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Berlin, nur für mich

8 Dez

So kurz war ich wohl noch nie hier. So früh glaub ich auch nicht. Ich bin sehr erleichtert, als die Veranstaltung mit eben diesen Worten aus meinem Kopf eingeleitet wird, müde sind hier also auch noch andere.
Ich sehe nicht viel von der Stadt, was zum Teil am Regen (oder ist es Nebel?) liegt und zum anderen Teil am kurzen Weg vom und zum Hauptbahnhof. Aber es macht nichts, ich mag den Hauptbahnhof. Aussicht gibt es trotzdem.

Ich kann es nicht beschreiben, aber das muss ich heute auch gar nicht. Ich bin einfach nur mal hier. Viel zu sehr habe ich mich ständig beobachtet und analysiert bei meinen früheren Besuchen. Dieses Mal kann ich es einfach als das nehmen, was es ist: ein Besuch. Und wenn es eines Tages mehr ist…ok. Aber für heute fahre ich zurück und freue mich, dass dadurch sogar noch jemand anderes nach Berlin fahren kann.

Auf der Flucht

8 Nov

Stell dir vor, du bist acht, es ist Nacht, und du weißt, keiner lacht, der Himmel brennt, durchgemacht, auf und davon, aufgemacht, du hast gedacht, es geht zurück, doch Stück für Stück, neue Welt, keiner hält, nichts mehr wert, und kein Geld, bringt zurück, was du vermisst, neue Welt, neue Menschen, doch es fehlt, was du brauchst, dein Zuhaus, so sitzt du hier, in der Nacht, im lauten Zug, bleibst einfach wach, bis Mama ruft, ein bisschen Schlaf, das tut jetzt gut, langer Weg, doch nichts wird gut, einfach so war alles weg, weggebombt, weggebrannt, und was kommt, ist eine Hand, und ein Schrei, dann geht es los, der Weg ist groß, der Weg ist lang, und es kommen längst nicht alle an, dann stehst du da, das graue Meer, es ist noch da, tagelang, geht nicht mehr weg, wird nie mehr gut, und schließlich kommt ihr an, im Wunderland, doch die Menschen hier sind kalt, keiner fragt, keiner weiß, und doch hast du den Verdacht, auch hier ist Nacht, auch hier ist Angst, eine andere, die du nicht sehen kannst, du bist erst acht, doch als ob das etwas macht, die Häuser stehen leer, keiner gibt etwas her, das Boot sei voll, so sagen sie, doch was das wirklich heißt, fragen sie nie.

Ehre und Geleit

29 Sep

Die Füße bleischwer, das Herz ein zerfließender Stein.

Dort sitzen sie. Die Gebrochenen und die Angeknicksten. Die Verwirrten und die Angehauchten. Die Unschuldigen und die Bedauernden. Die Jungen, die zum ersten Mal Verlust erleben und die Alten, die nicht mehr zählen mögen und klar unterscheiden schon gar nicht.

Und da die Realität manchmal so schwer einzuordnen ist, kleiden wir sie in eine Zeremonie.
Blumen wie das pure Leben und ein Bild, bei dem man vor Freude weinen möchte.
Du wirst zu Worten, Gedanken, Liedern, Tränen, Erinnerungen.

Die drückende Schwere verwandelt sich zu einem Moment des Unglaubens, beinahe loslachen möchte man angesichts der Unfassbarkeit. Aber dieser Moment weicht einem Ankommen, bei dir.

Gelacht wird später, zu angemessener Zeit. Weniger irre, als vielmehr erleichtert.

Die Glocken läuten, wir erheben uns und machen uns auf zum schwersten Gang.

