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Mal ausprobiert: Loslassen

22 Mai

Ich bin durch Zufall vor einigen Tagen auf einen Blog gestoßen, in dem sich jemand täglich von Überflüssigem im eigenen Haushalt befreit. Die Idee hat mich sofort begeistert, also habe ich nach einigem Hin und Her nun auch ein solches Projekt ins Leben gerufen: Überdenken und Verschenken.

Täglich werde ich es wohl nicht schaffen, da am Ball zu bleiben, aber eben so oft es mir möglich ist. Bisher hat ein bisschen Müll dran geglaubt – wer sich noch an die Bonsai-Geschichte erinnert, wird vielleicht etwas traurig sein. Es hat halt einfach nicht sein sollen.

So erleichternd die Idee auch ist, „fürchte“ ich mich jetzt schon davor, irgendwann „gute“ Sachen loslassen zu müssen. Was erstens natürlich völliger Schwachsinn ist: Ich muss schon mal gar nichts. Und zweitens liegt gerade darin ja auch die Herausforderung! Wenn es nicht ein bisschen weh tut, weiß man gar nicht, um was für Müll man sich eigentlich die ganze Zeit kümmert.

Auch wenn ich durch die Zeit im Ausland bereits viel Überflüssiges losgeworden bin, schadet es nicht, auch heute wieder darauf zu achten, was man eigentlich nicht braucht. Was einem ein Stück weit die „Luft wegnimmt“.

Nach nur zwei Tagen sehe ich schon spürbare Erfolge: Ich habe Ordnung in die eine oder andere Ecke gebracht und sogar mein E-Mail-Postfach nebenbei sortiert.

Wer Lust hat, kann mitlesen und wer mag, darf natürlich auch mit eigenem Projekt mitmachen! Viel Spaß und ich hoffe, es ist euch genau so eine Inspiration wie es mir eine war…

 

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Dein Ort

26 Apr

Du sitzt nicht hier am Kamin
Dein Ort ist nicht bei den Bäumen
Du springst nicht wild durch den Garten
oder schwimmst dort im See.
Weder über noch neben
den zarten Wattewolken
schwebst du umher.
In unseren Träumen
bist du nur zu Gast
Und erst recht weiß jeder
dass du unter der Erde
nicht deinen Platz hast.

Du hast das Jetzt verlassen
um Ewigkeit zu sein
Du füllst unsere Herzen
bist jeder einzelne Kerzenschein
Du existierst überall
in uns und um uns
Zu groß für nur einen winzigen Ort
Wo wir auch sind
gehst du mit uns
Denn du bist nicht fort.

Wir sind jetzt dein Ort.

 

Ab-schied

8 Apr

Ich wusste, du würdest jeden Moment gehen. Du könntest jeden Moment loslassen. Auf jeden Fall wäre es ein Abschied für immer. Ein echter, unwiderruflicher Abschied. Und es ging gar nicht um mich an diesem Tag. Es ging um dich, aber das hat sich mir damals nicht erschlossen. Eigentlich ging es auch gar nicht um dich. Es ging um uns. Das zwischen-dir-und-mir, das so nie wieder sein würde. Du bist nur die Summe dieser zwischen-dir-und-jemand-anders-e, im Prinzip. Denn ansonsten gibt es keine Zeugen. Steine reden nicht, auch wenn sie sich erinnern mögen. Oder vielmehr uns erinnern.

Dein letzter Blick war ein klarer, durchdringender. Du hast mir alles gesagt in diesem Moment und ich habe alles verstanden. Weil es universell war und doch so persönlich. Wie es nur zwischen zwei Menschen sein kann, die wissen, dass sie sich das letzte Mal sehen. Bei uns kam hinzu, dass wir uns noch nicht richtig kennen gelernt hatten. Im Angesicht des Todes ist Vertrauen eine harte Währung.

Wir sahen uns das letzte Mal im Traum. Du hast mir zugewunken aus einer anderen Welt und mich instruiert. Ich hoffe, ich habe meine Sache gut gemacht. Auch wenn ich lange gebraucht habe, um zu verstehen, was du mir eigentlich sagen wolltest. Dass du die Kartoffeln so gehasst hast, wusste ich gar nicht. Aber ich habe nie vergessen, wie respekvoll du mit den Wespen umgegangen bist.

Dein Körper ging schneller als dein Geist. Den Abschied mussten wir nachholen, immer und immer wieder. Bis wir beide irgendwann loslassen konnten.

Ich wollte auf dich aufpassen, dich begleiten. Doch an einem gewissen Punkt trennen sich die Wege. Und auch wenn man sein Leben in Einklang mit dem Tod lebt – in völligem Bewusstsein des Daseins – ist das Sterben ein sehr konkreter Moment. Aber eben auch nur das.