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Mini-Wunder-Land

10 Jul

Hast du das schon gesehen? – Guck mal da drüben! – Oh, wie süß. – Komm schnell mit, ich muss dir etwas zeigen, bevor es wieder dunkel wird.

Ja, so geht es vor sich im Miniaturwunderland. Es ist jedes Mal wieder schön, es gibt immer etwas zu entdecken. Ob im großen oder im kleinen Stil. Wer möchte nicht gern einmal die (fertige) Elbphilharmonie ganz exklusiv „betreten“? Und nicht nur Kinder freuen sich über ein Stückchen Schokolade frisch aus der Fabrik. Auch ein Blick hinter die Kulissen ist möglich, mitten in all dem Trubel sitzen Fluglotsen und die Schienenleitung. Hautnah dabei sein.

Las Vegas, die Schweiz (Mann, ist die riesig, jedes Mal wieder), der Flughafen (mein Liebling) oder einfach nur Hamburg. Aus einer Gott-ähnlichen Vogelperspektive betrachten wir hier unseren Alltag und den menschlichen Schöpfergeist, immer wieder, unermüdlich.

Gleise und Gebäude sind ebenso wie Flugzeuge (ja, sie starten und landen wirklich) bis ins Detail liebevoll nachgebaut. Aber auch die zwischenmenschlichen Szenen zeugen von Humor und Dramatik, von Voyeurismus und einem historischem Interesse an uns selbst.

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Eppendorf

8 Jul

Nur ein Wort trifft dieses Gefühl, das mich hier immer noch beschleicht, mitnimmt, erfasst: Zuhause. Dies waren sechs, vielleicht sogar sieben Jahre meines Lebens.

Es fühlt sich immer noch so seltsam normal an, hier die Straßen entlang zu gehen. Den Eppendorfer Markt, vorbei an dem kleinen, unauffälligen Schild mit dem Gedicht Wolfgang Borcherts („Sag nein“), weiter am guten alten Penny-Markt in der Erikastraße, das „Borchers“ links liegen lassend dann, schließlich, hinauf zum Lokstedter Weg. Hier habe ich gewohnt, gelebt, geliebt, gehasst… das ganze Programm eben. Das erste Jahr in meiner Mädchen-WG, die nächsten fünf (oder sechs) zusammen mit meinem Freund nur ein paar Häuser weiter.

Als wir die Wohnung direkt über dem Griechen bezogen („Wollen wir zum Griechen gehen?“ – „Ja, aber zu welchem denn?“ – „Na, „Zum Griechen“.“ – „Ja, aber es gibt doch so viele Griechen.“ – „Zum Griechen!“ – „Aber zu welchem denn???“), ahnten wir noch nicht, was alles kommen würde.

Eines schönen Tages saß ich zum Beispiel am PC, als auf einmal alle Rauchmelder im Haus und auch sämtliche im Nachbarhaus losgingen. Sie waren erst wenige Wochen zuvor installiert worden. Die Wände in den Häusern waren sehr hellhörig, so dass schnell ein intensives, schrilles Piep-Konzert ertönte. Ich rannte auf den Balkon und brachte erst mal die Wäsche in die Wohnung, denn nebenan quollen dicke, schwarze Rauchschwaden aus den unteren Fenstern hervor. Dann rief ich bei der Feuerwehr an (ja, meine Prioritäten im Schockzustand sind sehr aufschlussreich), woraufhin mir mitgeteilt wurde, dass bereits Löschfahrzeuge auf dem Weg seien. Ich zitterte. Ganz allein in der Wohnung (und gefühlt im Haus) wusste ich nicht, was ich tun sollte. Also loggte ich mich erstmal bei Facebook ein. „Hilfe, der Puff brennt!“ – 28 Likes binnen weniger Minuten. Ich fühlte mich noch hilfloser und einsamer, also lief ich raus. Im Treppenhaus kam mir eine Nachbarin entgegen und fragte mich, wie sie die Rauchmelder ausstellen könne. Ich hatte keine Ahnung, schlug ihr aber vor, unten bei den Feuerwehrleuten nachzufragen. Sie schaute mich schief an, deshalb ergänzte ich, „wenn die fertig sind.“ Unten vor der Haustür sammelten sich noch mehr Schaulustige und so ging ich irgendwann etwas beruhigter zurück in die Wohnung. Immerhin lag auch noch ein komplettes Haus zwischen unserer Wohnung und dem Massagesalon und das Feuer beschränkte sich glücklicherweise auf die leeren (sinnlichen) Räumlichkeiten. Da hatte wohl jemand in der Mittagspause die Kerzen angelassen. Zum Glück ist niemand verletzt worden, war ja keiner mehr da. War auf jeden Fall ein guter Vorwand, mal alles zu renovieren. Glaub ich. Hoffe ich.

