Tag Archives: Spinnen

Die kleine Spinne

6 Jan

Vor ein paar Tagen habe ich sie entdeckt. Sie saß da, bei meinem Schreibtisch an der Wand und guckte harmlos. Trotzdem gab es einen kleinen Moment des Schocks. (Forscher haben nun auch herausgefunden, dass die Angst vor Spinnen tatsächlich „wahr“, d.h. messbar ist. Dabei geht es nicht um die reale Gefahr, sondern um die Reaktion der Probanden auf die Sichtung eines Spinnenobjekts.)

Sie saß also da und war klein. Was tat ich also? Genau. Ich holte nicht den Staubsauger.

Die ist ja noch so klein, harmlos und kann ja nichts dafür.

Nun aber wird sie jeden Tag größer. Sie bewegt sich keinen Milimeter von ihrem Platz (ich beobachte sie in jeder freien Minute, also habe ich da absolute Gewissheit), also wie zur Hölle wächst sie? Noch hat sie sich auch nicht gehäutet. Technisch ist es also gar nicht möglich, dass sie wächst. Vielleicht wächst sie nur rein optisch, weil ich sie so oft anschaue.

Bald wird sie zu groß sein, um sie wegzusaugen. Anfassen würde ich sie niemals.

So ist das mit Problemen. Sind sie klein, bemerkst du sie und beobachtest sie. Du unternimmst aber nichts, denn wirklich groß sind sie ja nicht. Dann wachsen sie aber, ganz langsam und unauffällig. Und irgendwann überwältigen sie dich, weil sie plötzlich so riesig geworden sind.

Ich sollte wirklich drigend etwas unternehmen.

 

Die Geister dieser Stadt

8 Sep

Sie lauern hinter Bäumen, unter Brücken, in Türeingängen. Machst du genau den richtigen Schritt im richtigen Moment, sind sie da. Oder den falschen. Düfte und Jahreszeiten rufen sie hervor, manchmal auch einfach nur eine Stimme aus der Ferne. Ein Gedanke oder ein Wort können ausreichen. Und besonders in dieser Stadt gibt es unzählige Geister.

Weil sie meine ist? Weil ich hier schon so viele Geister angesammelt habe? Ich bin weit weg gefahren und habe einige von ihnen mitgenommen, aber hier ist ihre wahre Präsenz. Manchmal gehen sie mir mächtig auf den Keks, manchmal mag ich sie und suche sie sogar.

Erinnerungen, Bilder, Ideen. Menschen. Es gibt Tage, da sind sie allgegenwärtig, an anderen scheinen sie überhaupt nicht zu existieren. Einige sind riesengroß und nicht zu übersehen, andere sehr flüchtig und kaum wahrnehmbar. Sie können deine Kräfte rauben oder dich beflügeln.

In Stein gehauene Geister begrüßen uns am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, Buchstabengeister begleiten uns in der Bahn, Musik beschwört sie herauf, wenn man die Straßen entlang geht. Tausende verbringen ihre Zeit damit, wegzuschauen und die Geister zu ignorieren, doch dann ist die Heimsuchung eines Tages um so größer. Und verwirrender.

Die Geister der Politik schweben zwischen uns und dem Papier, überall in der Stadt. Wir versuchen vielleicht, sie zu verstehen, um dann mit einem guten Gefühl wählen zu gehen. Manchen sind diese Geister jedoch zu viel. Die meisten Plakate weisen tatsächlich darauf hin, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen sollten: „Es ist viel besser, liebe Bürgerinnen und Bürger, wenn ihr wählen geht.“

Doch im Alltag haben sie eigentlich keinen Platz. Ob Spinnen oder Geister, am liebsten holen wir den „Staubsauger“ raus und werden sie los. Dabei wollen sie uns eigentlich immer auch etwas wichtiges sagen (besonders die Spinnen). Und wenn wir uns mal wieder selbst nicht glauben, sagen wir gerne, „ich glaub, ich spinne“. Also: Ich glaube, ich habe einen Geist gesehen.

Spinnen-Alarm

12 Aug
Zugegeben, ein kleines Exemplar.

Ok, ein kleines Exemplar.

Sie sind wieder da. Der Sommer ist noch nicht ganz vorüber, schon kriechen sie in die warmen Häuserecken. Im Innern des Hauses. Kleine, knubbelige und große, dünnbeinige und mittlere, hüpfende und überhaupt trippelnde, springende, laufende, klebende, Nester spinnende Spinnen. Ich hasse sie.

Nicht so sehr, wie ich Kakerlaken hasse, zugegeben. Aber trotzdem. Einige Exemplare kommen den ekelerregenden Schaben schon sehr nahe, von der Größe her zumindest. Ich habe nichts persönlich gegen Spinnen. Wenn sie wirklich weit weg sitzen (draußen) oder ich sie nicht sehe, stören sie mich zum Beispiel gar nicht. Das Schlimme aber ist dieser Effekt, wie in einem Gruselfilm oder Thriller, wenn man sie auf einmal erblickt (und sie zurück starren). Auf der weißen Wand zum Beispiel. Oder wenn sie sich ganz plötzlich bewegen. Brrrr…

„Sie sind viel kleiner als du und haben tausend mal mehr Angst vor dir als du vor ihnen.“ Ja, ja. Sollten sie auch! Nicht, dass ich ihnen etwas tun könnte. Ich erwarte schon, dass man sie lebendig aus dem Weg räumt. Also früher hat das ja mein Papa gemacht. (Danke Papa!!!!) Heute bin ich schon manchmal mutig genug, mich alleine an sie heran zu wagen. Aber wenn jemand anders im Raum ist, frag ich erst mal denjenigen oder diejenige. Manchmal klappt das, meistens nicht.

Ich habe letztens aus Versehen eine Spinne in der Dusche ertränkt. Das tat mir wirklich leid. Ich weinte ein paar Minuten. Ich weiß, ich bin da etwas schizophren. Naja, was soll’s. Mein Opa hat mir früher erzählt, dass in jedem Raum (!) immer zwei Spinnen sitzen. Nicht mehr, denn sie dezimieren sich automatisch und fressen sich gegenseitig auf. So hat jede Spinne also zwei Wände für sich. Mir persönlich sind das schon zu viele. Gefühlt sehe ich immer gleich zehn auf einmal. Im Gegensatz zum australischen Busch haben wir es hier klimatisch und Tierchen-technisch natürlich äußerst entspannt. Aber in der Sitution sieht man halt nicht immer gleich das große Ganze. Da bin ich völlig gefangen im Alltag.