Beobachtungen

17 Aug

Was hat die Milch gemeinsam mit dem Waschmittel und dem Toilettenpapier?

Richtig, den Plüschbären.

Und was sagt uns das? Vielleicht, dass wir es gerne alles ein bisschen flauschig haben. Mit Bärenpower, versteht sich.

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Gastbeitrag der Katze…

14 Aug

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Fragen, auf die es wohl nie eine Antwort geben wird – Teil 1

20 Jul

fuut – fuut – fuut

Hast du dieses Geräusch gehört? War das die Katze oder die Waschmaschine?

Heiraten – das neue Zusammenziehen?

14 Jul

Der Dozent stand vor der Gruppe und sinnierte über das Heiraten. Wie unglaublich viel Vertrauen, was für eine grandiose Basis doch dieser Entscheidung zugrunde läge. Wie weit zwei Menschen miteinander in die Zukunft schauten – nämlich unüberschaubar – wenn sie voreinander stünden, die Ringe tauschten und „Ja“ sagten zum „bis dass der Tod uns scheidet“. Und noch bevor sich irgendjemand im Raum wirklich der Tragweite von unüberschaubarer Zukunft bewusst werden konnte, rief jemand: „Ach, das wird doch heutzutage gar nicht mehr gesagt. Wenn überhaupt, trifft man auf diese Formulierung in der Kirche.“ Alle nickten erleichtert.

Unendlichkeit auf Probe – funktioniert das überhaupt? In einer Zeit, die einfach nicht mehr verlangt, einander zu heiraten, die Freunde über die Liebesbeziehung(en) stellt, die alles möglich werden lässt – wozu dann eigentlich vor den Altar oder den Standesbeamtentisch treten?

„Weil wir es einfach wollen“ – klingt nach der besten Idee überhaupt. Und auch gleich schon nach einer Rechtfertigung. Das Herz wird an die Hand genommen vom Verstand. „Komm Herz, ich zeig dir mal, wo es lang geht.“ Und schon ist das Herz verwirrt.

„Zur Not lassen wir uns halt wieder scheiden, wenn es nicht klappt.“ Ja, das geht heute und hier. Glücklicherweise. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Rettung und Erlösung. Und jenseits dessen liegt die Liebe.

Wir müssen uns nicht mehr absichern, denn wir haben ja einen Sozialstaat. Die gesellschaftliche Anerkennung fällt denjenigen zu, die sich beruflich etablieren oder engagieren. Die Durchlässigkeit des Systems steigt – der vielfältigen Kritik am Bildungssystem zum Trotz. Und wenn nicht, so beruhigen uns die Akademiker, dann bieten Subkulturen immer noch zuverlässig interne Mechanismen der Anerkennung.

Und sogar die Kindererziehung funktioniert auch ohne verheiratete Eltern. In vielen Fällen sogar besser.

Was ich vielleicht sagen will: Die Ehe ist in unserer modernen Gesellschaft reduziert auf das Zwecklose, auf den puren Luxus, das Glück – jeder behauptet, es zu wollen, kaum einer hält es tatsächlich aus.

Aber wahrscheinlich ist es gut, dass wir sie hinterfragen. Oder, Herz?

Kurzgeschichte Teil 2

21 Mai

In Wirklichkeit habe ich meine Großmutter nie kennen gelernt. Sie ist vor zwei Wochen gestorben und ich habe davon bloß am Rande erfahren. Im Prinzip interessiert es mich nicht, wer sie war. Ich denke mir solche Geschichten bloß aus, weil ich es kann. Weil sich die Möglichkeit bietet. Sie hat nichts mit der Realität zu tun – zumindest nicht, so weit ich weiß. Und wenn doch, ist es auch egal.

