Tag Archives: Sport

Beim Kindersport

12 Feb

Er klebte mit der Nase an der Tür und schaute sehnsüchtig durch das Glas. So eine endlos lange Zeit lag jetzt vor ihm. Hoffentlich würde sie irgendwie noch lustig werden. Er drehte sich um und lächelte den anderen zu.

Der Kurs ging schon los, doch sie musste noch einmal kurz die Tür aufmachen und sich verabschieden. Einmal winken, ein Küsschen, schnell, schnell – Tür zu.

Sie setzte sich unbeholfen zu den zwei anderen. Erst vorsichtig, dann mit dem deutlichen Zeichen, dass sie sich in das heitere Gespräch einbringen wollte. Ein schüchternes Lächeln, dann war sie aufgenommen in die Gruppe. Bald schon verabredeten sich die drei.

Unbeholfen ging er auf und ab und versuchte, sich zu entspannen.

Währenddessen hatten ihre Kinder Spaß beim Toben und Laufen, beim Tanzen zur Musik und beim Seilspringen – auf der anderen Seite der Tür.

Karl ist zurück

15 Nov

Ja, mein innerer Schweinehund ist zurück. Nicht dass er wirklich jemals weg war, so ist das nicht gemeint. Wir liegen immer noch gern zusammen ganz ungeniert auf der Couch. Mal hasse ich Karl und würde ihn am liebsten durchs Zimmer schleudern, dann wieder find ich ihn ganz putzig. Er kann ja nichts dafür, was er ist.

Aber wie er so ist, daran kann ich arbeiten. Ich widme mich ihm daher auch gerade wieder in einem ausführlichen Projekt. Und sollte das mal eine runde Sache werden, lasse ich es euch wissen.

Ich hatte ja erwähnt, dass ich mich von Zeit zu Zeit gern handwerklich betätige. Nun hing ich also mit Zange, Schraubenzieher und guten Vorsätzen bewaffnet an der Toilette und versuchte, eine neue Klobrille anzubringen. Ja, sogar Karl hat das Gesicht verzogen. Dann lief er mir vor die Füße. Manchmal frage ich mich, ob er das mit Absicht macht. Einmal legte ich ein Stück Werzeug zur Seite, da jaulte Karl plötzlich laut auf. Ich hatte seine Pfote getroffen. Ich war genervt und schnautzte ihn an, „wenn du keine Lust oder Geduld hast, dann geh doch einfach weg, bis ich fertig bin.“ Das tat er dann auch – jedoch nicht, ohne mir einen sehr langen und vorwurfsvollen Blick zuzuwerfen. Als ich schließlich völlig berauscht von meinem Erfolgserlebnis zurück ins Wohnzimmer kam, lag er auf dem Sofa und schaute Friends. Die zehnte Staffel. Verdammt. Doch ich blieb hart und packte meine Sporttasche. Karl zog eine Augenbraue nach oben. So viel Aktivität verwirrt ihn ja immer, den armen. Ich sprach langsam und beruhigend auf ihn ein. Erklärte ihm, dass er leider nicht mitkommen könne, da ich sonst keinen Spaß an der Stunde hätte und dass ich danach auf jeden Fall wieder nach Hause kommen und ein bisschen mit ihm abhängen würde.

Besonders schlimm ist es momentan, wenn ich schreibe. Mal scharrt er auf dem Fußboden herum, dann schaltet er zum Spaß die Waschmaschine an – ja, das Programm scheint ihn zu faszinieren. Oder er schleppt Zeitschriften durch die Wohnung. Und ich falle jedes Mal wieder drauf rein und beschäftige mich mit ihm. Wenn ich ihn nicht beachte, kommt er komischerweise immer super alleine klar. Aber er wittert meine Stimmungen und schmeißt sich genau in der richtigen Sekunde auf die Fernbedienung. Spazieren gehen muss natürlich auch mal sein und so setzt der kleine doofe Schweinehund viel zu oft seinen sturen Kopf durch.

