Tag Archives: Starbucks

Perspektivwechsel

16 Nov

Heute habe ich einen Kanadier bei Starbucks getroffen. Er stand vor mir in der Schlange und kaufte zwei Espressotassen mit der Aufschrift „Germany“. Dann lernte er das Wort „Tüte“. Es war so süß, wie er es wiederholte – ich sprach ihn also an und fragte, woher er komme. Als er Kanada antwortete, war ich natürlich sofort begeistert. Erzählte ihm, wo ich gelebt habe und erfuhr, dass er aus Quebec kommt und in der Nähe von Toronto arbeitet. Und einmal im Monat (!) für eine Woche hier in Hamburg. Wir waren uns einig, dass das ganz schön heftig ist, nicht zuletzt wegen des Jetlegs. Aber er könne hier nun noch seine Weihnachtseinkäufe erledigen und müsse bis zum nächsten Jahr auch nicht mehr herkommen.

Und dann sagte er, Hamburg sei wunderschön. Ich grinste schief. Wenn er wüsste. Ich wollte damals nur von hier weg und bin förmlich nach Kanada geflohen. Zunächst dachte ich, er mache eines von diesen höflichen Komplimenten. Aber dann sagte er ganz ernst und feierlich, „You are so lucky to be able to live here.“ Seine Worte gehen mir nicht aus dem Kopf. Irgendwie bin ich seit heute ein Stückchen mehr hier zuhause. Ja, wir haben wirklich Glück. Und langsam kann ich es sogar genießen.

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Wichtige Erkenntnisse – back to Hamburgo

1 Okt

Ich habe mal wieder meiner Lieblings-Heimats-Traumstadt Hamburg (momentan ist es aber auch echt phantastisch: eisige Sonne und so gut wie kein Wind) den Rücken gekehrt. Es ging ganz spontan ganz weit weg – ins warme und sonnige Californien.

Gerade noch rechtzeitig, nämlich bevor die Vereinigten Staaten von Amerika „heruntergefahren“ wurden, flogen wir dann auch am Sonntag zurück nach Hause. Die armen Touristen, die jetzt noch da sind, kommen nun in keine Nationalparks mehr hinein (zu denen zum Beispiel auch Alcatraz zählt – und das muss man einfach echt gesehen haben). Der Vollständigkeit halber und des Anstands wegen sei noch erwähnt, dass es selbstverständlich für die US-Bürger und Staatsangestellten noch schlimmer ist, deren ganzes Leben vom Shutdown beeinträchtigt wird. Obamacare, ich drück dir die Daumen (wobei ich die sehr persönliche Namensgebung einer so umfassenden Reform für Jedermann doch eigentlich etwas fragwürdig finde).

Während der Tour gab es für mich zahlreiche wichtige und auch weniger wichtige Erkenntnisse.

1. Ich habe unheimlich viele (europäische, arrogante) Vorurteile gegenüber den USA und ihren Einwohnern. Die meisten ließen sich kurieren. Die anderen muss ich nochmal direkt mit der Regierung besprechen (aber wie ich sie kenne, liest sie eh fleißig mit…)

2. Frühstück bei Starbucks in Nordamerika ist toll – aber auch wirklich nur da. (Das wusste ich aber auch schon vorher.)

3. Der Walk of Fame in Hollywood ist nicht annähernd so imposant wie gedacht. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes „unterwältigt“.

4. Autofahren und L.A. sind keine gute Kombination, aber es geht leider auch nicht anders. Danach fühlt man sich auf den heimischen Straßen allerdings rundum glücklich.

5. Wenn man Urlaub entlang des Highway 1 macht, begegnet man mehr deutschen Touristen als Einheimischen. Zumindest im späten September.

6. In den Staaten fehlen ein paar kanadische Dinge. Wie zum Beispiel bunte Dollars, Tim Hortons, Oat-Fudge-Bar, das „eh“ und die „washrooms“.

Golden Gate Bridge im goldenen Sonnenlicht

Golden Gate Bridge im goldenen Sonnenlicht

Jetzt muss ich wieder raus in die Sonne! (Sonst schlaf ich gleich ein – Jetlag und so…)

Autoreise

22 Mai

Ja, es war tatsächlich wunderbar in Osnabrück (trotz massiven Regens). Und: Ich liebe Auto fahren. Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen.

