Tag Archives: Alltag

Beobachtungen

17 Aug

Was hat die Milch gemeinsam mit dem Waschmittel und dem Toilettenpapier?

Richtig, den Plüschbären.

Und was sagt uns das? Vielleicht, dass wir es gerne alles ein bisschen flauschig haben. Mit Bärenpower, versteht sich.

Advertisements

Ich habe heute leider kein Foto für euch…

26 Feb

Leider? Wohl eher zum Glück. Denn so konnte ich – im Gegensatz zu zwanzig anderen Menschen um mich herum – einfach den atemberaubenden Anblick einer ganzen Wiese voller lilaner Krokusse mitten in Hamburg bewundern. Ich glaube tatsächlich, dass sich mir dieses Bild bis in mein Herz eingebrannt hat, vielleicht nicht auf ewig, aber zumindest bis Übermorgen.

Die gefilterten, abfotografierten Versionen dessen, was für mich noch ein echter Moment im wahren Leben war (auch wenn und vielleicht gerade weil ich ihn ganz alleine genossen habe), mag für die anderen jetzt ein halb „geshared-er“, halb sozialer und zudem ein-gefangener, gefrorener Anblick sein.

Mein Tipp: Bleibt doch zwischendurch einfach mal stehen und genießt das Jetzt und Hier. Macht es zu einer realen Erinnerung oder noch besser – noch nicht einmal das.

Realisierung statt Realität

27 Jun

Merkt ihr es auch manchmal? Es ist, wie es ist.

So einfach ist das. Und die Erkenntnis darüber ist viel unmittelbarer als die sogenannte Realität an sich.

Ein schönes Wochenende wünsche ich!

(Es ist Wochenende.)

 

Im Dammtorbahnhof

29 Mrz

 

IMG_2283

Hier wohnen wir, die grauen Seelen. Die gewieften und die schnellen, die geduldigen und die gehetzten. Wir fliegen ein und aus, drücken uns in den Ecken herum und ergaunern ein paar Krümel. Manchmal auch richtig fette Brocken, aber die sind nicht leicht zu transportieren – und behalten. Wir stürzen uns aufeinander und raufen miteinander. Eine Familie sind wir nicht und doch hängen wir alle zusammen herum und grenzen uns ab von den Durchgängern, den Pendlern, den Reisenden. Den Alltäglichen, obwohl wir doch eigentlich am alltäglichsten sind.

Hier arbeiten wir, die Versorger. Stehen in der Mitte der Nacht auf und verlassen unser warmes Bett, um für Stunden in der Zugluft zu stehen und Zugluft zu atmen. Schmieren Brötchen und kochen Kaffee und braten Burger, schießen Fotos und lackieren Nägel. Wir verkaufen Lesbares und Essbares, Hörbares und Duftendes. Und abends schenken wir ein Feierabendbier aus. Für all die Pendler und Reisenden, die Durchgänger und Verweilenden. Nah dran an allem und doch nur eine Station. Nie ganz dabei.

Hier passieren wir und ärgern uns über die ganzen Menschen, die ständig kaputte Rolltreppe, die frechen Tauben. Sind verwundert über so viel Leben und doch so kurzes Erleben, messen dem Bahnhof nur eine kleine Bedeutung bei. Huschen hindurch und übersehen vielleicht diesen Luftballon, der dort oben im Dach sich verfangen hat. Nehmen uns nicht einmal die Zeit, einander in die Augen zu schauen beim Austausch von Waren und Worten.

Bis draußen die Klänge eines Saxophons einfach nicht zu überhören sind. Die Augen des Mannes mit dem Pappbecher nicht zu übersehen. Der kleine freche Räuber sich jeden Tag wieder an der gleichen Stelle – gleich neben dem Tablett mit den belegten Stullen – herumtreibt und uns das Lächeln ins Gesicht. Jedes Jahr zur Adventszeit die gleiche, altbekannte Deko hervorgekramt wird. Man sich einfach irgendwann ein Stückchen zu Hause fühlt mit all den anderen Bewohnern. Und dies doch nur eine Illusion ist, denn so viele gefangene Erinnerungen an diesem Ort leben eigentlich in einer anderen Zeit, einer anderen Welt.