Ich hab aber auch festgestellt, dass er eigentlich schnell Ruhe gibt, wenn ich ihm ein wenig Beachtung schenke. Einmal richtig ernst genommen, lässt er mich dann auch wieder für Stunden arbeiten.

P.S. Es ist schon wieder Dom! Wie die Zeit rennt…

Sport. Spass. Melone.

31 Mai

Ich stehe mal wieder in diesem Gym, in voller Montur, und warte darauf, dass der Kurs losgeht. Ich schaue skeptisch an mir herunter. Das T-Shirt sitzt ein bisschen eng. Es wird echt mal wieder Zeit. Gut, dass ich mich aufgerafft habe. Sportspass. Der Name verspricht schon eine Stunde voll gutgelaunter Power. Meistens stimmt das auch, manchmal nicht. Wenn es so voll ist, dass man bei Fit Fight seine Ellenbogen nicht anheben kann, ohne vier Nachbar(inne)n gleichzeitig zu verletzen, sollte man sich überlegen, nächstes Mal eine andere Uhrzeit zu wählen. Oder sich zumindest schon mal in Richtung gekipptes Fenster bewegen, denn die Luft wird im Laufe der nächsten zwanzig Minuten bestimmt knapp.

Ich schaue wieder in den Spiegel, lasse meinen Blick über die anderen fünfunddreißig Frauen und drei Männer schweifen. Die Melone auf dem riesigen Bild an der Wand grinst mich an. Fruchtig, bunt, fröhlich. Sie verheißt eine sommerliche Wohlfühl-Belohnung nach dieser Stunde. Im Sommerurlaub auf Kreta haben meine Freundin Joanna und ich uns vor zehn Jahren praktisch nur von Wassermelone ernährt. Spontan keimt also ein Urlaubsgefühl auf, das mir gleichzeitig Motivation verschafft.

Eine Frau kommt herein, hat ein Wasserglas in der Hand. Das hab ich auch noch nicht gesehen. Die Trainerin guckt verdutzt und sagt, „das hab ich auch noch nicht gesehen.“ Die Frau erklärt lachend, dass sie keine Wasserflasche mehr hatte, also hat sie sich einfach mal schnell ein Glas eingesteckt. In einem elitäreren Sportclub wäre das vielleicht nicht passiert. Die Trainerin sagt nur, „aber da passt ja nicht so viel rein.“ Egal, besser als gar kein Wasser zu haben.

Dann macht die Trainerin die Musik an, laute Bässe dröhnen und der Takt ist wahnsinnig schnell. Ich wippe schon mal mit. Dann geht der Zumba-Kurs los. Einfach bewegen, nicht nachdenken, lachen. Über sich selbst und alle um einen herum. Außer so eine Latina, die sich irgendwie wie von selbst bewegt und einem Musikvideo entsprungen zu sein scheint. Na egal, wir sind ja nicht hier, um Vergleiche anzustellen, sondern um Spass zu haben. Das befiehlt ja schon der Name. Und es wirkt. Nutella-Scheiben-Bestreichen hilft auch. Eine Hand nach oben offen halten (wie für ein Tablett oder eine Scheibe Brot), die andere in gewissem Abstand „Nutella drüber streichen“ lassen. Dann die andere Seite. Und schneller. Und hüpfen. Und vorwärts. Und die Hüften nicht vergessen. Irgendwann schaltet sich der Kopf automatisch ab. Jetzt macht es richtig Spass. Und schon meldet sich mein Körper. „Ey, spinnst du? Dieses Tempo bin ich doch gar nicht gewohnt!“ Ich antworte, „halt die Klappe. Da musst du jetzt durch. Wirst dich schon wieder dran gewöhnen.“ Er antwortet mit heftigen Seitenstichen. Arschloch. Irgendwann finden wir wieder zueinander und einigen uns auf ein Tempo, das uns eigentlich beiden nicht passt. Naja, was soll’s. Die Melone leuchtet immer noch unbeirrt und fruchtig weiter. Nach jedem Lied wird geklatscht. Irgendwann ist es vorbei. Und ich bin wieder mal sehr froh, hier gewesen zu sein.

Tempo