Ich bin eine notorische Lügnerin. Ich habe schon als Kind gelogen – nicht nur, um mich vor Strafe zu schützen und mir Aufmerksamkeit zu erschleichen, sondern auch, um mich und vor allem die Welt interessanter zu machen. Was letztlich wieder zur Aufmerksamkeit führt. Und genau da liegt auch mein Problem: Ich bin mit meiner Aufmerksamkeit so sehr bei meinen Lügengeschichten, dass ich kaum noch welche für die reale Welt übrig habe. Eine erfundene Geschichte kostet nämlich unglaublich viel Konzentration und Kraft. Das Aufrechterhalten von Konstrukten ist um einiges schwerer und anstrengender als das Merken von tatsächlich passierten Geschehnissen. Nach den Lücken fragt in der Realität keiner. Und wenn doch, lässt sich das schon füllen oder ablenken. Aber wehe, es taucht ein Fehler in der Lüge auf! Sie droht sofort zusammenzubrechen. Das liegt nicht nur daran, dass Unregelmäßigkeiten oder Widersprüche die Logik und den Fluss einer Geschichte gefährden. Schließlich sind wir Menschen voller Widersprüche. Zur Not könnten wir die Lüge immer irgendwie retten. Aber dann müssten wir uns mit ihr identifizieren – und sie wird zur Wahrheit, verliert ihre Funktion.

Vor allem ist eine Lüge aber auch so fragil, weil wir schon so viel Energie in sie investiert haben. Wenn dann Fehler auftauchen, ist sie es manchmal einfach nicht mehr wert, aufrechterhalten zu werden. Solange sie uns leicht von den Lippen geht, kostet eine Lüge nicht viel und gibt uns sogar etwas. Die Freude an einer guten Geschichte oder das Gefühl, die Welt zu beherrschen. Wir schreiben die Geschichte. Natürlich nicht die echte, das wäre ja ganz schön vermessen.

Aber die Wahrheit kann uns erleichtern, wenn eine Lüge „auffliegt“. Nicht nur aus moralischen Gründen, wie wir uns so gerne einreden. Das Aufgeben der Lüge verschafft auch Erleichterung, da wir nicht mehr so hart dafür arbeiten müssen. Sondern einfach mal durchatmen, einfach nur da sein. Die (Neu-)Erschaffung der Welt ist auf Dauer immerhin ziemlich anstrengend.

Kurzgeschichte Teil 1

19 Mai

Meine Großmutter wartete auf ihn, jede Minute an jedem gottverdammten Tag, den er nicht da war. Er war in den Krieg gezogen. Und so, wie die Männer voller Stolz mit einem gerade der Pubertät entwachsenen Gesicht breit grinsend ihre Taschentücher schwenkten, während sie halb bewusst und halb schockgefroren vor Angst ganz unauffällig den Finger zum Lauf ihrer Waffe führten, nur um kurz sicherzugehen, dass sie nicht träumten, saß sie auf ihrem Bett und weinte ihr Taschentuch voll. Meine Großmutter war eine starke Frau, die jedoch ihren Gefühlen freien Lauf lassen konnte, wenn es darauf ankam.
Innerlich schrie sie immer wieder warum, doch äußerlich kam kein Laut über ihre Lippen. Nachdem sie sich eine halbe Stunde ihrer Verzweiflung über das Leben und Sterben hingegeben hatte, straffte sie ihr Kleid, steckte das Taschentuch in ihre Tasche, entschied sich dann, es gegen ein frisches auszutauschen und trat schließlich vor die Tür, um die Hühner zu füttern.

Mein Großvater hatte sie nicht alleine gelassen. In ihr wuchs neues Leben heran. Ein laut plärrendes Baby, das sie jeden Tag zum Aufstehen und Funktionieren zwang. Die Gedanken an meinen Großvater drängte sie immer weiter in ihr Hinterbewusstsein. Das Kind wurde größer und das Leben war das Leben.

Sie wartete und gleichzeitig hoffte sie auf Erlösung vom Warten. Eines Nachts kam ihr der furchtbare Gedanke, dass jede Nachricht besser wäre als keine Nachricht. Doch dem Schlund der Dunkelheit setzte sie geistesgegenwärtig das grelle elektrische Licht einer blassen Röhre entgegen, das ihr zudem die ungeschminkte Wahrheit über ihren körperlichen Zustand bescherte.

Andere Frauen waren tapfer, arbeiteten den lieben langen Tag oder zogen den Nachwuchs groß. Meine Großmutter verbrachte die meiste Zeit damit, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie Angst hatte und ihren Mann vermisste. Die Milch holen – ein Akt der Normalität. Die Eier einsammeln und zählen – Mathematik gegen den Wahnsinn. Das Kind baden und in die Stadt zum Einkaufen fahren – bloß nicht auffallen.