 

Der Alltag und die kleinen Dinge

11 Nov

Für mich bedeutet Alltag vor allem, mechanisch zu sein, zu funktionieren, die gleichen Dinge zu wiederholen. Das klingt erstmal nicht so schön, aber richtig negativ ist das ja eigentlich auch nicht gemeint. Das Problem am Alltag ist, dass kaum etwas hängen bleibt. Was hab ich gestern noch mal gemacht/gegessen/mit wem telefoniert?

Faszinierend finde ich ja, dass wir ganze, lange Wege zurücklegen können, ohne aktiv darüber nachzudenken, sei es jetzt mit dem Auto, der Bahn oder auch zu Fuß. Wenn wir aber mal einen neuen Weg gehen oder eine andere Reihenfolge einzuhalten haben, wird es schon wieder interessant. Jetzt kann man nicht noch nebenbei lesen oder Candy Crush Saga spielen (nein, ich doch nicht) oder telefonieren. Dann verpasst man eventuell sein Ziel.

Ja, das Gehirn ist schon klasse. Funktioniert ganz von alleine, die meiste Zeit. Aber gerade, wenn es um Technik geht, bin ich kurzzeitig aufgeschmissen. Heute stand ich an der Bushaltestellte, ein paar andere Leute waren auch da. Doch irgendwas war anders. In meinem Kopf gingen gleich die Alarmglocken an, noch bevor ich realisiert hatte, was eigentlich los war. Und dann sah ich es: Die anderen wartenden Menschen schauten auf den Fahrplan! Mehrere gleichzeitig. Das war extrem ungewöhnlich. Dann sah ich zur elektronischen Anzeigetafel. Sie war aus. Bevor ich richtig in Panik ausbrechen konnte, beruhigte ich mich aber auch zum Glück wieder. Schließlich kann das ja immer mal passieren. Mein erster Gedanke war allerdings wirklich merkwürdig – ich befürchtete, der Bus würde nicht fahren. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es einigermaßen unlogisch, aber im ersten Moment habe ich nur realisiert, dass etwas nicht so läuft wie sonst. Ergo: Bus fällt aus.

Wie so kleine Dinge unser ganzes Leben erschüttern können – also den Alltag. Plötzlich muss man den Autopiloten ausschalten und wieder selbst denken. Wachsam sein, Dinge kombinieren. Und vor ein paar Jahren gab es diese Anzeigetafeln ja noch nicht mal. An vielen Haltestellen gibt es sie immer noch nicht. Es war einfach dort in der konkreten Situation anders als sonst.

Ich schaue nach Autos, wenn ich die Straße überquere, weiche Müttern mit ihrem Kinderwagen aus und bin auch sonst die meiste Zeit ziemlich wach und aufmerksam. Aber scheinbar speichert mein Gehirn für gewisse Situationen auch die Rahmenbedingungen mit ab. Wenn die ausfallen, bin ich erstmal irritiert. Einerseits bin ich ja fasziniert von dieser passiven Leistung – danke liebes Gehirn. Andererseits erschreckt mich schon, wie schnell gewisse Dinge selbstverständlich werden, in einer Welt, in der sich eigentlich alles ständig im Wandel befindet.

Wer feiern kann, kann auch arbeiten … (?)

6 Mai

Ja….nee. Es gibt echt nicht so viele Sprüche, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich mich so in meinem Alltag befinde, aber das ist einer davon. Er ist sehr regelmäßig da, wenn ich – wer hätte das gedacht – nach einer Party am nächsten Morgen zur Arbeit muss. Und da ich in der Woche nicht so regelmäßig feiere, ist das meistens sonntags. Ich weiß nicht, wer sich den Spruch ausgedacht hat, aber mit einem extremen Schlafdefizit und leichten (!) Kater (man wird ja auch nicht jünger) schleppe ich mich dann vor die Tür und hasse diesen Spruch und seinen bescheuerten Erfinder. Und denke ihn trotzdem immer wieder.

