Tag Archives: Hafen

Hamburg – ganz persönlich

30 Jul
Sunset

Beautiful Hamburg

Du siehst vielleicht den Michel, den Dom, die Reeperbahn, den Stadtpark, den HSV oder St. Pauli, die Freezers, das Musical „König der Löwen“ oder „Rocky“, tausend Schiffe und noch mehr Container, Flugzeuge über der Alster, die untergehende Sonne und badende Menschen in der Elbe…

Vielleicht siehst du auch dein Lieblingscafé in der Schanze, den Fernsehturm auf dem Weg zur Arbeit, den Hafen in der Mittagspause, vergleichst Hamburg mit der Stadt deiner Kindheit oder bekommst von all dem Trubel nichts mit, weil du nur kurz auf der Durchreise bist…

Ich sehe verrückte Vororte mit noch verrückteren Menschen, verliebte Pärchen, genervte Muddis mit ihren quengelnden Kindern, eine lustige Kellnerin, einen telefonierenden Anzugträger, eine motivierte Alster-Joggerin, einen müden, alten Hund, einen Latte Macchiato in der aufgehenden Sonne, junge Menschen mit Hoffnung in den Augen, eine glückliche Veganerin, einen aufgedrehten Schauspieler, ein Mädchen mit Fernweh, einen Jungen mit Skateboard, eine verträumte Schwangere, ein geliebtes, verrostetes Fahrrad, einen melancholischen Taxifahrer, eine Frau mit einem riesigen Hut, eine fürsorgliche Krankenschwester, einen braungebrannten Kapitän, einen kleinen Schmetterling, eine wachsame Oma, einen immerzu freundlichen Hinz&Kunzt-Verkäufer, einen misstrauischen, alten Mann, eine Frau mit Akkordeon, entenfütternde Rentner, zwei glückliche Menschen in einem Segelboot und mittendrin eine Menge Bilder aus der Vergangenheit…

Dein Hamburg ist nicht mein Hamburg und mein Hamburg ist nicht deines. Aber wir verschmelzen alle in dieser kleinen, großen Stadt.

Hafen-Geburtstag

22 Apr

Ein wunderschönes Ereignis, das man jedes Jahr wieder in Hamburg feiern darf. Der Hafen ist ja sozusagen die Seele der Hansestadt, also danken wir ihm jedes Jahr wieder für die vielen Tonnen Fracht, die er umschlägt und heißen diejenigen willkommen, die ankommen aus der großen weiten Welt und beten für die Menschen, die hier aufbrechen in die große weite Welt. Wohlbehalten sollen sie übers weite Meer getragen werden und sich ordentlich den Wind um die Nase wehen lassen. Und da wir mittlerweile ja schon ordentlich industrialisiert sind, machen wir uns mehr Gedanken um die Elbvertiefung, die Konkurrenzfähigkeit des Hafens und um die Queen Mary 2, als um irgendwelche Seeleute, die alles zurücklassen, nicht wissen, wohin es sie verschlägt und wann sie jemals zurückkehren werden. Aber dieser Abenteuergeist treibt die Hamburger eben immer noch irgendwie um und lässt sie der „Geburt“ des Hafens gedenken. Wenn auch weniger in stiller Andacht als mit fetten Paraden und möglichst bunt, laut und manchmal auch einfach nur in blau.

Wie soll man sich die Geburt des Hafens vorstellen? Bereits im neunten (!) Jahrhundert gab es eine erste Anlegestelle, so dass wir streng genommen bereits den 1200sten Geburtstag feiern dürften. Offizielle Geburtsstunde des Hafens war jedoch der 7. Mai 1189. An diesem Tag schrieb Kaiser Friedrich Barbarossa den berühmten Freibrief für Hamburg, so dass der Stadt zollfreie Fahrten auf der Unterelbe bis hinauf zur Nordsee zugesichert wurden und Hamburg ein eigenes Marktrecht erhielt. Die Hafenanlagen am Nicolaifleet existierten zu dieser Zeit bereits. Es geht beim „Geburtstag“ also eigentlich um die Eigentumsrechte und die Möglichkeit, (endlich) Geld mit dem Hafen zu verdienen. Wir feiern weniger die Entstehung oder den Aufbau des Hafens als solchen, sondern seine Funktion und die damit einhergehende (wirtschaftliche) Unabhängigkeit. Der Hafen ist natürlich kein Selbstzweck und war auch nie als eine Art Reiseterminal gedacht. Trotzdem hat der Hafen auch so etwas wie einen eigenen Charakter, was nicht zuletzt duch die Wortwahl „Hafengeburtstag“ angezeigt wird.

Wie kann man sich die Geburt des Hafens noch vorstellen? Vielleicht ging irgendwann im Jahre 835 ein junger Mann an der Elbe spazieren. Überall um ihn herum stand Wald und im Hintergrund sah man die „Hammaburg“. Er träumte so vor sich hin und plötzlich fand er ein Stück Treibholz. Sein Hund hatte ihn bellend darauf aufmerksam gemacht und lief begeistert auf und ab. Er hob das Stück Holz auf und dachte sich, „ich will ein Schiff bauen.“ Dann träumte er davon, die komplette Elbe hinauf zu fahren und weit aufs offene Meer hinaus. Er würde gegen die wilden Wikinger kämpfen und seltene Gewürze bei einem friedlichen Volk erstehen, mit dem Wikingerschatz selbstverständlich. Dann würde er zurückkehren und ein angesehener Händler werden. So begann er, sein Schiff zu bauen und errichtete die erste Anlegestelle am Fluss. Seine Freunde waren etwas irritiert, ließen sich aber sogleich von der Idee anstecken und bauten mit. Schon bald gab es einige Boote und die ersten Hammaburger brachen auf in die weite Welt, um Krieger und Händler zu werden. Sie kamen leider nie zurück, daher weiß man nicht so recht, was sie alles erlebt haben, aber die Familien erzählten sich die aufregendsten Geschichten über die ersten Seefahrer-Leute. Später kamen die Wikinger und nahmen zuerst die Anlegestelle ein, dann die Hammaburg. Der Hafen erinnert sich heute noch an seine ersten Stunden als kleiner Steg, der die Elbe hochschaut. Und auf das kleine Boot mit dem Mann und seinem Hund wartet.