Tag Archives: Ideen

Das Recht auf Entschuldigung

20 Jun

Nein, niemand hat ein Recht darauf, eine Entschuldigung zu bekommen. Verdient hat man sie sich vielleicht, das ist eine andere Sache. Aber gibt es auch ein Recht darauf, sich entschuldigen zu dürfen?

Wo es doch vor allem darum geht, sich selbst von einer Schuld zu befreien. Etwas an und von sich selbst anzunehmen, was man wahrscheinlich mal (bis vor kurzem noch) vehement von sich gewiesen hat.

Entschuldigungen können natürlich angenommen werden. Und abgelehnt. Aber der pure Akt der Entschuldigung, des Eingeständnisses an sich, macht schon 99 % der Entschuldigung aus. Alles andere liegt nicht mehr in der eigenen Macht. Die Reaktion gehört nicht mehr zur Entschuldigung dazu.

Es gibt ein Recht auf Vergessenwerden. Ein Recht auf Bildung, zumindest für einige auf der Welt. Es gibt viele Rechte, die als solche durchsetzbar sind. Natürlich bleibt das Recht auf Entschuldigung absolut in der privaten Sphäre – wobei wohl auch im öffentlichen Bereich genug davon zu finden sind – und ist damit kein echtes.

Wenn aber nun die Entschuldigung an sich nicht der Antwort bedarf, so reicht es wohl auch, sie einfach nur zu geben. Zur Not dem Papier. Das Recht kommt erst dann ins Spiel, wenn es darum geht, ob der Adressat sie zumindest anhören muss.

Und damit führt sich mein Konstrukt selbst ad absurdum. Denn es geht vor allem darum, sich zu entschuldigen. Ein völlig reflexiver Ausdruck. Eine absolut eigenständige Handlung.

Und ebenso wird jeden Tag überall auf der Welt verziehen, auch ohne eine Entschuldigung.

Schon verrückt.

 

Generationen von Gedanken

4 Jun

Wenn man die Welt der Gedanken einmal evolutionstheoretisch betrachtet – überleben dann nur die stärksten?

Und welche sind das? Wahrscheinlich nicht automatisch die besten. Die leisen, die anderen, wollen wohl auch mal gehört werden. Aber die Wiederholung der ewig gedachten (inzwischen geglaubten) Gedanken lässt dies oft nicht zu.

Meditation wirkt dieser Entwicklung wohl entgegen, gibt allen Impulsen Raum. Auch denen, dir wir schnell zur Seite schieben und durch lautere, größere Ideen irgendwann nicht mehr hören.

Auch die Träume geben denjenigen Gedanken und Emotionen eine Chance zur Entfaltung, die sich tagsüber nicht durchzusetzen vermögen. Das Gehirn prüft nachts ohne Schranken und Schubladen.

Die nächste Gedanken-Generation scheint meist klarer als die vorherige. Einige Gedankenkinder richten sich strikt nach den Eltern, andere grenzen sich ab. Wieder andere werden gar fanatisch. Und einige sterben, bevor sie je gelebt haben.

Die Gedanken sind frei? Vielleicht im Moment ihrer Geburt. Aber danach gliedern sie sich ein in die Familie der sie umgebenden Gedanken. Wir sollten sie pflegen, damit sie sich frei entfalten dürfen.

Mehr.

 

Offener Krimi – ein Aufruf

29 Mai

Ich bin heute auf der Suche nach einer guten Idee.

Der Mann und die Frau hielten sich an der Hand und schlenderten über – oder besser gesagt durch – den feinen Sand. Diesen jährlichen Ausflug genossen sie beide wohl mehr als jeder andere aus der Gruppe. Nur hier konnten sie sich zeigen, was sie wirklich füreinander empfanden. Während also die Partner seelenruhig vor sich hin schnarchten, trafen sich die Frau und der Mann im Mondschein an ihrer Bank und gingen von da aus zügig hinunter zum Strand. Eine Stunde, manchmal auch zwei, nahmen sie sich vom Rest der Welt. Doch in diesem Jahr war der Mann mürrisch. Er beschwerte sich darüber, wie schwer es sich im weichen Untergrund vorankommen ließ. Die Frau fragte sich, ob alles in Ordnung sei. Ob er wohl ihre heimlichen Ausflüge bereute? Als sie gerade beschlossen hatte, mit ihm zu reden, sprang eine Gestalt hinter dem alten Bunker hervor, der im Sandstrand verharrte. Hier hatten sie schon oft gestanden und miteinander philosophiert. Ob der Bunker wohl vermodern würde, ob er langsam im Sand versank – all die Rätsel ihrer kleinen, gestohlenen, Welt hatten sie hier aufgeworfen und betrachtet.

