Tag Archives: Buch

In der Bahn

28 Dez

„Entschuldigung, ich sehe gerade dieses Buch da liegen. Hab schon viel drüber gehört und überlege, es mir auch zu kaufen. Ist es gut?“

– „Oh, das hier? Ja, ich habe gerade erst angefangen, aber bisher ist es sehr gut.“

„Klasse. Haben Sie es zu Weihnachten bekommen?“

– „Äh…ja, genau.“

„Das ist von meinem Lieblingsschriftsteller. Na ja, eigentlich ist er nicht mein Lieblingsschriftsteller, ich habe einen anderen und von diesem hier erst ein Buch gelesen, nein, zwei, genau. Aber das eine davon hat mich schlicht umgehauen. Da wusste ich, so ein Buch will ich auch mal schreiben. Also nicht genau so ein Buch, aber genau so eins mit der Wirkung. Ich will Ihnen nichts vorwegnehmen, wenn Sie es noch nicht kennen, aber das hat etwas mit mir gemacht, sag ich Ihnen.“

– „Aha. Das ist ja interessant….“

„Ja, genau. Ich habe richtige Aggressionen dem Buch gegenüber bekommen. Dass das überhaupt möglich ist, war mir nicht klar. Ich war nicht wütend auf den Autor, wissen Sie? Der ist ja offensichtlich genial, dass er so ein Buch zustande gebracht hat. Meinen Sie, dieses hat auch das Zeug dazu? Ach so, sie haben ja gerade erst angefangen.“

– „Na ja, bisher ist es sehr gut. Vielleicht hat es auch das Potenzial, in Ihnen wieder solche Emotionen zu wecken. Man weiß ja nie.“

„Ja, da haben Sie Recht. Das kann man erst hinterher beurteilen. Vielen Dank für Ihre Meinung.“

– „Gerne.“

„Was sind Sie denn so für ein Mensch? Eher nachdenklich? Tiefgründig? Introvertiert? So wie ich?“

– „Wie bitte?“

„Wie sind Sie denn so? Sehen Sie auch die Dinge zwischen den Wörtern? Die dahinter und darunter?“

– „Äh, ja. Klar.“

„Hm. Na gut. Ich muss ja wissen, woran ich bei Ihnen bin. Wenn Sie mir schon ein Buch empfehlen. Guten Tag.“

– „Auf Wiedersehen.“

Das Gute im Bösen

26 Dez

Weihnachten ist für mich die Zeit zum Lesen. Momentan lese ich das sechste Buch der Fantasy-Saga „Game of Thrones“ und ich muss gestehen, dass mich erst die Serie zu den Büchern gebracht hat. Und es ist wirklich nicht das Gleiche! Eine Staffel sind ungefähr zwei Bände, die dritte Staffel habe ich bereits gesehen. Nun müsste ich ja mit dem sechsten Buch eigentlich den gleichen Stand erreicht haben, aber irgendwie ist alles anders. Einiges ist wirklich komplett umgeschrieben worden für die Serie, andere Sachen passieren in einer anderen Reihenfolge. Vielleicht hätte ich ein bisschen mehr Abstand gebraucht.

Gestern auf jeden Fall – so bei Seite 500 herum – passierte etwas, was in der Serie (noch) nicht bearbeitet wurde. Ich werde hier nichts vorwegnehmen, keine Angst. Aber da war ein Familienmitglied einer bösen (da intriganten und machtgeilen) Familie in Gefahr. Und ich hatte tatsächlich Angst um diese eigentlich böse Figur. Komisch, dachte ich mir, bis mir aufging, dass der Autor stets das Gute im Bösen und andersherum das Böse im Guten darstellt. Das Gleichgewicht verschiebt sich bisher ganz gut, aber dann machte ich mir Gedanken um das große Ganze.

Ja, Weihnachten ist ganz ähnlich. Da gibt es die bösen Kalorien im guten Essen, die guten Absichten in den bösen Sprüchen, die bösen Nebenwirkungen (für die einsamen Menschen) beim guten Fest der Liebe, die guten Geschenke im bösen umweltschädigenden Geschenkpapier und vieles mehr. Die Welt ist halt nicht schwarz-weiß. Die Frage ist nur, ob das große Gleichgewicht besteht? Oder ob wir das auch nur konstruieren mit unseren Ansichten und Beobachtungen?

 

Mein Vermögen

4 Dez

Hab es angehäuft, ohne es zu wissen.

Immer darauf bedacht, flüssig zu bleiben,

konnte jedoch nichts mehr fließen.

 

Mein Vermögen, dich zum Lachen zu bringen,

dich zum Denken zu bewegen,

dich für ein paar Minuten aus dem Trott zu reißen.

 

Mein Vermögen besteht nicht aus Münzen oder Scheinen,

aber ich münze die Geschichten auf die Welt und lasse sie scheinen.

 

Mein Vermögen besteht nicht aus dem, was ich suchte,

sondern aus dem, was ich verfluchte,

bis ich es endlich akezptiert habe.