Im Treppenhaus machte ich außerdem eines Nachts Bekanntschaft mit meinem absoluten Hass-Nachbarn – er feierte beinahe jeden Tag unter der Woche sehr laut; ich hatte teilweise Frühschichten, die um 6 Uhr losgingen. Keine gute Kombination. Er startete zu allem Überfluss ein Dauersturmklingeln (bei wie gesagt sehr dünnen Wänden) in der eigenen Wohnung, obwohl seine Frau offensichtlich nicht zuhause war und fragte mich dann überrascht: „Oh, hab ich dich geweckt?“ Ich erklärte ihm ganz sachlich und ruhig, dass er nicht klingeln müsse, da ihm scheinbar sowieso keiner aufmachen könne. „Ok, dann warte ich vor der Tür, bis sie nachhause kommt.“ „Alles klar.“ Gott sei Dank, man muss nur mal mit den Leuten reden. Einige Minuten später klingelte er weiter. Sturm. Ich muss gestehen, einmal hab ich nachts die Polizei gerufen.

Halis Imbiss gegenüber: Nicht so sehr waren wir dort, um zu essen, sondern eher, um Pakete abzuholen – vielen Dank, Halis! Beim Croque-Laden unten an der Straße habe ich mir einmal eine fiese Lebensmittelvergiftung zugezogen, der kleine Italiener hingegen ist genial, aber permanent überfüllt.

Alles in allem hat sich nicht viel geändert. Es ist jedes Mal wieder schön herzukommen, hallo zu sagen und sich an die alten Zeiten zu erinnern. Und dann wird es wieder Zeit, nachhause zu fahren.

Nochmal kurz Wintereinbruch oder „Der Zapfenstreich“

18 Mrz

Ist ja klar dass Hamburg im März nochmal so richtig schön mit Schnee kommt. Hatten wir im Winter ja auch nicht so wirklich. Letzte Woche kam plötzlich die Wettervorhersage, aber man hatte ihr nicht so recht glauben wollen. Dabei wissen wir es eigentlich als waschechte Hanseaten: Der Frühling kommt nicht unbedingt pünktlich, nur weil er schonmal kurz vorbei geschaut hat, oh nein.

Zugvögel kehren angeblich schon wieder um, weil sie unter der dichten Schneedecke kein Futter finden. Und dann? Ob sie nochmal einen zweiten Versuch starten? Man weiß es nicht.

Die Alsterfontäne sprudelt trotzdem konsequent seit dem 15. März wieder, auch wenn alles voller Eis und Schnee ist. Da wird nämlich aufs Datum geachtet, jawohl!

Vor einigen Tagen ging ich mit meiner Freundin Bernadeth, die aus Wien kommt, in den Colonnaden spazieren. Sie lebt nun schon einige Jahre in Hamburg und würde nach eigenen Angaben niemals wieder zurück gehen. Allein der Stadtpark und die Alster – hachja, das Wasser –  bringen sie schon dazu zu fragen, „wo ist es denn schöner auf der Welt?“ In Wien anscheinend nicht. Ich war erst einmal da, im Winter. Mag ich ja generell eh nicht so. Aber im direkten Vergleich erscheint mir Hamburg auch irgendwie größer, weitläufiger, offener. Mitten im Gespräch wurden wir von einem Polizisten gestoppt, der uns vor herunterfallenden Eiszapfen retten wollte. Irgendwie wirkte er glücklich, auch mal was anderes machen zu dürfen, als Falschparker aufzuschreiben. Ziemlich umständlich entfernte daraufhin ein Feuerwehrmann einige (bestimmt einen Meter lange) Eiszapfen, die an einem Vorsprung im dritten Stock hingen. Umständlich, weil er sein „Auto“ nochmal umparken musste, bevor der Kran ihn an die richtige Stelle fahren konnte. Wir zückten unsere Handys und waren begeistert. Lawinengefahr und Stalaktiten in der City, das gab es bisher selten. Für meine Wiener Freundin musste sich das ein bisschen wie zuhause anfühlen.

Zapfenstreich