Tag Archives: Zeit

Nicht die Zeit…

25 Mrz

Nicht die Zeit, kurz stehen zu bleiben und dich umzusehen. Die ersten Knospen an den Bäumen wahrzunehmen.

Nicht die Zeit, auf all die Menschen und Autos zu achten – und die Fahrräder um dich herum. Lieber geradewegs hindurch – in der Hoffnung, einfach heil auf der anderen Seite anzukommen.

Nicht die Zeit, dich für zehn Minuten in den Park zu setzen und die Sonne zu genießen.

Nicht die Zeit, durchzuatmen. Es geht weiter.

Nicht die Zeit, das Eichhörnchen zu beobachten…dich zu fragen, ob es noch jung ist oder nur einfach klein oder ob hier vielleicht alle Eichhörnchen so klein sind und du es vergessen hast?

Nicht die Zeit, an der Kasse jemanden vorzulassen.

Nicht die Zeit, nicht die Zeit, nicht die Zeit.

Nicht die Zeit entscheidet, sondern du.

 

Luxus…

10 Sep

…wenn du bei Ikea einen kleinen Mülleimer in der passenden Farbe zu deinem Badezimmer kaufst. Obwohl du einen perfekt funktionierenden zu Hause hast.

…Sonntags morgens die Zeitung lesen.

…eine Stunde am Telefon, während du eigentlich ganz dringend das Badezimmer putzen müsstest.

…wenn du in der Mittagspause Enten fütterst, statt dich um dein eigenes Essen zu kümmern.

…barfuss durchs Gras laufen. Und über Sand. Und überhaupt.

…morgens drei Euro für einen Café Latte ausgeben, statt zu Hause einen Filterkaffee trinken.

…eine Katze.

…wenn du eine Krawatte mit einem schönen Inlay trägst. Und nur du weißt es.

…ein Buch lesen. Nicht nebenbei in der Bahn, sondern ganz und gar. Mit einem Tee und einer Wolldecke oder in einer Hängematte.

…wenn du einen Eintopf kochst, von Anfang bis Ende.

…eine Fahrt mit der Fähre von Övelgönne zu den Landungsbrücken.

…Erdbeeren pflücken.

…sich Zeit für ein Kind nehmen. Spielen, zuhören, zeigen.

Über den Text und das Texten und die Texte und die Texterinnen und Texter

14 Aug

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe „texten“ gegoogelt. So zum Spaß. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich mal wieder eine mittelschwere Krise und Schreibblockade hatte. Vielleicht, weil ich dachte, es würde mir helfen, diese zu überwinden. Naja, auf jeden Fall hat es nicht geholfen. „Wieviel Bullshit steht in Ihren Texten?“ und „Was Sie tun sollten, damit Ihre Texte gelesen werden“ waren nur der Anfang. Ich befürchte, je mehr ich schreibe, desto mehr drehe ich durch, was das Schreiben angeht. Jetzt schreibe ich sogar schon übers Schreiben. Oh Gott es ist der Anfang vom Ende…

In meiner Schulzeit habe ich mal ganz gerne gemalt. Also Bilder. Und wenn man so ein paar Stunden auf das gleiche Gemälde starrt und ausbessert, wird man nicht nur irgendwann perfektionistisch, sondern auch schwindelig im Kopf. Und man sieht das eigene Bild nicht mehr. Mit Abstand (auch und vor allem zeitlichem Abstand) betrachtet, ist es dann schon wieder besser. Doch beim Schreiben hat man halt manchmal keine Zeit (oder es hilft auch nichts und der Kopf bleibt leer). Auf jeden Fall geht es mir gerade so und ich bin gleichzeitig furchtbar angespannt und ausgelaugt und hoffe einfach, dass ich meine nächste Deadline einhalten kann.

Ich jammere gerade auf meinem persönlichen Höchstniveau, da ich das Schreiben liebe und nichts anderes machen möchte (also beruflich zumindest) und komme mir total undankbar vor, da ich die phantastische Möglichkeit habe, einfach nur zu schreiben.

Ich glaub ich brauch ne Pause.

Die falsche Zeit

13 Jun

Als ich ungefähr fünfzehn war, habe ich mich von meiner Armbanduhr getrennt. Es geschah nicht über Nacht, aber es war dennoch eine bewusste Entscheidung. Ich wollte nicht die Zeit mit mir herum tragen. Heute schaue ich manchmal alle zwei Sekunden aufs Handy, um die Uhrzeit zu checken. Ich bin angewiesen auf Uhren am Bahnhof, in der City, links oben im Fernsehbild, rechts unten auf dem Monitor, oder eben auf meinem Smartphone-Display. Tja, die Zeit ist immer noch da.

