Tag Archives: Fernweh

Berlin, nur für mich

8 Dez

So kurz war ich wohl noch nie hier. So früh glaub ich auch nicht. Ich bin sehr erleichtert, als die Veranstaltung mit eben diesen Worten aus meinem Kopf eingeleitet wird, müde sind hier also auch noch andere.
Ich sehe nicht viel von der Stadt, was zum Teil am Regen (oder ist es Nebel?) liegt und zum anderen Teil am kurzen Weg vom und zum Hauptbahnhof. Aber es macht nichts, ich mag den Hauptbahnhof. Aussicht gibt es trotzdem.

Ich kann es nicht beschreiben, aber das muss ich heute auch gar nicht. Ich bin einfach nur mal hier. Viel zu sehr habe ich mich ständig beobachtet und analysiert bei meinen früheren Besuchen. Dieses Mal kann ich es einfach als das nehmen, was es ist: ein Besuch. Und wenn es eines Tages mehr ist…ok. Aber für heute fahre ich zurück und freue mich, dass dadurch sogar noch jemand anderes nach Berlin fahren kann.

Melancholie

17 Apr

Erst denkst du, Selbstmitleid ist richtig klasse,
endlich geht es mal um mich.
Oder dir geht es vielleicht wirklich schlecht.

Doch Selbstmitleid ist eine zähe Masse,
überzieht die Welt, ist gar nicht echt.
Die Bilder verschwimmen,
und irgendwann ertrinkst du darin.

Doch den Film kannst du abziehen
vom Leben, das nicht mehr das deine ist.
Du brauchst dich nur kurz erheben
und sehen, was du wirklich vermisst.

 

Melancholie

Perspektivwechsel

16 Nov

Heute habe ich einen Kanadier bei Starbucks getroffen. Er stand vor mir in der Schlange und kaufte zwei Espressotassen mit der Aufschrift „Germany“. Dann lernte er das Wort „Tüte“. Es war so süß, wie er es wiederholte – ich sprach ihn also an und fragte, woher er komme. Als er Kanada antwortete, war ich natürlich sofort begeistert. Erzählte ihm, wo ich gelebt habe und erfuhr, dass er aus Quebec kommt und in der Nähe von Toronto arbeitet. Und einmal im Monat (!) für eine Woche hier in Hamburg. Wir waren uns einig, dass das ganz schön heftig ist, nicht zuletzt wegen des Jetlegs. Aber er könne hier nun noch seine Weihnachtseinkäufe erledigen und müsse bis zum nächsten Jahr auch nicht mehr herkommen.

Und dann sagte er, Hamburg sei wunderschön. Ich grinste schief. Wenn er wüsste. Ich wollte damals nur von hier weg und bin förmlich nach Kanada geflohen. Zunächst dachte ich, er mache eines von diesen höflichen Komplimenten. Aber dann sagte er ganz ernst und feierlich, „You are so lucky to be able to live here.“ Seine Worte gehen mir nicht aus dem Kopf. Irgendwie bin ich seit heute ein Stückchen mehr hier zuhause. Ja, wir haben wirklich Glück. Und langsam kann ich es sogar genießen.

Fernweh

11 Aug

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Ein Buch in die Hand nehmen und von fremden Welten lesen, oder nach Welten sehnen, in denen du schon warst. Die du verloren hast. Oder in die du zurück möchtest. Von Stränden träumen, wenn du zwischen Bäumen stehst und von Bergen, wenn du ins Meer springst. Eine Städtetour planen, während du gerade im Garten in der Sonne sitzt oder dich mitten in der City in einem Café fragen, wieso so viele Menschen um dich herum sind und wo sie alle her kommen, wenn du im Herzen noch an einem abgeschiedenen, friedlichen Ort verweilst.

Menschen kennen lernen, die so völlig andere Dinge tun, die komplett anders aussehen, die absolut andere Werte und einen anderen Fokus haben. Und denen du doch so ähnlich bist.

Sich nach Urlaub sehnen, wenn der Alltag durchgetaktet ist oder einfach nur mal eben kurz ganz weit weg sein wollen, bloß nicht hier, nicht jetzt.

Im Geist in einem Raumschiff sitzen und dem Mond entgegen fliegen, der Sonne und danach noch viel weiter. Alles dunkel um dich herum und Milliarden Sterne. Während du im Auto eine Straße entlang fährst und die Lichter der Stadt an dir vorbei ziehen.

Ein ständiger Wechsel zwischen Auflösung und Verweilen im Jetzt. Der Glaube, dass es Woanders eben anders ist. Besser. Spannender. Und dann merken, dass sich die Welt in dir selbst verändern muss.