Ich liebe es. Mir ist ziemlich egal, in was für einem Auto ich sitze, ich fühle mich einfach frei hinterm Steuer. 120 auf deutschen Autobahnen? Fand ich super in der Theorie. Nach diesem Wochenende allerdings nervt mich die Vorstellung etwas. Obwohl das Tempolimit in Kanada zum Beispiel irgendwo zwischen 80 und 100 höchstens liegt. Und die messen die Geschwindigkeit auch in km/h. Eigentlich ist es schon komisch, dass ich hier so eine Liebeserklärung an das Autofahren mache, denn wir hatten einen schweren Start. Ich und mein Führerschein. Ich wollte ihn unbedingt haben, hatte aber eine ziemliche Blockade, wenn es darum ging, unter Beobachtung zu fahren. Mit dem Fahrlehrer war es schon schlimm genug. Als dann noch ein paar Augen auf dem Rücksitz dazu kamen (grummelige Augen), war es ganz vorbei. Ich überfuhr einen Zebrastreifen, eine rote Ampel (angeblich), schaffte es nicht, rückwärts einzuparken…und fiel also drei mal durch die praktische Prüfung. Dann hatte ich drei Monate Zeit, mich von den Strapazen zu erholen. Meine Oma wollte mir zur bestandenen Prüfung – der ersten – einen Schlüsselanhänger schenken. Nach dem dritten Versuch bekam ich ihn dann halb peinlich berührt, halb entnervt, überreicht. Als „Motivation“. Sie hatte wohl Mitleid und keine Geduld mehr. In meiner Familie hat der Führerschein sowieso eine merkwürdige Bedeutung. Keiner kann ohne ihn sein, ein Leben ohne Auto ist nicht vorstellbar. In Bergedorf gibt es auch verhältnismäßig viele Parkplätze, muss man dazu sagen. So hab ich mich wohl mit 18 ein bisschen selbst unter Druck gesetzt. Nach der ersten Prüfung sah ich einen Jungen, der ziemlich traurig drein schaute. Mein Fahrlehrer erzählte, dass er auch durchgefallen war. Nach der zweiten Prüfung sah ich ihn wieder. Er ebenfalls wieder durchgefallen. Nach der dritten lief ich heulend durch die Straßen von Bergedorf – sah ihn! – und wir beide konnten nicht mehr vor Lachen. Wir haben nie auch nur ein Wort miteinander gewechselt, es war auch gar nicht nötig. Wir teilten einfach in dem Moment unser ganzes Leid. Ich weiß nicht ob er es an dem Tag geschafft hatte, aber das war auch egal. Ich hatte das Gefühl, mich würde sonst niemand auf der Welt in genau dem Moment so verstehen wie er. Wer fällt denn auch bitte drei mal durch???

Heute bin ich zwar noch nicht stolz drauf, aber ich kann es mit einem lachenden Auge erzählen. Und habe deshalb vielleicht so ein inniges Verhältnis zum Auto fahren. Ich kann es einfach wertschätzen. Ich bin gerne in Hamburg auf den Straßen unterwegs, außer sonntags. Da ist permanent rote Welle. Und irgendwo sind auch immer irgendwelche Großbaustellen. Aber ansonsten echt gerne. Und naja, in der Innenstadt und eigentlich auch jedem Wohnviertel findet man nie einen Parkplatz. Aber sonst. Ja wirklich. Obwohl ich eigentlich dann doch lieber einfach auf den offenen Straßen unterwegs bin. In Kanada mochte ich auch gerne Auto fahren. Es war ein ziemlich alter Pick-Up, total genial. Auf den sandigen Straßen waren 80 eigentlich auch schon zu viel. Wir sind auf der Huskyfarm in Sundridge mit diesem Wagen umher gefahren und haben den Hunden ihr Futter und Wasser gebracht. Und mega viel Holz transportiert. Und als ich dann endlich selbst fahren durfte, war ich wie ausgewechselt. Ich liebe Autofahren. Sagte ich das schon?

Naja nun noch kurz zu Osnabrück, der Vollständigkeit halber. Wir sind mit dem Auto hin und haben dann dort geparkt. Vor dem Haus von Christians Onkel. Mit dem sind wir erstmal richtig schön Cocktails trinken gegangen und haben uns den Grand Prix angeguckt, jedoch ohne Ton. War irgendwie semi-geil, also sind wir mit noch einer Runde Cocktails „to go“ (die klauen aber auch alles…) wieder nachhause und haben den Rest – mit Ton – gesehen. Diesmal hab ich auch einen mit Alkohol genommen. Denn ich durfte ja fahren. Ich liebe Auto fahren. Aber zurück zum Grand Prix. Deutschland hat ziemlich verkackt (Entschuldigung). Dänemark hat gewonnen und Lena hat sich mega peinlich versprochen (was für ein PR-Gag). Wir haben (mit dem Auto) die City von Osnabrück aufgesucht und waren in einem richtig coolen Buchladen (Wenner). Shoppingtouren sollten grundsätzlich in einem supertollen Buchladen enden, also war das schonmal ein Erfolg. Bei Starbucks (ja, sorry) wurde ich begeistert auf meine Herkunft angesprochen „Was, du kommst aus Hamburg? Und bist hier, in Osnabrück???“ – „Ja, um zu Starbucks zu gehen…Geschichten gibt’s.“ Am nächsten Tag sind Christian und ich dann in die Meller Berge gefahren (nachdem wir seine Oma und Tante besucht haben, natürlich) und haben einem wütenden Wildschwein in die Augen geguckt. Groooooßer Bogen, dann weiter durch den Wildpark, ohne Eintritt! Der Ausflug war also klasse, mit freundlicher Unterstützung von sehr gutem Wetter. Zufällig war auch gerade noch Stadtfest in Osnabrück, also sind wir (mit dem Auto) auf die Maiwoche mit Onkel Uwe, dann wieder abgedüst nach Hamburg. Im Auto, versteht sich. Hab ich’s schon erwähnt…?