 

 

Eine große Liebe

11 Nov

Schon als ich dich das erste Mal sah, war mir klar: Ich brauche dich. Wir würden etwas ganz besonderes werden. Unsere Zeit miteinander würde wunderbar sein, wir würden ineinander eintauchen und Welten entdecken und Welten entfachen und eine Verschiebung unseres Seins erleben. Als ich dich das erste Mal berührte, spürte ich deine Narben. Du hast bereits viel durchgemacht, doch ich würde dich sanft in den Händen halten und vorsichtig mit dir umgehen und doch auch leidenschaftlich. Ich würde dich in mein Innerstes blicken lassen und mir Zeit nehmen, innehalten und dich dann erneut mit den Augen aufsaugen. Deine Worte nachklingen lassen, Gedanken formen und mit ihnen spielen. Immer wieder würden wir uns begegnen, mal kürzer, mal länger, doch jedes Mal wären wir eins. Und ich wäre nicht mehr die gleiche. Und ich wäre jedes Mal ein Stückchen mehr ich selbst.

Du fühltest dich sofort wohl in meiner Wohnung – im Bett, auf dem Sofa, auf dem Tisch. Du sahst von der ersten Sekunde an gut in meinem Leben aus, passtest wie angegossen. Doch über uns hing bedrohlich das Ende. Unsere gemeinsame Zeit würde nicht von Dauer sein. Jedes unserer Treffen verkürzte zwangsläufig unser Miteinander. Irgendwann müsste ich mich schließlich von dir lösen, dich gehen lassen. Ich zögerte es heraus, aber es wurde immer unerträglicher. Ich war schließlich total süchtig nach dir! Schlafen wurde zur Nebensache, lieber wollte ich noch ein bisschen Zeit mit dir verbringen. Du fühltest dich so richtig an. Auch nach unseren Begegnungen hing ich noch lange Zeit unseren Gesprächen nach. Und dann war es so weit. Doch es wäre keine Option gewesen, es nicht zu beenden. Dann wären wir beide nicht komplett gewesen. Wir mussten den letzten Akt vollziehen. Und so schlug ich die letzte Seite um und klappte dich zu.

Luxus…

10 Sep

…wenn du bei Ikea einen kleinen Mülleimer in der passenden Farbe zu deinem Badezimmer kaufst. Obwohl du einen perfekt funktionierenden zu Hause hast.

…Sonntags morgens die Zeitung lesen.

…eine Stunde am Telefon, während du eigentlich ganz dringend das Badezimmer putzen müsstest.

…wenn du in der Mittagspause Enten fütterst, statt dich um dein eigenes Essen zu kümmern.

…barfuss durchs Gras laufen. Und über Sand. Und überhaupt.

…morgens drei Euro für einen Café Latte ausgeben, statt zu Hause einen Filterkaffee trinken.

…eine Katze.

…wenn du eine Krawatte mit einem schönen Inlay trägst. Und nur du weißt es.

…ein Buch lesen. Nicht nebenbei in der Bahn, sondern ganz und gar. Mit einem Tee und einer Wolldecke oder in einer Hängematte.

…wenn du einen Eintopf kochst, von Anfang bis Ende.

…eine Fahrt mit der Fähre von Övelgönne zu den Landungsbrücken.

…Erdbeeren pflücken.

…sich Zeit für ein Kind nehmen. Spielen, zuhören, zeigen.

Fernweh

11 Aug

dsci72601.jpg

Ein Buch in die Hand nehmen und von fremden Welten lesen, oder nach Welten sehnen, in denen du schon warst. Die du verloren hast. Oder in die du zurück möchtest. Von Stränden träumen, wenn du zwischen Bäumen stehst und von Bergen, wenn du ins Meer springst. Eine Städtetour planen, während du gerade im Garten in der Sonne sitzt oder dich mitten in der City in einem Café fragen, wieso so viele Menschen um dich herum sind und wo sie alle her kommen, wenn du im Herzen noch an einem abgeschiedenen, friedlichen Ort verweilst.

Menschen kennen lernen, die so völlig andere Dinge tun, die komplett anders aussehen, die absolut andere Werte und einen anderen Fokus haben. Und denen du doch so ähnlich bist.

Sich nach Urlaub sehnen, wenn der Alltag durchgetaktet ist oder einfach nur mal eben kurz ganz weit weg sein wollen, bloß nicht hier, nicht jetzt.

Im Geist in einem Raumschiff sitzen und dem Mond entgegen fliegen, der Sonne und danach noch viel weiter. Alles dunkel um dich herum und Milliarden Sterne. Während du im Auto eine Straße entlang fährst und die Lichter der Stadt an dir vorbei ziehen.

Ein ständiger Wechsel zwischen Auflösung und Verweilen im Jetzt. Der Glaube, dass es Woanders eben anders ist. Besser. Spannender. Und dann merken, dass sich die Welt in dir selbst verändern muss.

Alter Schwede: Eine Buchrezension (Teil 2)

12 Mai

So, jetzt hab ich das Buch durch. Bin immer noch begeistert, obwohl es zwischendurch etwas zäh wurde – hundert Jahre sind auch einfach mal echt lang.

Hier noch ein paar gesammelte Weisheiten/Erfahrungen:

– Es handelt sich um eines der unpolitischsten politischen oder auch nicht politischen Bücher, die ich kenne. Seid verwirrt, ich war es auch.

– Nichts ist für die Ewigkeit, außer vielleicht die allgegenwärtige (ewige) Dummheit.

– Naivität ist nicht nur lustig, sondern kann paradoxerweise auch echt in die Tiefe gehen.

Wer liest, erfährt immer auch etwas über sich selbst.

Wer schreibt, erfährt die ganze Welt.