wusste ich gar nicht. Aber ich habe nie vergessen, wie respekvoll du mit den Wespen umgegangen bist.

Dein Körper ging schneller als dein Geist. Den Abschied mussten wir nachholen, immer und immer wieder. Bis wir beide irgendwann loslassen konnten.

Ich wollte auf dich aufpassen, dich begleiten. Doch an einem gewissen Punkt trennen sich die Wege. Und auch wenn man sein Leben in Einklang mit dem Tod lebt – in völligem Bewusstsein des Daseins – ist das Sterben ein sehr konkreter Moment. Aber eben auch nur das.

 

Die Wunde

4 Apr

War es Fügung? Auf jeden Fall wurde sie hinzu-gefügt. Zu all den anderen, kleinen und großen Beweisen für Wagsinn und Halsbrechertum, Energie und Überschwang. Zeugnissen von Abenteuergeist und Mut.
Doch irgendwann ersetzte die kindliche, unbeabsichtigte (aber dennoch tolerierte) Auslieferung gegen die Welt – die Unachtsamkeit. Und dann irgendwann die Absicht. Zunächst die zynische, heimliche, verleugnete. Später die eingestandene, erschrocken beobachtete und schließlich die blanke, forcierte.
Die Abenteuerflecken wurden zu Hilfeschreien, die Schrammen zu Schnitten. Erst unter der Oberfläche, aber gut sichtbar. Dann obenauf, im Überfluss.
Pflaster kamen zum Einsatz, Bandagen, Klammern hielten zusammen, was gewaltsam getrennt worden war.
Die Sucht fand ihr Ende an einem Spätsommernachmittag. Als nicht mehr an der Oberfläche gekratzt werden musste, weil sich innen neue Welten auftaten.

Für euch, die Hoffnung.

 

Anders im Kleinen

13 Mrz

Mal nicht zurück gelächelt in der Bahn. Es muss schon einen Grund geben.

Back to the roots: Alten Schmuck neu entdeckt. Warum lag der so lange im Schrank?

Meine erste Kundenbewertung bei einem großen Online-Versand geschrieben. Fühlt sich gut an.

Today: Achtsamkeit.