Tag Archives: Coffee Shop

Der dritte Entwurf…

1 Okt

…heute Abend. Und dabei waren die ersten beiden gar nicht mal so übel. In einer Woche, wenn ich sie noch einmal lesen sollte, werde ich mich vielleicht fragen, was los war. Warum nicht veröffentlichen?
Doch das Problem: Zu persönlich. Zu emotional. Zu… was eigentlich?
Entferne ich mich von meinem eigens gewählten (Blog)Titel? Ist mir auch früher aufgefallen, aber da machte es nichts. Zu unabstrakt, zu wenig künstlerisch, zu wenig wertvoll? Sehr willkürliche Kategorien, wenn ihr mich fragt.
Ach je, diese ewige Selbstreflektierung kann einem ja echt den letzten Nerv rauben. Aber zu irgendetwas wird es schon gut sein.
Vielleicht.

Herbst. Die Blätter verfärben sich, rollen sich ein, die Tinte bleicht aus oder wird vom Regen davongespült, mitsamt der Blätter, in letzter Not vollgekritzelt.

Es wird früh dunkel, die Straßen sind rutschig, genau wie jedes Jahr.

Und mittendrin im Sturmtrubel ein zarter Duft, ein warmes Getränk – ein Kakao. Und noch einer. Danke euch beiden.

Der Kakao geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Marshmallow-Stückchen, die sich langsam auflösen (so gar nicht meins, sobald sie geschmolzen sind).
Die pure Schokoladenverführung in Vancouver im Coffeeshop.
Eine wunderschöne Dose, ein Geschenk, unvergessen.
Meine erste heiße Schokolade. Bäh. Mit Haut.
Und dennoch – Kakao. Das Wort zerfließt auf der Zunge und in den Ohren.
So viele Bilder, manche schon tief verschüttet und nun aus dem Staub gezogen – dem schokoladigen Staub, natürlich.

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Im Coffeeshop

11 Jan

Lieber Kontrollfreak,

du gehst am Samstag durch die Stadt und willst dir einen Kaffee gönnen? Jetzt musst du dich auch noch in die lange Warteschlange stellen und kommst überhaupt nicht schneller voran? Verdammt, reg dich ruhig ein bisschen auf. Aber innerlich. Wir wollen ja nicht die Beherrschung verlieren. Wenigstens bist du Stammkundin. Etwas ganz Besonderes. Du kommst sogar samstags, die anderen Stammkunden meist nur in der Woche.

Hier geht es ja mal wieder ganz schön drunter und drüber. Es ist laut, die Kassierer und Mitarbeiter hinter der Espressomaschine lachen und scherzen miteinander, der Toaster piept und ein Mixer übertont alles. Dieses Chaos, schrecklich. Doch irgendwas zieht dich immer hierher. Vielleicht gerade der Trubel, dann kannst du deine Gedanken nicht mehr hören.

Nun bist du endlich dran. Der Typ vor dir hat ja ewig gebraucht. Hat sich einen Vollfett-Cappuccino bestellt, und ein Croissant! Ja, das passt zu ihm.

Eine junge Kassiererin steht vor dir, eine von diesen wilden Studentinnen mit lockerem Pferdeschwanz. In der Schlange hast du gerade noch mal dein Make-Up und deine Haare überprüft, was diesen Mitarbeiterinnen hier anscheinend herzlich egal ist. Na gut, ordentlich sehen sie aus, aber es ist trotzdem eine andere Welt. Und du würdest dir auch nicht freiwillig derart die Hände schmutzig machen.

Sie fragt dich nach deinem Wunsch. Verkneif dir ein Lächeln, denn dann könnten sie mit dir machen, was sie wollen. Na gut, ein wenig darfst du den Mund verziehen. Dann behaupten sie hinterher jedenfalls nicht, du wärst nicht freundlich gewesen. Du legst zuerst deine Stempelkarte vor dich.

Doch es passiert die Katastrophe. Die Kassiererin reagiert nicht, sie behandelt dich nicht zuvorkommender und das Schlimmste: Sie erkennt dich auch nicht! Würde sie das, wüsste sie nämlich sofort, was du immer trinkst. Nun gut. Dann lasse dich halt dazu herab, es ihr zu erklären.

Aber bitte selbstverständlich in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit. Mal sehen, ob sie sich doch erinnert, oder ob sie wenigstens so gut ist, wie sie tut. „Ich hätte gerne einen Venti-CaféLatte-nonfat-ohneSchaum-Haselnuss-halbSojamilch-extraheiß.“ Wollen wir doch mal sehen.

Sie starrt dich an. „Entschuldigung, könnten Sie das etwas langsamer wiederholen?“ fragt sie. Seufze. War ja klar. Alles muss man selber machen. Die wird wahrscheinlich auch nicht ewig hier bleiben, aber es wäre trotzdem schön, wenn sie es lernen würde.

Eine Kollegin hinter der Espressomaschine erkennt dich und winkt dir zu. Hat sie das Getränk schon begriffen? Du kennst ihren Namen nicht, aber sie ist immer hier. Dafür bekommt sie jetzt ein breites Lächeln. Tu so, als wäre sie deine Lieblingsbarista, einfach damit sich die Kassiererin ein bisschen schämt. Sie hüpft zur Kasse und diktiert ihrer Kollegin das Getränk. Diese ist ein wenig rot geworden, wahrscheinlich ist ihr das Ganze unangenehm. Gut gemacht. Nach einer Ewigkeit hat sie das Getränk in die Kasse eingetippt. „Drei Euro fünfundfünfzig, bitte“, sagt die Kassiererin und stempelt dein Kärtchen. Zahle mit einem Restaurantgutschein und strafe sie weiterhin mit einem strengen Blick. Stell dich an die Ausgabe und warte nun geduldig auf deinen überaus speziellen Kaffee. Du bist halt etwas Besonderes.