Neuwerk – das gehört zu Hamburg

20 Aug

Wir machten uns auf in aller Frühe. Und ich meine wirklich früh. Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr. Lasst uns ehrlich sein, packen am Abend vorher ist doch was für Langweiler. Gut durchorganisiert geht manchmal erst in den letzten fünf Minuten. Dennoch war nicht ich es, die ihre Schuhe vergessen hat.
Um sieben trafen wir uns alle – acht Mädels an der Zahl – um zusammen nach Cuxhaven zu fahren. Ein Auto fuhr direkt, das andere machte einen kleinen, ungeplanten Schlenker. Ratet, in welchem ich saß. Und fieberte.
„Die Flut wartet nicht“, tönte es auf der Homepage. Zur Not müssten wir halt hinterherlaufen. So ein bisschen Jogging am Morgen macht doch munter.
Wir sahen jedoch in geringer Entfernung unsere Gruppe und einige wild winkende Teilnehmer darin – das mussten sie sein. So ging es also ins Watt. Alte Turnschuhe und Socken wurden empfohlen, keine Gummistiefel. Barfuss sollte man auch nicht laufen. Das wurde natürlich zum Großteil ignoriert. Die Muschelbänke hielten sich zurück, niemand wurde (ernsthaft) verletzt.
Nach einigen Schritten wurde es nass, noch einige weiter war ich schon eins mit dem Schlamm. Anders geht es nicht.
Irgendwann, nach einer Stunde vielleicht, dachten wir, wir hätten die Hälfte geschafft. Ha. Es folgten noch zweieinhalb weitere. Starkregen und Sturm, dann wieder Sonne – wir hatten das volle Programm. Wer nach „Hamburg“ will, muss einige Prüfungen bestehen. Es fühlte sich an wie ein Marsch durch die Wüste. Zugegeben, eine Wüste aus Schlick. Durch die tiefen Furchen im Boden war es nicht einfach, zu laufen. Irgendwann zog ich meine Schuhe aus. Das Wasser war angenehm warm. Es ging immer weiter. Der Wattführer – ein Rheinländer, der nach eigenen Angaben auch das erste Mal hier längs lief – hielt des öfteren an, um tote oder sich tot stellende Krebse in die Luft zu halten.
Neuwerk kam optisch zwar immer näher, blieb aber im Prinzip stets genauso weit entfernt. Wir liefen jeden überflüssigen Gedanken weg.

Irgendwann waren wir da. Einfach so. Und die Sonne wartete auch schon auf uns.

Abrechnen

1 Aug

Am besten am Ende, nur meist ist das so schwer zu erkennen. Gut, wenn man ein Drehbuch dabei hat.

Aufgehen sollte es, nicht unter. Gut und böse müssen sich die Waage halten. Doch was wiegt schwerer?

Und dann ist es nur eine einzige Geste: Ehrlichkeit.

Das soll wohl reichen. Und tut es dann auch. Hat es schon immer, auch für mich.

Familie kann ein großes Thema sein, aber dann gilt schließlich, bei sich selbst zu bleiben. (Vielleicht ist dann am Ende noch jemand da.)

Ehrlichkeit als Geste? Wohl kaum. Es ist mehr.

Es ist eben keine Geste mehr. Sondern ehrlich.

Und wie verführerisch sind doch die Lügen, die Macht vorgaukeln in einer ohnmächtigen Situtation.

Dem Leben.

 

The Rock – Der Berg ruft

25 Mai

Destination: Bremen, Werk eines großen deutschen Automobilherstellers

Ortszeit: 1400

Mission: Bezwingen Sie einen Berg mit 70 % Steigung aufwärts und 80 % Steigung abwärts

Fotos: Hier und hier

 

Die Crew setzt sich um 1100 in Bewegung. Voll ausgerüstet mit Trinkflaschen, Erfrischungsstäbchen, Prospekt (!) und minimalem Herzklopfen.

Die Sonne scheint, es wird ein heißer Tag. Doch die Crew weiß noch nicht, wie sehr sie am Ende ins Schwitzen geraten wird.

Die Crew besteht aus dem Beschenkten (genannt Selbstfahrer), der ersten Beifahrerin (genannt Fotografin) und der zweiten Beifahrerin (genannt Berichterstatterin).

Der Selbstfahrer hat sich bereits vorab über die Mission informiert und verspürt dementsprechend eine Aufregung von ca. 30-40 %. Die Fotografin checkt noch einmal ihre Ausrüstung. Die Berichterstatterin wähnt sich in völliger Beteiligungslosigkeit, die sich sehr bald als Illusion herausstellt.

