Tag Archives: Weihnachten

Schneekugel-Kopf

21 Dez

Honig ist es nicht, in meinem Kopf. Um es mal mit Til Schweiger zu sagen. Es ist nur Schnee. Geschüttelt, nicht gerührt. Obwohl ich sehr gerührt bin, von diesem ganzen Weihnachtszeug.
Es ist mal wieder alles neu, in Bewegung, leer und voll zugleich.
Und dann fällt mir auf, dass es genau dieser Zweck ist – eine Schneekugel will ja geschüttelt werden.
Die Flocken wollen tanzen und fliegen und sich legen und dann steht die Welt wieder Kopf – und der Kopf stellt sich der Welt. Bis wir irgendwann genug haben und sie im Regal verschwindet – nur die Skyline noch halbwegs sichtbar und auch sie vermengt sich irgendwann mit dem Hintergrund.
Also dann: Augen auf, lasst den Zauber wirken. Der immer wieder aufs Neue die Dinge durcheinander wirbelt.

Das Gute im Bösen

26 Dez

Weihnachten ist für mich die Zeit zum Lesen. Momentan lese ich das sechste Buch der Fantasy-Saga „Game of Thrones“ und ich muss gestehen, dass mich erst die Serie zu den Büchern gebracht hat. Und es ist wirklich nicht das Gleiche! Eine Staffel sind ungefähr zwei Bände, die dritte Staffel habe ich bereits gesehen. Nun müsste ich ja mit dem sechsten Buch eigentlich den gleichen Stand erreicht haben, aber irgendwie ist alles anders. Einiges ist wirklich komplett umgeschrieben worden für die Serie, andere Sachen passieren in einer anderen Reihenfolge. Vielleicht hätte ich ein bisschen mehr Abstand gebraucht.

Gestern auf jeden Fall – so bei Seite 500 herum – passierte etwas, was in der Serie (noch) nicht bearbeitet wurde. Ich werde hier nichts vorwegnehmen, keine Angst. Aber da war ein Familienmitglied einer bösen (da intriganten und machtgeilen) Familie in Gefahr. Und ich hatte tatsächlich Angst um diese eigentlich böse Figur. Komisch, dachte ich mir, bis mir aufging, dass der Autor stets das Gute im Bösen und andersherum das Böse im Guten darstellt. Das Gleichgewicht verschiebt sich bisher ganz gut, aber dann machte ich mir Gedanken um das große Ganze.

Ja, Weihnachten ist ganz ähnlich. Da gibt es die bösen Kalorien im guten Essen, die guten Absichten in den bösen Sprüchen, die bösen Nebenwirkungen (für die einsamen Menschen) beim guten Fest der Liebe, die guten Geschenke im bösen umweltschädigenden Geschenkpapier und vieles mehr. Die Welt ist halt nicht schwarz-weiß. Die Frage ist nur, ob das große Gleichgewicht besteht? Oder ob wir das auch nur konstruieren mit unseren Ansichten und Beobachtungen?

 

Alle Jahre wieder

16 Dez

Ganz besonders schlimm ist es zu Weihnachten. Wo wir auch hinschauen, überall schwirren diese Erwartungen umher. An das Fest, an den Glühwein, an den Schnee – der sowieso nicht kommen wird, man weiß es ja schon vorher. Weiß man halt. Ist so. Aber eigentlich sollte er uns ja auch dieses Jahr wieder überraschen mit seiner Puderzuckerromantik.

Und am deutlichsten sind die Erwartungen gegenüber anderen Menschen. Besonders an die nächsten, liebsten, scheinbar berechenbarsten Menschen. Man erwartet, dass sie bestimmte Dinge tun oder auch unterlassen, dass sie sich bestimmte Dinge wünschen oder einem schenken werden. Schließlich, dass sie einen schon wieder enttäuschen werden.

Das werden sie mit Sicherheit, wenn wir immer wieder die gleichen Erwartungen an sie richten (und dabei die direkte Kommunikation unterlassen, weil die sich ja sowieso nicht lohnt. Weiß man ja schließlich schon vorher.)

Der Dezember hat so eine ganz eigene Jahres-end-spannung inne, die wunderbarerweise in eine Jahres-ent-spannung umschwenken könnte. Würden wir nur einfach mal nichts mehr voneinander erwarten.

Sondern einfach fragen, wenn wir etwas möchten. Wer kann denn schon Gedanken lesen?

Ich weiß leider nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber ich liebe diese Idee:

Wer nicht um Hilfe bitten mag, kann anderen selbst keine Hilfe gewähren, ohne dabei zu urteilen.

Ebenso klasse finde ich:

Ich freue mich jedes Mal wieder, enttäuscht zu werden. Dann weiß ich, dass ich mich vorher getäuscht habe.

In diesem Sinne: Redet miteinander. Tut doch nicht weh.