Die deutsche Sucht nach Pünktlichkeit und Exaktheit führt immer wieder zu lustigen Beobachtungen: „Wie lange brauche ich zur Bahn?“ – „Sieben Minuten.“ Nicht fünf, nicht zehn.

„Wann treffen wir uns?“ – „Um 18.15 kommt mein Zug an, dann gehe ich noch dreieinhalb Minuten, also bin ich um 18.19 dann da.“ Nee, is klar. Es gibt tatsächlich Leute, die so exakte Zeitangaben machen.

Und dann gibt es auch noch Leute, die absichtlich ihre Uhren falsch stellen. Meistens gehen sie dann vor, damit man dann noch „etwas Zeit übrig“ hat. Muss man aber nicht ganz genau wissen, welche Uhr wie ungenau geht? Ich kenne jemanden, der eine Uhr hat, die fünf Minuten vor geht (im Wohnzimmer), eine, die zehn Minuten vorgeht (im Badezimmer) und eine, die wohl richtig geht (in der Küche). Es treibt mich schlicht in den Wahnsinn. Gut, im Badezimmer braucht man oder frau vor wichtigen Termin und morgens vor der Arbeit am längsten. Im Wohnzimmer möchte man vielleicht keine Fernsehsendung verpassen (?) und in der Küche darf man sich entspannen und Zeit lassen, in Ruhe kochen und essen.

Wenn ich zurück denke, fallen mir auch diverse Arbeitsplätze ein, bei denen die Uhr ein paar Minuten vorgestellt wurde. Man gewöhnt sich dran. Aber diese Erwartungshaltung gegenüber den Angestellten, ein paar Minuten früher als nötig zu erscheinen, wurde immer auch dadurch verstärkt, dass der offizielle Arbeitsbeginn 15 Minuten vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn angesetzt wurde. Und die Mentalität hierzulande führt dann zwangsweise dazu, dass viele auch ein paar Minuten vor dieser Viertelstunde erscheinen, selbstverständlich nach vorgestellter Uhr. Ist das nicht absurd?

Wenn man einen Termin hat, ist Pünktlichkeit erwünscht in Deutschland. Aber nicht das bloße Zufrühkommen ist damit gemeint. Genau genommen ist das sogar schlecht. Man soll gefälligst pünktlich da sein, also maximal zehn Minuten vor der Zeit, am besten sind fünf. Das ist beim Arzt genauso wie beim Bewerbungsgespräch und wenn du ein Date hast, sowieso.

Es geht ja schon mit der Kleinigkeit los, dass es bei uns jede Uhrzeit nur einmal am Tag gibt. Damit ist sie eindeutiger, bedeutender und vergänglicher. 3 Uhr kann zum Beispiel im englischsprachigen Raum mitten in der Nacht sein oder nachmittags. Wie spannend! Natürlich wird es oft dazu gesagt, ob es sich um a.m. oder p.m. handelt. Aber ansonsten kannst du alles doppelt machen. Potenziell. In Kanada werden übrigens auch die Uhren umgestellt, wie bei uns. Als wir ankamen, wiesen überall Schilder auf die „Daylight Saving Time“ hin. Ich muss gestehen, ich habe es nicht verstanden. Ich dachte nur, klasse, die wollen Strom sparen! Also immer schön das Licht ausmachen solange es draußen noch hell ist…

Die Messgeräte für die Zeit bestimmen nicht nur in Form von Uhren um uns herum das Leben, sondern auch in Form von Kalendern. Jeder Tag kann erst am Ende oder sogar sehr viel später im Nachhinein bewertet werden, dennoch glauben wir schon vorher zu wissen, was uns erwartet. Das tun wir aber nicht. Wir tendieren zum Beispiel dazu, gewisse Tage im Kalender mit Bedeutung zu beladen, weil da mal etwas geschehen ist. De facto sind da aber noch ganz viele andere Dinge ebenso geschehen und was dieses Mal passiert, weiß kein Mensch. Nur weil die Erde mal wieder im gleichen Verhältnis zur Sonne steht, heißt das eigentlich nichts. Außer, dass Erinnerungen aufgrund ähnlicher Wetter- und Lichtverhältnisse auftauchen könnten. Ok, ich schweife ab.

Fazit: Die Zeit ist nicht in oder auf den Uhren und Kalendern, sie ist in uns.

Vielleicht kaufe ich mir doch mal wieder eine Armbanduhr. Ist ja auch ein nettes Schmuckstück.