Auf dem Gelände angekommen, verlässt die Crew ihr Fahrzeug und begibt sich vertrauensvoll in die Hände des so genannten Instructors. Der Instructor lässt die Crew in sein Fahrzeug einsteigen, der Selbstfahrer sitzt zunächst auf dem Beifahrersitz. Die Beifahrerinnen nehmen Platz auf der Rückbank. Es gibt keine speziellen Gurte, angeschnallt wird sich selbstverständlich trotzdem. Eine kleine harmonische Runde entlang am Werk führt den voll beladenen Geländewagen schließlich zum Übungsgelände. Das erste Hindernis ist schon in Sicht – eine Brücke, die nur aus zwei schmalen Planken besteht. Der GLK mit seinen 265 PS (!) schafft sie mit Links.

Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung: Eine Kamera zeigt den Insassen alle Sichtweisen um das Auto herum: vorne, hinten, oben und unten. Die Unterbodenaufnahme zeigt, wie es unter der Brücke aussieht. Links davon wird auf einem extra Bildschirm die Ansicht von oben auf den Wagen dargestellt. „Die Drohne fliegt circa fünf Meter über dem Auto und liefert ein beständiges, gestochen scharfes Bild“. Der Instructor gerät richtig in Fahrt.

Auch auf dem Parcours.

Es geht einen kleinen Abhang hinunter – die Technik macht mehr als der Mensch. Die Devise heißt oft: Füße weg von den Pedalen. Wer hier nicht hört, spürt die Konsequenzen. Die Aufregung des Selbstfahrers steigt auf 60 %. Die Mitfahrerinnen spüren, dass sie live und in Farbe dabei sind. Und sich gleich in die Hände des Selbstfahrers begeben werden.

Es geht über eine Buckelpiste, einen 60 %-igen Hang hinauf und direkt zu auf eine Vorrichtung aus Holz, an der links und rechts entlang gefahren werden kann. Rechts mit einer Neigung von 30 %, links noch einmal 20 %. Wir nehmen zuerst die 30 %. Das Auto neigt sich nach rechts, fährt aber weiter. Die Gurte halten. Der erste Anflug von Achterbahn. Die Schwerkraft zerrt von rechts. Dann ist es vorbei, das Auto fährt auch sicher auf drei Rädern und fängt sich wieder. „Das muss der Wagen aushalten, steht ja so im Prospekt“, erklärt der Instructor. „Bei 30,5 % Neigung wäre allerdings auch schon Schluss, dann kippt der Wagen zur Seite.“ Später stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit 35 % sind, aber das klingt ja nicht ganz so eindrucksvoll.

Die nächste Etappe ist ein Hang am Bach entlang. Wildnis pur, auf der linken Seite schwimmen Baby-Blesshühner. Und die Mama. Sechs Nachwuchshühner werden derzeit zu Kampf-Schwimmhühnern ausgebildet, um die herunterfallenden Fahrzeuge wieder sicher an Land zu bringen. Wir kippen nach links und haben eine gute Sicht direkt auf das Wasser. Am Ende des Weges ist man froh, wieder aufrecht durch die Gegend zu fahren.

Es geht weiter, eine Treppe hinauf. Und natürlich auch wieder hinunter. „Zwischen 8 und 10 km/h fährt es sich eine Treppe ganz gemütlich hinauf“, so der Instructor. Durchgeschüttelt wird das Team trotzdem. Kurz bevor es – endlich (oder schon?) – auf den Berg geht, wird noch eine „russische Straße“ (O-Ton eines Selbstfahrers) bezwungen. Das Auto arbeitet mit jeweils zwei Rädern. Gas geben, bremsen – Stop and Go mal anders. Das kann ein Geländewagen also auch. Schnell geht es zwar nicht voran, dafür gut durchgeschüttelt vorwärts! Auch auf Rollen macht der GLK eine gute Figur. Der Technik sei Dank finden die Räder innerhalb weniger Sekunden ihren Grip, wo sich andere Autos sozusagen tot rollen würden.

 

Und. Dann. Kommt. Der. Berg.

 

Die Aufregung bei sämtlichen Insassen – den Instructor ausgenommen – steigt auf 80 %. Fast so viel Steigung muss das Auto jetzt erklimmen. Und es geht einfach los.

[Die Berichterstatterin möchte laut schreien, aber besinnt sich zum Glück.]