Und so ging es sieben lange Jahre. Der Krieg war längst vorbei, aber es gab keine Nachricht von Großvater. Ihre Schwester stellte sie einem netten jungen Mann vor, doch meine Großmutter war entrüstet. Sie war empört. Sie war außer sich. Und schließlich gestand sie ihrer Schwester unter Tränen, dass wohl jede Nachricht besser sei als keine Nachricht. In den Armen ihrer Schwester wurde der unterdrückte, unglaubliche Gedanke endlich zu einem legitimen Wunsch.

Und dann kam er nachhause.

Ihre Augen trauten ihrem wild springenden Herzen kaum, ihre Ohren setzten einen Moment lang aus und der stumme Schrei von damals, als sie so bitterlich geweint hatte, ganz allein in ihrem Bett, entlud sich mit aller Kraft.

Mein Großvater weinte nur.

Als sie versuchten, die Fetzen einer jungen, zerrissenen Liebe wieder aneinander zu nähen, die Illusionen einer verflogenen Jugend und eines zerbombten Glaubens einzufangen und die Scherben ihrer Träume einzusammeln, merkten sie, dass es gar nicht so einfach war. Er war zurückgekommen und doch war er nicht mehr derselbe. Der Mann, den sie hatte gehen lassen, war irgendwann in den 2.578 Nächten verloren gegangen. Wahrscheinlich schon während der wenigen ersten.

„So oft hat der Mond unsere Erde umkreist, so oft ist die Sonne untergegangen. So viele Menschen haben seinen Weg gekreuzt und ihn für immer verlassen. Wie konnte ich nur erwarten, den Mann wieder zu sehen, der damals ging?“ Sie wandte sich anderen Gedanken zu, sorgte für Kleidung und Essen und hoffte, dass sich die Teile wieder zusammenfügen würden. Doch wie ersetzt man Fragmente der Seele?

Am Tage versuchte mein Großvater, für seine Familie da zu sein, auch wenn er weder seine Rolle noch seinen Sinn wirklich fassen konnte. In der Nacht lenkte er seine ganze Kraft darauf, an diesem Ort zu bleiben und zu begreifen, dass er zuhause war. Der Alkohol war billig und verfügbar. Wenigstens sucht er diese Attribute nicht in den Armen einer anderen, dachte meine Großmutter.

Wenn sie zusammen in die Stadt fuhren und sich auf dem Markt mit anderen unterhielten, gab es kaum Neuigkeiten auszutauschen. Nur Floskeln. Die Neuigkeit war schließlich immer noch seine Rückkehr und über die mochte niemand mehr als einmal mit ihm sprechen.

Er nahm einen Apfel in die Hand und hielt ihn einfach fest. Die Sonne schien auf die wunderbare grünrote Schale und er sah ganz still auf die Frucht in seiner Hand. Meine Großmutter schaute ihm aus ein paar Metern Entfernung zu und bemerkte, wie für ihn die Zeit stehen geblieben sein musste. Auch sie war gefangen von diesem Moment. Dann lächelte er die Marktfrau an, die daraufhin einen kleinen Scherz machte und ihm eine Tüte mit Äpfeln füllte. Sie fühlte einen Stich.

Es war keine Eifersucht im direkten Sinne, eher ein Verlust, der tiefer ging, als alles, was sie greifen konnte. Was unterschied die Verbindungen zwischen zwei Menschen, objektiv betrachtet, überhaupt voneinander? Geht es bei der Liebe um die Wiederholung des Zusammenseins, das immer wiederkehrende Teilen von Augenblicken? Sind wir nur die Summe unserer Interaktionen?
In diesen Momenten, wo wir eine andere Seele einfach der Welt hingeben und sie sich verbindet mit einem anderen Menschen, wo ist dann noch die Verbindung zwischen uns, fragte sie sich.

In diesem Moment schaute er zu ihr und blickte ihr mitten ins Herz.

Pre-Kater-Stimmung

5 Mrz

Der Unterschied ist ganz einfach. Mit 30 weißt du, wo deine Grenzen sind. Mit 20 erkundest du sie gerade. Mit 30 weißt du, wo deine Grenzen sind – und überschreitest sie dann in vollem Bewusstsein.

Am nächsten Tag zahlst du den vollen Preis. Nicht nur der Körper beschwert sich. Vielmehr hast du einfach länger damit zu tun, die ganzen Scherben deines Bewusstseins wieder aufzuheben, das du am Abend zuvor fröhlich über Bord geworfen hast.

In diesem Sinne wünsche ich euch schon mal ein schönes Wochenende!