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Flucht

20 Mrz

Vom Papier, denn Gedichte sollten sich besser handgeschrieben ausmalen

Flucht weg von hier, denn solange schon ist es der Weg

Flüchtiger Fluch, von einst bis hier und heute noch nicht überwunden

Flucht doch der Vater noch bis in die Nacht

Rennen wenn die Sonne aufgeht, nur sind die Krähen schneller

Das Tempo egal im Angesicht der ewigen Steine, längst wartend auf uns

Flucht ohne Sinn, denn es gibt kein Wohin

Nur wovon und auch das hat sich nun wohl geklärt

Flüchtlinge immer noch und immer wieder wie eh und je

Niemals hätten wir gedacht dass hier das Ende der Reise wär.

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Das Haus

20 Nov

Als sie klein war, träumte sie das erste Mal vom Haus. Ein fieser Pirat stand vor ihrem Hochbett im Kinderzimmer (ihr Bruder schlief unten, sie oben) und grinste dreckig. Er hatte ihre Eltern ermordet und wollte nun die beiden Kinder entführen. Ein Horror, den sie nie wieder vergessen würde. Und dabei ging es gerade erst los.

Immer wieder musste sie versuchen, aus dem Haus zu entkommen. Mal bedrohten sie maskierte und schwer bewaffnete Männer, dann wieder große Raubkatzen. Die Flucht ging eigentlich immer durch den Keller vonstatten und gestaltete sich jedes Mal schwierig. Sie war zu groß für die engen Räume und Fenster, durch die sie sich zu quetschen versuchte. Oder alles stand voller Kartons und Gerümpel. Manchmal war sie auch zu klein für offene Treppensysteme, die frei im Haus umherschwebten und die sie nicht zu erklimmen vermochte. Sie kam sich vor wie Alice im Alptraumland.

Raus kam sie eigentlich nie. Später erweiterte sich der Fluchtradius, sie musste nun aus dem Garten entkommen, über die Mauer, den Zaun, die Hecke. Draußen warteten aber wiederum Männer, die sie erschießen wollten, also war es gar nicht so einfach.

Waren es Soldaten? Oder Agenten? Auf jeden Fall lauerte permanent Gefahr. Selbst, als sie schon längst nicht mehr selbst in dem Haus wohnte, verfolgte es sie nachts. Auf diese dunkle Weise.

Dann beschloss sie, ins Ausland zu gehen. Ein großer Schritt, aber ein notwendiger. Und nun verabschiedete sie sich zum ersten Mal vom Haus, im Traum. Und ihr Hund, der eigentlich schon seit einigen Jahren tot war, verabschiedete sie auch. Sie durfte nun das Wasser hinter dem Haus überqueren. Ein kleiner Bach für die Menschheit, aber ein großer Sprung für sie. Und sie sprach eine fremde Sprache fließend – die des Hundes. Das gab ihr Zuversicht für die Reise. Über den großen Teich. Als sie tausende Kilometer vom Haus entfernt war, träumte sie von anderen Dingen. Es schien, als hätte es seinen Schrecken verloren.

Als sie allerdings zurückkam, träumte sie wieder vom Haus. Dieses Mal jedoch kam sie nicht herein! Nachdem sie all die Jahre versucht hatte, zu entkommen, nun das. Es war nicht weniger frustrierend, aber wenigstens nicht mehr bedrohlich. Eine Weile hielt sich das Haus zurück, dann gab es eine Überschwemmung im Garten. Sie sollte „einen Umweg nehmen“. Nun gut.

Irgendwann stand das Haus in einem fremden Land. Alles war sepiafarben und wirkte irgendwie verlassen, das Haus war teilweise kaputt, die Fenster eingeschlagen. Im Haus selbst stand ein Mann, der gerade seine Frau verloren hatte. Doch sie konnte ihm nicht helfen, denn sie wurde verfolgt. Mal wieder. Und zwar – wie könnte es auch anders sein – von einer Person mit Pistole. Diesmal war es jedoch eine Frau. Als sie schließlich stehen blieb, um sich ihrem Schicksal zu stellen, schoss die andere jedoch nicht auf sie. Sie reichte ihr stattdessen die Waffe.

Immer wieder war nun das Haus ausgelagert, stand irgendwo anders oder befand sich in einer Parallelwelt. Mal war es auch besetzt – von fremden Leuten, die sie nicht herein ließen.

Und dann geschah eines Nachts etwas Wunderbares. Der Garten und die gesamte Umgebung des Hauses sollten neu bepflanzt und bebaut werden. Und sie hatte die volle Entscheidungsgewalt darüber, was dort entstehen sollte. Nun war es innen einfach nur noch ein friedlicher Ort mit tausend Möglichkeiten drumherum.

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