Direkt mit der Schnauze in den Himmel geht es auf „The Rock“ – und das hat so gar nichts von Alcatraz hier. Oben angekommen, ist kurzes Durchatmen angesagt. Der Magen macht sich ein wenig bemerkbar. Der Instructor rollt ein Stück vor und erklärt wieder: „Die Füße weg vom Pedal. Die Technik macht das alles alleine. Steht ja so im Prospekt.“ Nach zwei Metern bremst er auf offener Strecke und alle starren nach vorne direkt auf den Boden. Es geht fast im 90° -Winkel bergab. Das ist wie Achterbahn, nur dass da ein Mensch lenkt. Eine großartige Lektion in Sachen Vertrauen.

 

ICH WILL HIER RAUS!

 

Der Wagen rollt weiter bergab, schwingt sich sanft zurück in die Waagerechte und der Spuk ist vorbei. Zumindest fürs Erste. Denn nun ist ja der Selbstfahrer dran!

Ähnlich wie der Instructor fährt der Selbstfahrer das Gefährt zielsicher über den Parcours. Die Berichterstatterin denkt die ganze Zeit an den Berg und hat den Verdacht, dass es den anderen ähnlich geht. Der Instructor gibt Anweisungen wie „Gas“, „Mehr Gas“, „Hab ich was von bremsen gesagt?“. Wir ruckeln so über die Landschaft. Die Fotografin hat sich inzwischen in Position gebracht, um das Ganze auch von außen zu dokumentieren.

Steigung, Neigung, Baby-Kampf-Blesshühner, Buckelpiste, „Nicht bremsen“, und schließlich stehen wir vor dem Berg. „Diese Reifenspuren dort entstehen, wenn der Wagen abrollt und wieder Gas gegeben wird“, erklärt der Instructor. Steht nicht im Prospekt, sondern ist tatsächlich so passiert. Doch wer jahrelang Motorräder, Autos, LKWs, Wohnmobile und Busse durch die Welt bewegt hat, fährt auch lässig so einen Berg hoch. Anders sieht es oben aus. „Sie bremsen, wenn ich Stop sage.“ – „Hab ich schon Stop gesagt?“ Der will doch wohl nicht schon gleich wieder runter? Nein, er wollte nur schon einmal den Ansatz des Abhangs ins Blickfeld rücken. Danke, lieber Instructor.

„Dann Füße vom Pedal und nur Lenken.“ Die Abfahrt ist etwas ruckeliger, aber im Prinzip ähnlich wie beim ersten Mal. Nur fahren wir am Ende nicht gleich in die richtige Richtung. „Da hätten Sie dann lenken sollen, als ich es gesagt habe.“ Zu spät. Mit Menschen arbeiten ist nicht so einfach. Doch der Instructor hat die Ruhe weg. Vertraut halt der Technik. Und dem Prospekt.

Egal, jetzt haben wir es ja geschafft. Mit einem Radius von nur elf Metern wendet der Wagen und nimmt noch einmal Anlauf auf den Berg. „Beim zweiten Mal geht es doch viel besser“, freut sich der Instructor. Er scheint der Einzige zu sein. Doch hoch geht es wieder recht gut, auch runter flutscht es dieses Mal. Alle sind erleichtert. Der stolze Bezwinger des Bergs bekommt einen Stein verliehen – die graviert der Instructor nach eigenen Angaben abends nach Feierabend in Heimarbeit.

Alles in allem eine aufregende, gelungene Fahrt! Mission erfüllt. So steht es ja schließlich im Prospekt.

Am Rande sei noch erwähnt:

Die jüngste Teilnehmerin bisher war 17 Jahre jung und hatte gerade ihren Führerschein gemacht, der älteste Teilnehmer war bisher 86 Jahre alt. Täglich fahren die drei GLKs zwischen 10 und 30 Mal über den Berg, bei Großveranstaltungen auch öfter.

Sogar zum Schilder-Putzen im Sommer und zum Streuen im Winter setzen sich die Instructors in ihren Wagen und bezwingen alleine den Berg ganz nebenbei.

Melancholie

17 Apr

Erst denkst du, Selbstmitleid ist richtig klasse,
endlich geht es mal um mich.
Oder dir geht es vielleicht wirklich schlecht.

Doch Selbstmitleid ist eine zähe Masse,
überzieht die Welt, ist gar nicht echt.
Die Bilder verschwimmen,
und irgendwann ertrinkst du darin.

Doch den Film kannst du abziehen
vom Leben, das nicht mehr das deine ist.
Du brauchst dich nur kurz erheben
und sehen, was du wirklich vermisst.

 

Melancholie