Hamburg ist meistens gnädig am Morgen danach, da regelmäßig bewölkt, aber in letzter Zeit schien vermehrt die Sonne. Auch schon am Sonntag um kurz nach sieben. Es ist wirklich fies, wie lichtempfindlich man sein kann, hat man ein bisschen gefeiert. Ich halte mich ja sowieso zurück, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen früh raus muss, aber nichtsdestotrotz würde ich mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen oder einfach gemütlich spazieren gehen. Aber irgendwie hatte ich schon immer Jobs, durch die ich auch am Wochenende gearbeitet habe. Und so schleppte ich mich also mit Sonnenbrille zur Arbeit. Morgens um halb acht.

Aber mal ehrlich, wie unlogisch ist das eigentlich? Wer feiern kann, kann auch arbeiten. Ja vielleicht stattdessen. Ok. Aber hinterher? Nein. Da hat man weder Lust noch Kraft zu arbeiten. Die ganze Energie hat man ja schon auf der Party verbraucht! Und selbst wenn man nicht mal etwas oder viel trinkt, hat man doch immerhin nur wenige Stunden geschlafen. Arbeiten erfordert ja meistens auch ein bisschen Konzentration. Das Schlimmste sind dann diese gutgelaunten Frühaufsteher, die einem gerade nach einer Runde Jogging entgegenkommen und breit grinsen, Brötchen holen und dann den Tag angehen, mit so viel Energie wie ein Kernreaktor.

Der Job, den ich zurzeit mache, erfordert manchmal, mit einer Person in einem kleinen Raum auf EINEM Quadrameter zu sitzen. Da der Raum schallisoliert ist, wird es auch schnell stickig. Möchte man da mit einer Fahne sitzen? Wie unprofessionell ist das denn? Schlimm genug, wenn man am letzten Abend etwas zu viel Knoblauch im Essen hatte. Das hat mich also doppelt davon abgehalten, zu viel Alkohol zu konsumieren.

Es ist nun nicht so, dass ich regelmäßig samstags feiern gehe und sonntags arbeite. Aber: Die Kombination geht mir mächtig auf den Keks, denn ich habe keine Lust, sämtliche sozialen Aktivitäten zugunsten meines Jobs zu canceln. Work-Life-Balance in gelebter Form.

Und überhaupt wollte ich mich ja eigentlich über diesen bescheuerten Spruch auslassen. Ich glaub das war eine ganz frustrierte, kleine, grantige Person, die niemals irgendwohin eingeladen wurde und ihren Job, den sie nebenbei gesagt gehasst hat, zu ihrem allumfassenden Lebensinhalt erklärt hat. Aus Neid hat sie dann ihre übermüdeten Kollegen mit den Worten begrüßt: „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“ und ein gehässiges Gelächter hinterher geschoben. Oder einfach nur mies geguckt. Oder der Spruch kommt vom Militär. Geht auf jeden Fall gar nicht. Ich hoffe, das nächste Mal sind diese Worte aus meinem Kopf und ich kann einfach ein bisschen in Ruhe arbeiten, nachdem ich gefeiert habe und dann nachhause und ins Bett.

Reisen – einfach wunderbar

25 Mrz

Momentan liebe ich meine Stadt. Die Sonne scheint und alle kleinen Hanseaten sind gut drauf und stehen einfach nur glücklich grinsend draußen rum. Oder sitzen schonmal im Café probeweise draußen und lassen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Sie vergessen, dass der Schein trügt oder zumindest nur von kurzer Dauer ist. Sobald nämlich die Sonne unter geht, darf man wieder die Wollmütze und Flauschhandschuhe rausholen und sich in den Windschatten stellen. Hamburg liegt halt nicht am Mittelmeer, schon gar nicht im März.

Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich mal kurz übers Reisen schwärmen. Reisen ist phantastisch. Es ist einfach (zumindest kann man es einfach halten), erfüllend (sofern man sich drauf einlässt) und erweitert ungemein den Horizont. Reisen erfordert natürlich Zeit und meistens auch Geld. Kann man zu viel reisen? Ich glaube, man kann sich tatsächlich verirren und muss auf den Punkt achten, an dem man haltlos geworden ist. Zwischendurch ist es auf jeden Fall ratsam, sich Zeit zur Verarbeitung zu nehmen. Außerdem ist das Wichtigste, die Zeit einfach in ihrem eigenen Tempo laufen zu lassen. Je nachdem, wo man sich befindet, läuft die Zeit anders. Manchmal, weil man sich nicht mehr im Alltag befindet und manchmal auch einfach, weil am anderen Ende der Welt eine andere Tageszeit herrscht.

Ich habe immer die Idee im Kopf, dass es an meinem jeweiligen Reiseziel (das kann auch einfach in Berlin oder irgendeinem Dorf in Dänemark sein) ganz anders sein wird als zuhause. Allein schon die Fahrt finde ich klasse. Ohrstöpsel rein, am besten neue Musik hören und dann die Gedanken mit der Landschaft schweifen lassen. Im Flugzeug habe ich dagegen meine Probleme. Ich kralle meine Finger in die Armlehnen oder wahlweise meinen Reisepartner, halte solange es geht die Luft an (hilft aber nicht wirklich) und konzentriere mich voll und ganz auf den immer größer werdenden Abstand zwischen mir und dem Boden. Das Flugzeug liegt steiler als eine Achterbahn in der Luft und irgendwann stellt es sich schräg und mir wird ganz schlecht. Dann knallt noch die Sonne rein und tanzt verrückt am Himmel. Gekotzt habe ich aber zum Glück noch nie. Oben geht es mir wie im Traum. Überall Wolken. Nein, im Ernst, es fühlt sich nicht real an und ich kann mir den Abstand zum Boden nur noch abstrakt vorstellen. Witzigerweise geht es mir bei der Landung immer ganz gut. Richtig gut nach der Landung. Mittlerweile habe ich aber meine Flugangst einigermaßen im Griff.

Start aus Vancouver

Über den Wolken von Vancouver

Das wirklich faszinierende ist für mich am Reisen, dass ich mich tatsächlich physisch an einem anderen Ort befinde. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber so geht es mir. Eben habe ich mich mir noch vorgestellt am Strand von Kreta, jetzt bin ich tatsächlich da. Oder gestern abend habe ich noch geträumt vom sanften Wellenrauschen in Italien, nun, fast einen ganzen Tag danach, stehe ich tatsächlich hier und schaue aufs Wasser. Die Orte, von denen man hört, liest oder die man auf Bildern sieht, werden ganz real und dadurch meist schon ein bisschen entzaubert. Mit den Sitten und Gepflogenheiten vor Ort will ich gar nicht erst anfangen, dass geht zu sehr in die Tiefe. Aber was mir immer wieder auffällt, ist dieses Gefühl von physischer Existenz. Irgendwann, wenn wir uns erst einmal beamen können, ist das vielleicht noch krasser. Oder man vergisst es dadurch auch total, weil Distanzen ohne jeden Respekt überwunden werden.

Die größte Herausforderung am Reisen ist das Nachhause-Kommen. Sei es nach einem erholsamen Urlaub zurück in den (stressigen) Alltag oder nach Wärme und Sonne wieder in das graue Matschwetter oder einfach das Bewahren dieses Gefühls, zu leben. Hamburg ist für mich eindeutig eine Herausforderung und ich bin froh, viele Menschen um mich zu haben, die mir immer wieder zeigen, dass es trotzdem nicht Stillstand bedeuten muss.