Als du Süßstoff untergebracht hast und mit dem Umrühren fertig bist, schreitest du zur Tür hinaus und atmest tief durch. Das war ja mal wieder was.

Vancouver9

 

 

B.C.

5 Apr

Man könnte denken, ich wolle hier über British Columbia schreiben. Will ich aber nicht. Ich schreibe über eine berühmte Hamburger Coffeeshop-Kette und möchte euch nicht bereits mit dem Namen „spoilen“ oder irgendwie Werbung machen. Falls das hier überhaupt möglich ist. Egal, kommen wir zum Thema.

Es war damals, ich war gerade mal siebzehn (so ungefähr jedenfalls). Ich war mit ein paar Freundinnen in der Innenstadt unterwegs, was zu der Zeit für uns echt noch ein Abenteuer darstellte. Auch und gerade mit dem Auto aus Bergedorf. Wir waren für einen Kinofilm im Cinemaxx Dammtor verabredet, das mittlerweile so ziemlich das einzige noch überlebende Kino in der näheren Umgebung dort ist. An den Film erinnere ich mich nicht mehr, aber an den Kaffee davor. Es war in diesem kleinen Shop in den Colonnaden…heißer White Chocolate Moca mit Sahnehaube im Pappbecher. Erst standen wir im Laden, denn zu der Zeit gab es noch keine Stühle dort, später schon, wieder später auch wieder nicht. Dann trugen wir ach-so-cool unsere To-Go-Becher um die Alster, jedes Schlückchen genießend. Es war Winter. Da habe ich mich verliebt.

Diese Liebe wurde später arg auf die Probe gestellt, es gab einfach zu viel Nähe. Man hat Dinge voneinander erfahren, die man nicht wissen wollte, doch der Kaffee war immer himmlisch und ist es auch heute noch (meistens). Wir hatten mehrere Anläufe, B.C. und ich. Ich flirtete hemmungslos mit B.C., in den Colonnaden und auch am Hauptbahnhof, bis ich irgendwann den ersten Schritt machte. Ich ging hin und fragte nach einem Job. Ich träumte davon, Milch zu schäumen und permanent den tollen Kaffeeduft in der Nase zu haben. Ich wurde eingestellt. Ich schwebte echt im siebten Himmel. Ich durfte Kaffee trinken, zubereiten (aber erst nach einiger Zeit) und hatte immer, aber auch immer (!) richtig tolle Kollegen um mich herum. Immer. Und es war eine lange Zeit, die ich dort verbracht habe, insgesamt bestimmt fünf Jahre. Nebenbei hab ich auch ein bisschen studiert, falls das mit uns nichts wird, aber B.C. hat es mir nicht übel genommen. Wir hatten eine klasse Zeit. Irgendwann brauchten wir aber Abstand voneinander, denn, wie gesagt, zu viel Nähe. Witzigerweise kam meine Tätigkeit bei B.C. auch später immer total gut an, wenn ich irgendwo neu war. „Oh, du bist eine echte Barista? Wie chic!“ Natürlich gleich immer verbunden mit dem Vorschlag, Kaffee zu machen. Aber die verträumten Augen sprachen Bände über Caramel Machiatos – entschuldigung, Machiati! oder Café Latte, also nicht das „Kaffeemachen“, wie man das so kennt. Ich konnte es nachempfinden. Aber von außen ist es immer auch ein bisschen schöner, wegen der Distanz und so.

Irgendwann war es wieder so weit, ich kehrte zurück. Aus Gründen, die ich nicht näher darlegen will. Und diesmal war alles anders. Es war ein riesiges Team (aber absolut spitze), stressig (speziell an den Crazy Samstagen) und naja…auch manchmal ein bisschen heftig. Lag nicht an B.C., sondern an der Alster. Die Alster zieht halt komische Gestalten an (die, die jetzt wissen, was ich meine, wissen jetzt schon…die anderen dürfen sich was ausdenken). Trotzdem war es ein herzliches „nachhause-kommen“, und das war alles, was ich damals wollte. Sicherheit, Geborgenheit, Routine. Und so arbeitete ich glücklich (oder besser gesagt nicht unglücklich) vor mich hin und träumte von Kanada. Bis ich eines Tages versetzt wurde und Verantwortung übernehmen sollte. Und – Überraschung – es war wirklich cool! Ich führte praktisch meinen eigenen Laden. Es war die Zeit vor der bösen Fusion. Da gab es noch eine eigene Verwaltung, und wer über die meckerte, war sich nicht im Klaren, wie eigenständig und familiär alles lief. Das ist heute sehr anders. Hat man mir gesagt. Ich habe meine Quellen.

Sowohl den ersten Laden, in dem ich damals mit siebzehn war und in dem ich dann vier Jahre gearbeitet habe, als auch den, den ich später praktisch alleine geführt habe, gibt es heute nicht mehr.

Hamburg ist für mich immer auch B.C. gewesen (Jetzt ist das mit British Columbia wirklich witzig). In Vancouver habe ich auch in einem Coffeeshop gearbeitet. Dort habe ich auch den Entschluss gefasst, dass es Zeit ist, ein für allemal damit aufzuhören. Und immer wenn ich das erzähle sagen mir Leute „…außer, es ist dein eigener.“ Vielleicht gibt es den ja irgendwann. Und dann werde ich bestimmt wieder Milch schäumen und superschöne Latte Art fabrizieren.