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Fieber

14 Mai

Im Wahn geschehen merkwürdige Dinge. Letzte Woche hatte ich Fieber, am nächsten Tag waren sämtliche Kontakte in meinem Telefon gelöscht. Also in meinem Smart-Phone. So smart, dass es die Kontakte selbst löscht, ist es hoffentlich nicht.Vor allem: was hätte es davon? Ich nutze zwar keine Kontakt-Wolke oder wie die Dinger heißen, konnte aber dennoch schnell alle (gängigen) Daten wieder herstellen und eine neue Kartei anlegen. Witzigerweise ordnet mein iPhone nun „neuen“ Kontakten irgendwelche alte Profil-Bilder zu, was ist in der Regel sehr, sehr komisch ist.

Vielleicht hatte es einen Virus? Habe ich mein Telefon womöglich angesteckt? Ich habe es in meiner Hosentasche eigentlich nicht zusammen mit benutzten Taschentüchern aufbewahrt…

Hoffentlich sind das alle Symptome. Ich war gelinde gesagt ziemlich geschockt. Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt? Aber niemand war an meinem Handy gewesen…außer…warte mal…ich selbst am Abend zuvor. Glaube ich. Im Halbdämmerschlaf ging ich ans Handy, um den Wecker zu stellen oder so und dann waren da auf einmal diese roten Minuszeichen links. Das erinnere ich noch gut, denn ich geriet leicht in Panik (jedenfalls so sehr ich in dem Zustand konnte) und dann war irgendwie alles verschwommen. Hm.

Dank What’s Up/App/wie auch immer und einiger sms-Konversationen konnte ich wie gesagt alle gängigen Nummern und Namen schnell wieder zueinander führen. Einige fehlen noch, aber das wird erst nach und nach klar.

Ich mag Fieber nicht. Nicht nur, weil man permanent in Schweiß ausbricht, sondern gerade auch, weil ich in diesem dösigen Halbschlafzustand unter Stress und Panik leide und nahezu halluziniere. Ich kann dann einfach nicht richtig schlafen und bin offensichtlich nun auch noch eine Gefahr für smarte Gegenstände um mich herum.

Nächstes Mal wenn ich krank bin, werde ich mein Handy außer Reichweite legen oder in einen Safe sperren.

Die bunte, elitäre Welt der Marken

19 Apr

In mir kämpfen zwei Persönlichkeiten. Die eine ist ziemlich alt, so ungefähr 45, voller ideologischer Überzeugungen, läuft in Ökoklamotten herum, raucht Gras und liest den ganzen Tag Bücher, die ZEIT und so weiter und sagt pausenlos schlaue Sachen. Die andere ist noch relativ jung, so ungefähr 30 also und führt sich auf wie eine Möchtegern-Karrierefrau, färbt sich die Haare und meint, gewisse Gegenstände würden sie erwachsener machen. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen.

Seit einiger Zeit beobachte ich an mir merkwürdige Veränderungen. Ich verlasse mich im Alltag nämlich neuerdings auf Geräte wie ein IPhone und eine Nespresso-Maschine. Und habe auch einfach Spaß daran! Sobald ich die Alarmglocken in meinem Kopf schrillen gehört hatte, beruhigte ich mich allerdings schnell wieder mit der Überlegung, dass es mir bei besagten Gegenständen wirklich nur um die Qualität und den Nutzen ginge, nicht etwa um das Statussymbol. Der Apfel an der Binnenalster regt mich ehrlich gesagt ziemlich auf. Nichts sollte abends heller leuchten als das Alsterhaus. Die Lage vom einzigen (jedenfalls mir bekannten) Nespresso-Store in der Hansestadt ist allerdings ziemlich cool: direkt gegenüber von der Felix-Jud-Buchhandlung, von der ich in meinem Beitrag „Neu-Allermöhe West“ berichtet habe. Ja, jetzt ist es schon viiiiel besser und ich fühle mich weniger arrogant und oberflächlich.

Ich stamme ja aus einer sehr verantwortungsbewussten (d.h. sparsamen) Familie. Als ich noch zur Schule ging, habe ich ehrlich nicht verstanden, dass Persönlichkeit und Selbstbewusstsein nichts mit dem gesellschaftlichen Stand zu tun haben. Das lernte ich dann aber später zum Glück. Aus der Not machte ich sogar eine Tugend und schwor mir selbst, keine unnötigen Luxus-Ausgaben zu machen und erhob dies zum nobelsten Teil meiner Persönlichkeit. Richtig konsequent gedacht ist das natürlich auch nicht. Denn die Welt ein Stückchen besser zu machen, schafft man nicht einfach durch sinnlosen Verzicht. Ich bin auch nie konsequent Kapitalismus-Hasserin geworden, denn ehrlich gesagt fehlt mir erstens eine vernünftige (also praktikable) Alternative und zweitens vertrete ich die Meinung, dass nachhaltige Veränderung im Kleinen oder persönlichen Umfeld geschieht. Und das menschliche Verhalten besteht ja sowieso zu 80 % aus Verdrängung. Naja, beziehungsweise ist es echt schwer, sich verantwortlich zu fühlen für z.B. die abartige Massentierhaltung und nicht gleichzeitig ohnmächtig zu werden angesichts der enormen Aufgabe, die vor uns läge, diese zu beseitigen. So trinke ich also meinen leckeren Marken-Kaffee und schreibe ein bisschen was zum Nachdenken und schau mir dann das Ganze auf meinem Smartphone an.