Die vermummte Gestalt blieb stehen und richtete eine Waffe auf die beiden. Der Mann und die Frau ließen sich los und machten Anstalten, ihre Habseligkeiten zu durchsuchen, als der maskierte Räuber einen Schuss abfeuerte. Leider traf er das Opfer in den Bauch, so dass es noch eine ganze Weile dauerte, bis es schließlich starb. Begleitet von vielen Tränen und Fassungslosigkeit. Der Vermummte war inzwischen über alle Dünen.

Frage an euch: Wer ist das Opfer und warum musste es sterben?

 

 

Von der Idee, zu schreiben

18 Mai

Auf all den unendlich weiten Wortfeldern, die sich im Wind der Gedanken leicht hin und her wiegen, finde ich oft nicht meine.

In den Wäldern der gewachsenen Ideen, manchmal hart ineinander verkeilt, durchdringt oft kein Licht die Ansammlung von vermeintlich wertvollem, alten Gehölz. Ein Kahlschlag ist nötig an bestimmten Stellen, um Raum und Licht und Luft freizugeben für Neues.

Spaziergänge an plätschernden, murmelnden Bächen sind nötig, wenn ich mich mal wieder verfranst habe. Vielleicht erreicht ja gerade etwas wirklich Faszinierendes meine Hände und Füße im kalten Nass, das einmal aus einer unerschöpflichen Quelle hervorsprudelte. Durch Gestein neu sortiert, aber Bestandteil des ewigen Kreislaufs.

Doch am Ende hilft immer nur eins: Es einfach tun.

 

Gedanke des Tages

1 Feb

Warum

Unglaubliche

Nicht erklärbare

Dinge

Eigentlich

Relativieren

 

Gedanke des Tages

9 Jan

Du kannst nicht falsch reisen.

Du kannst bloß reisen.

 

Die Essenz der Welt (und die emanzipierte Religion)

7 Dez

Es sind die ganz simplen Wahrheiten, die unser Herz berühren. Die Wahrheiten, die wir scheinbar einfach nur vergessen haben, die aber in uns darauf warten, entdeckt zu werden. Oder die wir schon kennen und aus vollem Herzen bejahen können.

Solche wie:

Leben gibt es nur im Jetzt.

Jeder Tag ist ein (gleich) guter Tag zum Sterben.

Liebe geht über jede Beziehung hinaus, sogar über das Leben selbst.

Ich entdecke diese Wahrheiten meistens bei meinem Lieblingsschriftsteller, Paulo Coelho. Aber ich freue mich auch immer, wenn sie bei anderen Menschen durchscheinen, sei es in direkten Worten oder in geschriebenen. Es sind diese Momente, wenn ein Herz vollkommen befreit ist, wenn eine Seele spricht. Wenn ich eine Religion habe, dann diese. Die Religion der simplen Wahrheiten. Die jeder Mensch teilt, egal, was ihn oder sie sonst ausmacht. Was jeder, über alle Grenzen hinweg, in sich selbst wieder entdeckt. Das Religiöse daran ist, dass es scheinbar eine Stimme ist, die aus uns allen heraus spricht, uns verbindet. In welcher Sprache auch immer.

Manche sind natürlich nicht offen dafür, einige werden es nie sein. Auch das habe ich lernen müssen. Aber so lange ich sie in dieser Welt finde, bin ich glücklich. Die simplen, universellen Wahrheiten über das Leben, die Liebe und den Tod. Die mich in ihrer Einfachheit jedes Mal wieder erschauern lassen (Weil es sie eben gibt, ganz einfach und knackig und sie niemandem weh tun, sondern im Gegenteil befreiend wirken).

Das Problem mit den großen (und „kleinen“) Religionen dieser Welt ist jedoch, dass sie sich als Institution irgendwann von ihrem Inhalt lösen und sich verselbständigen. Der Zweck ist dann nur noch das Ritual (welches ich an sich nicht verteufeln möchte). Hätte jeder Mensch eine eigene, wahre Verbindung zur Welt und seinem Leben, gäbe es keine Probleme. Dann gäbe es niemanden, der sich zwischen den einzelnen Menschen und seinen Glauben stellen könnte (= keine bloße „Glaubensverwaltung“ mehr).

Aber sobald man das Denken (und Fühlen!) anderen überlässt, kommt es zu einer Ablösung. Glaube sollte jeden Tag neu entstehen, jeden Tag unmittelbar sein. Glaube an das Leben.

Ob es dabei eine(n)Schöpfer(in) gibt – oder auch mehrere – will ich dabei mal völlig außen vor lassen.